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Wittislingen

14.05.2020

Ulrich Mayerle ist Wittislingens Zweiter Bürgermeister

Bild: Jakob Stadler (Archiv)

Plus Der Wittislinger Gemeinderat trifft sich erstmals seit der Wahl. Am neuen Rathauschef gibt es gleich Kritik.

Die 14 Gemeinderäte sitzen schon bereit, die zahlreichen Zuschauer verteilen sich wegen des Coronavirus über den ganzen Raum. Wittislingens neuer Bürgermeister Thomas Reicherzer ( SPD) blickt auf seine Armbanduhr. Es ist still im Saal im Pfarrheim. Dann ertönen von draußen die Glocken der Ulrichskirche – und pünktlich auf die Minute eröffnet Reicherzer seine erste Gemeinderatssitzung.

Die beginnt mit der Vereidigung des neuen Bürgermeisters. Josef Waltl (FWG) nimmt als ältestes Gemeinderatsmitglied den Eid ab. Doch Reicherzer ist nicht der Einzige, der neu im Amt ist. Auch das halbe Gremium wurde infolge der Wahl ausgetauscht. Die neuen Räte leisten im Chor ihren Eid.

Klärungsbedarf gibt es bei der Geschäftsordnung

Dann folgt die erste Abstimmung der neuen Wahlperiode: Es geht um die Frage, wer den Posten des Zweiten Bürgermeisters künftig übernehmen soll. Reicherzer schlägt Ulrich Mayerle vor, der der größten Fraktion – der CSU – angehört. Auch wenn es keinen Gegenkandidaten gibt, unterstützt den Vorschlag nicht jeder: Mayerle erhält elf Stimmen, eine geht an den frisch gewählten Benedikt Decker (CSU), eine an Johannes Wunderle (CSU), zwei Räte geben ihren Stimmzettel leer ab.

Klärungsbedarf gibt es schließlich bei der Geschäftsordnung: Darin heißt es, dass der Bürgermeister einen Betrag von 6000 Euro zur freien Verfügung hat. Walter Reinelt (FWG) würde diesen wegen der „Erfahrung der letzten Jahre“ gern etwas niedriger ansetzen. Wittislingens Geschäftsleiter Tobias Steinwinter aber erklärt, dass man mit dem Betrag der Empfehlung des Gemeindetags folge, der vier bis sechs Euro pro Einwohner vorschlägt. Man liege also jetzt schon an der unteren Grenze. „Es gibt Rechtsgeschäfte, da muss ein Bürgermeister handeln können“, sagt Steinwinter. Ulrich Mayerle schlägt daraufhin vor, dass der Bürgermeister künftig den Gemeinderat informiert, wenn er von dem Geld Gebrauch macht. Reicherzer betont darauf, das tun zu wollen.

Auch einen neuen Posten soll es im Wittislinger Gemeinderat künftig geben: den des Schriftführers. Die Position soll in der ganzen Verwaltungsgemeinschaft eingeführt werden, ist aber nicht unumstritten. In Ziertheim konnten sich die Räte vergangene Woche bis auf Weiteres nicht dazu durchringen, jemanden zu bestimmen (wir berichteten), in Mödingen wurde nach längerer Diskussion ein Freiwilliger gefunden, der künftig das Protokoll anfertigt (Bericht folgt). Reicherzer betont, dass ein Schriftführer aus den Reihen des Gemeinderats die Verwaltung entlasten und ihre Effizienz steigern würde. „Es sind einige Mitarbeiter im Saal. Man sieht also: Ihnen liegt was an der Gemeinde“, sagt er. Durch die Überstunden in den Sitzungen würden die Verwaltungsmitarbeiter aber im regulären Dienst öfter fehlen. Reicherzer sucht Freiwillige. Dann wird es still im Raum, den Posten will erst einmal niemand. Carolin Stoll (SPD/UB) erklärt, sie schreibe ohnehin mit. „Wenn ich selbst spreche, kann ich aber nicht schreiben.“ Josef Waltl schlägt vor, einen Ehrenamtlichen aus der Bürgerschaft zu suchen. Steinwinter hat da wegen Datenschutz und nicht öffentlichen Inhalten jedoch Bedenken. Steffen Randler (FUW) betont dann, dass man sich auf eine Person einigen müsse. „Oder stehen wir als Wittislingen hin und sagen, die anderen beiden Gemeinden machen es – und wir nicht?“ Und Jürgen Menzel (SPD/UB) ist der Meinung, es brauche jemanden von außen, der sich nur darum kümmert. „Alles andere halte ich für unprofessionell.“ Schließlich meldet sich Benedikt Decker, einer der jüngsten Räte, zu Wort: Er könne es nicht mit sich vereinbaren, wenn die Räte niemanden finden, der den Posten übernimmt. „Und ich bin ja noch auffassungsfähig.“ Deshalb melde er sich für den Posten. Steffen Randler (FUW) übernimmt die Stellvertretung.

