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Urne statt Sarg: Eine andere Gedenkkultur

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Kommentar Von Cordula Homann
29.12.2018

Heute ist es nichts Besonderes mehr, wenn man kein Familiengrab hat. Es gibt so viele Alternativen.

Der Friedhof ist für viele Menschen nicht nur ein Ort der Trauer, sondern oft auch ein Treffpunkt. Wer regelmäßig das Familiengrab pflegt, trifft Bekannte aus dem Ort. Neben Unkrautzupfen und Gießen wird auch ein bisschen geratscht. Das gehört dazu.

Derzeit gibt es einen Trend weg vom Sarg hin zur Urne. In Niedersachsen wurden heuer angeblich vier von fünf Toten in einer Urne bestattet. Doch inzwischen gibt es eine weitere Entwicklung: Weg vom Grab – hin zur Wand. Denn die Menschen sind heute viel mobiler. Die Kinder ziehen nicht nur daheim bei den Eltern aus, sondern oft ganz weit weg. Besuchen sie ein Grab, treffen sie dort selten auf Freunde, sondern eben vor allem auf die Arbeit. Aber wer kümmert sich sonst um die Blumen dort?

Die einen bezahlen einen Gärtner, der das übernimmt. Die anderen fahren vor Feiertagen vorbei und erledigen das Nötigste. Oder setzen statt Blumen Platten, damit es pflegeleichter wird. Oder das Grab wird ganz aufgegeben. Tatsächlich verschwinden immer mehr der traditionellen Gräber.

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Vieles spricht gegen ein traditionelles Grab

Es gibt viele Argumente dafür: Man will den Nachkommen keine Last sein, indem da ein Grab zur Pflege bleibt. Ein Platz in einer Urnenwand ist wesentlich leichter zu pflegen. Andere haben keine Nachkommen oder kein Geld für ein Grab. Auch sie ziehen die Urnenwand vor. Und in manchen Orten ist inzwischen der Friedhof zu klein. Auch dann sind die Wände praktisch. Und letztlich wird damit ebenso ein ehrendes Andenken gewahrt. Die Gemeinden im Landkreis Dillingen bemerken den Trend und kommen den Bitten ihrer Bürger entgegen. In Dillingen etwa sind inzwischen auch Baumbestattungen auf dem Friedhof in der Altheimer Straße möglich.

Selbst der Friedhof ist keine traditionelle Trauerstätte mehr

Doch selbst der Friedhof ist keine traditionelle Trauerstätte mehr. Bestattungen im Wald werden ebenfalls immer beliebter. Teils ganz weit weg von der Zivilisation, nicht mehr direkt umgeben vom Pfarrhof und der Gemeinde, sondern versteckt zwischen hohen Bäumen. Wer dort einen Verstorbenen besucht, der ist völlig allein. Da kommt keiner mehr vorbei und hält einen Plausch. Dort schätzt man die Stille und Abgeschiedenheit.

So hat sich unsere Gedenkkultur inzwischen auch verändert. Es ist nichts Besonderes mehr, wenn man kein großes Familiengrab hat. Die Möglichkeiten zur Bestattung werden immer vielfältiger.

Weil sich die Menschen viel mehr damit beschäftigen, wie sie einmal bestattet werden wollen. Die Zeit, die vorher dafür genommen wird, scheint danach zu fehlen. Man investiert mehr für die Vorbereitung. Aber was ist danach? So pflegeleicht wie das Grab soll auch die Trauer sein. Dafür nimmt man sich kaum noch Zeit – geschweige denn das Trauerjahr. „Das Leben geht weiter“, heißt es, und damit soll man auch nach einem schweren Verlust wieder funktionieren.

Vielleicht nehmen Sie sich über den Jahreswechsel ja diese Zeit, schauen mal auf einem Friedhof vorbei, genießen die Stille, denken an Ihre Angehörigen, an das abgelaufene Jahr?

Denn egal, wie wir bestattet werden, noch immer sind unsere Friedhöfe besondere Orte. Mit Ratsch oder ohne.

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