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Bild: Bärbel Schoen
Bild: Bärbel Schoen

Franziska Schweikert aus Nördlingen sitzt im Vorstand der Grünen Jugend im Kreis Donau-Ries. Auch sie kam zum Besuch der Europaabgeordneten der Grünen, Barbara Lochbihler, nach Dillingen.

Dillingen
09.04.2019

„Unsere Zukunft steht auf dem Spiel!“

Von Bärbel Schoen

Europatag Die Europaabgeordnete der Grünen spricht in Dillingen von einer Richtungswahl. Und eine 20-Jährige aus Nördlingen appelliert an Menschen ihrer Generation

Dillingen Franziska Schweikert aus Nördlingen will mehr als nur wählen gehen. Die 20-Jährige ist der Partei Bündnis90/Die Grünen beigetreten und sitzt seit Kurzem im Vorstand der Grünen Jugend im Donau-Ries. „Ich habe beobachtet, wie mächtige Menschen dieser Welt ohne mit der Wimper zu zucken den Frieden aufs Spiel setzen“, sagte sie bei einer Veranstaltung der Grünen in Dillingen. Sie wolle nicht dabei zusehen, wie Politiker Entscheidungen für eine Zukunft treffen, die sie überhaupt nicht mehr erleben würden. „Es müssen deutlich mehr junge Menschen in die Parlamente der Welt. Es ist verdammt noch mal unsere Zukunft, die hier auf dem Spiel steht.“ Dass von 751 Abgeordneten nur 83 jünger als 40 Jahre alt sind, habe sie extrem geschockt. „Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr euch anhört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben werdet“, griff sie einen Ausspruch von Barack Obama auf.

Die 20-Jährige war Gast einer Veranstaltung in der Dillinger Kulturkneipe Chili. Die Europaabgeordnete der Grünen, Barbara Lochbihler, war auf Einladung der beiden Kreissprecher Heidi Terpoorten und Joachim Hien gekommen. In der Kulturkneipe Cili appellierte die Europaabgeordnete eindringlich an die rund 50 Besucher, zur Europawahl am 26. Mai zu gehen. Und mehr noch: „Nehmen Sie andere mit.“ Seit 14 Tagen wirbt die 59-Jährige an vielen Orten Deutschlands für den europäischen Gedanken. Und das, obwohl sie gar nicht mehr für das neue Parlament zur Verfügung stehen wird.

Am 26. Mai entscheidet sich, wohin Europa will. Die Menschen seien so herausgefordert, wie lange nicht mehr, sprach Lochbihler von einer entscheidenden Richtungswahl. Die internationale Ordnung bröckelt, die europäische Einigung steht infrage. Der Brexit zeige auf, was passiert, wenn ein Teil der Bevölkerung nicht zur Wahl geht und Populisten an den Grundfesten rütteln können. In Rumänien, Polen und Ungarn höhlten die autoritär agierenden Regierungen den demokratischen Rechtsstaat aus.

In Dillingen plädierte Lochbihler in ihrer Rede immer wieder für ein solidarisches Europa. Grundwerte wie Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte seien zunehmend in Gefahr, warnte sie: „In den letzten Jahren haben nationale und nationalistische, reaktionäre, populistische und völkisch-rassistische Parteien die Grundprinzipien der Europäischen Einigung angegriffen und ausgehöhlt.“ Außerdem sei es für eine erfolgreiche EU-Außenpolitik unabdingbar, dass die EU mit einer Stimme spreche. Dies sei nicht immer der Fall. Lochbihler ging auf jüngste Beispiele ein: Gegen den Globalen Migrationspakt hätten sich neben der USA auch Österreich und einige osteuropäische EU-Mitgliedsstaaten in Stellung gebracht. „Die Gegner des Paktes haben mit falschen Behauptungen mobilisiert. Die Souveränität von Staaten wird nicht untergraben, wie von ihnen behauptet wird.“ Die Kampagne zeige eine bedrohliche Entwicklung, die sich seit der Amtsübernahme des US-Präsidenten massiv verschärft habe.

Die Menschenrechtsaktivistin, die seit 2009 für „Bündnis90/Die Grünen“ im Europäischen Parlament sitzt, erlebt immer öfter, dass mancher Politiker zuhause anders redet als in der Union. „Sie haben Spaß daran, die Einheit aufzubrechen und Angst zu schüren.“ Sie sprach von einem „Verwildern der Weltordnung“ – der Ausspruch stammt von Bundesaußenminister Heiko Maas. Dem sollte eine Allianz der Multilateralisten entgegengestellt werden, ein Bündnis von Staaten, die gemeinsam globale Verantwortung übernehmen. „Demokratie stärken heißt wählen gehen.“

Der Lauinger Maximilian Manßhardt setzte mit lyrischen Liedern und Protestsongs dem Thema Frieden und Freiheit musikalisch eins drauf.

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