Die Webseite von Wittislingen sorgt für Ärger

Bei den Vertretern für den Rechnungsprüfungsausschuss kommt es schließlich zur Kampfabstimmung: Aus den Reihen der CSU soll Benedikt Decker den Vorsitz übernehmen. Die SPD-Fraktion schlägt daraufhin Carolin Stoll für die Position vor. Sie habe lange Erfahrung und sei „geradezu prädestiniert“ für die Aufgabe. Decker gewinnt die Abstimmung. Als es um den Posten des Stellvertreters geht, den Stoll übernehmen soll, wird plötzlich Walter Reinelt vorgeschlagen. Auch er gewinnt die Abstimmung gegen Stoll.

Einen seiner Meinung nach „unangenehmen“ Punkt bringt schließlich noch Walter Reinelt (FWG) auf den Tisch: Er könne nicht verstehen, wieso auf der Website der VG immer noch die Namen und Bilder der alten Gemeinderäte und des alten Bürgermeisters zu sehen sind. „Vor allem, weil Sie ja ein junger Mensch sind“, sagt er in Richtung Reicherzer. „Da bin ich enttäuscht.“ Der erklärt darauf, man sei schon dabei, das zu ändern. „Ich bitte da um Verständnis, ich bin neu im Amt und es ist viel zu tun.“ Und Steinwinter erläutert, dass die zuständige Mitarbeiterin aufgrund ihrer Schwangerschaft und der Corona-Krise sich darum noch nicht habe kümmern können. Reinelt: „Mit der Aussage bin ich nicht zufrieden.“ Das Internet habe oberste Priorität, schon allein, weil Wittislingen sich dort präsentiere. Reicherzers Parteikollegen Jürgen Menzel und Robert Drechsler springen dem Bürgermeister schließlich zur Seite. „Ich sehe das nicht so dramatisch. Einen Marathon gewinnt man nicht auf den ersten 100 Metern“, sagt Menzel. Und Drechsler betont: „Das Mediale sollte nicht an erster Stelle stehen.“ Auch im restlichen Landkreis seien die Webseiten noch nicht angepasst. Wittislingen habe mit Reicherzer zudem einen der jüngsten Bürgermeister und sei deshalb medial positiv aufgefallen. „Das ist doch auch schon was.“

Die Posten auf einen Blick:

  • Zweiter Bürgermeister: Ulrich Mayerle
  • Referent für Vereine, Kultur und Dorfgemeinschaft: Frank Kleinle, Manuel Steinhart
  • Haupt- und Finanzausschuss (ohne Stellvertreter): Eva-Maria Fink, Benedikt Decker, Manuel Steinhart, Jürgen Menzel
  • Bauausschuss (ohne Stellvertreter): Dominik Loibl, Frank Kleinle, Josef Waltl, Jürgen Menzel
  • Umwelt-, Land- und Forstwirtschaftsausschuss (ohne Stellvertreter): Ulrich Mayerle, Benedikt Decker, Steffen Randler, Carolin Stoll
  • Rechnungsprüfungsausschuss (ohne Stellvertreter): Benedikt Decker (Vorsitz), Ulrich Mayerle, Walter Reinelt, Carolin Stoll
  • Jugendbeauftragter: Robert Drechsler, Dominik Loibl
  • Vertreter Gemeinschaftsversammlung (ohne Stellvertreter): Thomas Reicherzer, Johannes Wunderle, Andreas Beß, Robert Drechsler
  • Schriftführer: Benedikt Decker, Steffen Randler
  • Vertreter im Schulverband: Thomas Reicherzer

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