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Höchstädt

19.08.2019

Unterschriftenaktion: Wer passt auf die Kleinen in Höchstädt auf?

Das ist Familie Hilbert aus Höchstädt: Die Eltern Sascha und Ramona mit ihren Kindern Nils und Ida. Weil es finanziell nicht anders geht, haben die Eltern die Rollen getauscht. Mama geht ab September arbeiten, Papa bleibt zuhause und kümmert sich um die Kleinen – weil es in Höchstädt keinen Hort gibt.
Bild: Simone Bronnhuber

Höchstädter Mamis haben Unterschriften gesammelt. Sie wünschen sich einen Hort für ihre Schulkinder. Aktuell stehen sie vor einem Problem.

Dieser Rollentausch war so nicht geplant. Trotzdem wird Ramona Hilbert ab September wieder Vollzeit als Lehrerin in Höchstädt arbeiten. Ihr Mann Sascha tauscht dafür den Schraubenzieher gegen Kochlöffel. Der Mechatroniker bleibt für zwei Jahre zuhause und kümmert sich vorrangig um die Erziehung der beiden Kinder. Der Papa nimmt Elternzeit, die Mama geht arbeiten. Und das, so erzählt es die Höchstädter Familie, hat ausschließlich einen Grund. „Nur so ist die Betreuung unserer Kinder abgedeckt“, sagt Mama Ramona.

Viele berufstätigen Eltern stehen vor derselben Frage

Weil sie als Lehrerin mehr verdient, mussten sich die Eltern aus finanziellen Gründen für diese Lösung entscheiden. „Ich finde es richtig toll, dass mein Mann so mitzieht. Aber mir als Mama fällt es schon schwer. Anders geht es aber nicht“, sagt die 37-Jährige. Weil es in Höchstädt für Grundschulkinder keine Betreuungsmöglichkeiten gibt, wie sie sagt. Tochter Ida ist eineinhalb, Sohn Nils knapp sechs Jahre. Er kommt nächstes Jahr in die Schule. „Wir haben lange getüftelt, wie wir es machen. Wir haben keine Omas oder Opas, die uns mit der Betreuung helfen können. Wer passt also auf Nils auf, wenn er von der Schule heimkommt?“.

Mit diesem Problem stehe sie nicht allein da. Vor rund einem Jahr sei sie immer wieder von Mamis angesprochen worden – weil sie unter anderem in der Elterninitiative Schatzkiste engagiert ist. Viele berufstätige Eltern würden vor derselben Frage stehen: Wohin gehen die Kinder, wenn die Schule aus ist? Geboren ist die Idee oder vielmehr der Wunsch nach einem Hort für Höchstädt, der genau diese Bedürfnisse abdecken könnte – vor allem auch in den Ferien. Auf dem Maimarkt hat Hilbert gemeinsam mit einer weiteren Mutti deshalb Unterschriften für die Gründung eines solchen Hortes gesammelt – und viele bekommen, wie sie sagt. Bürgermeister Gerrit Maneth hat die Liste erhalten.

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Keine Konkurrenz zur Ganztagsschule in Höchstädt

In einem Hort, wie es ihn etwa in Dillingen gibt, können Kinder Hausaufgaben machen, mittagessen und ihre Freizeit verbringen. So die Grundidee. Dabei, das betont Ramona Hilbert mehrfach, wolle man überhaupt keine Konkurrenz zur Ganztagsschule in Höchstädt werden. „Diese Einrichtung ist super. Aber die Betreuungszeiten reichen nicht aus“, schildert sie. Im Grunde würden sich die Mütter, die unterschrieben haben, eine Betreuung ihrer Kinder über den Schulschluss hinaus, teilweise bis 17 Uhr, auch freitags, und in den Ferien, wünschen. Das könne die Schule – Stand jetzt – nicht abdecken. „Die Angebote für die Kindergartenkinder sind viel besser. Ich persönlich finde es einfach unverantwortlich, wenn ich ein Kind in der ersten oder zweiten Klasse allein zuhause lassen müsste“, schildert die zweifache Mama. Dabei wisse sie sehr wohl zu schätzen, dass sie als Lehrerin mehr Möglichkeiten habe und vor allem die Betreuung in den Ferien für sie kein Problem sei. „Aber was machen beispielsweise die Frauen, die alleinerziehend und berufstätig sind?“. Sie kenne auch Familien, die getrennt in den Ferien Urlaub machen müssen – nur so ist eine Betreuung der Kinder gewährleistet. Ein Hort wäre deshalb genau das Richtige. Und Ramona Hilbert ist sicher, dass solch ein Angebot sofort angenommen werde. „Nicht jeder hat den Luxus, dass Großeltern nachmittags die Kinder nehmen können oder man es sich finanziell leisten kann, nicht arbeiten zu müssen. Auch, wenn das noch oft in den Köpfen bei uns im ländlichen Raum ist“, so Hilbert.

Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth betont, dass die Stadt dieses Thema sehr ernst nehme und er wolle auch nicht komplett ausschließen, dass es bis 2020 eine Lösung geben kann. „Es steht auf der To-do-Liste, aber wir wollen keine Hoppla-hoppla-Aktion machen, sondern eine saubere, dauerhafte Lösung schaffen.“ Maneth will definitiv noch in diesem Jahr alle gesammelten Ideen und Vorschläge zusammenbringen und mit den Beteiligten besprechen. Dabei sieht er auch die Eltern in der Verantwortung – sei es als zusätzliche Betreuungskräfte. „So ein Hort ist nicht ganz so einfach umzusetzen. Wir brauchen einen geeigneten Raum. Außerdem wollen wir keine Konkurrenz zu unserer Ganztagsschule schaffen“, so Maneth. Man sei schon im Kontakt mit der Schule und es gebe Überlegungen, dass die Betreuung am Nachmittag dort um eine Stunde verlängert wird. „Das kostet aber Geld“, so Maneth.

Aktuell begrenzte Kapazitäten

Auch hätten potenzielle Träger für einen Hort bei ihm bislang nicht die Türe eingerannt. Er räumt aber ein: „Wir haben aktuell begrenzte Kapazitäten hinsichtlich Personal, das sich darum bei uns kümmern kann. Deshalb hat das Thema gerade nicht die Priorität eins.“ Vorrangig müsse sich die Stadt um Krippenplätze kümmern, momentan gibt es in der Stadt nächstes Jahr nicht genügend. „Und das ist eine Pflichtaufgabe“, so Maneth. Seine Mitarbeiter seien zudem gerade sehr mit dem 100-Euro-Zuschuss des Staates für die Kindergartenkinder eingebunden. „Wir müssen gerade jede Stunde rausschnitzen. Dennoch wollen wir die Weichen für eine Betreuung für unsere Grundschulkinder stellen und bleiben dran“, so Höchstädts Bürgermeister. Was ihm dabei wichtig ist: „Man darf bei der Stadt auch öfter nachfragen.“

So wie Ramona Hilbert. Sie und die anderen Muttis bleiben hartnäckig – mit guten Absichten. „Uns wäre einfach wichtig, dass die Ferienbetreuung zügig abgedeckt wird. Das ist mit das größte Problem. Auf lange Sicht kann man ja gemeinsam über ein passendes Konzept nachdenken, wie Grundschulkinder das ganze Jahr über nach dem Unterricht betreut werden können. Aber momentan stehen wir da, wo wir schon vor einem Jahr waren. Es ist nichts vorangegangen.“

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