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Kulturring

09.11.2019

Viel Rauch bei der Erinnerung an die Beatles in Hamburg

Originalgetreu serviert eine Band der Württembergischen Landesbühne Esslingen beim „Backbeat“-Gastspiel im Stadtsaal die in Hamburg entstandenen Hits der Beatles.
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Originalgetreu serviert eine Band der Württembergischen Landesbühne Esslingen beim „Backbeat“-Gastspiel im Stadtsaal die in Hamburg entstandenen Hits der Beatles.

Die Württembergische Landesbühne Esslingen gastiert in Dillingen mit „Backbeat“. Warum Experten begeistert sind

Vor seinem Dillinger Gastspiel kündigte das Esslinger Theater starken Zigarettenkonsum auf der Bühne an. Die Warnung war berechtigt. Kaum war das „Backbeat“-Gastspiel in Gang gekommen, waren die Zuschauer im Stadtsaal eingenebelt.

Damit wurde die Geschichte von den Beatles-Auftritten in Hamburg vor rund 60 Jahren ins richtige Milieu gerückt. In rauchiger Atmosphäre entwickelte die Band aus Liverpool allmählich ihr eigenes Profil. John Lennon erinnerte sich: „Wir spielten, was uns am besten gefiel, und die Deutschen mochten es, solange es laut war.“

Für Lautstärke sorgt beim Kulturring-Abend eine Band, die mit bewundernswerter Professionalität die authentische Mischung von Rauch und Krach herstellte. Im Mittelpunkt der fast dreistündigen Aufführung steht aber die traurige Geschichte von Stuart Sutcliffe. Schon Film und Bühnenstück „Backbeat“, auf dem die in Dillingen gezeigte Inszenierung basiert, weist diesem fünften Beatle einen Platz in der Reihe tragisch gescheiterter Künstler zu. Das Talent als Maler und das Talent als Liebhaber der Fotografin Astrid Kirchherr entfernte ihn immer mehr von seiner Band, bis er schließlich als Konsument von Preludin-Tabletten elend zugrunde ging.

Das alles spielte sich auf der Stadtsaalbühne vor einem glitzernden Hintergrund ab. Im Kontrast zur düsteren Sutcliffe-Story stand das Spiel von der Aufwärtsentwicklung der Beatles in den Hamburger Beat-Kellern. Gönner und Manager entdeckten den speziellen Sound der Gruppe und sorgten für wachsende Popularität.

Das personenreiche Stück zwingt die Mitglieder des Esslinger Ensembles, Mehrfachrollen zu übernehmen. Für eine wirkliche Profilierung der Nebenfiguren bleibt wenig Raum, aber das Wunder dieser Inszenierung liegt in der musikalischen und schauspielerischen Souveränität der Beatles-Darsteller. Felix Jeiter als John Lennon, Benjamin Janssen als Paul McCartney, Moritz Finn Kleffmann als George Harrison, Timo Beyerling als Pete Best und Ringo Starr sowie Daniel Großkämper als Stuart Sutcliffe glänzten nicht nur als Darsteller, sondern auch als Musiker, die mit ihren Instrumenten den unverwechselbaren Beatles-Sound in den Stadtsaal zauberten. Die Wiedergabe von Hits wie „I Saw Her Standing There“, „Love Me Do“, „P.S. I Love You“, „Johnny B. Goode“ oder „Twist And Shout“ war so perfekt, dass der Verdacht nahelag, geschickt eingesetzte Tonaufnahmen könnten diese Auftritte unterstützen. Aber die gezielte Nachfrage bei den mitgereisten Technikern führte zur Bestätigung. Diese Band spielt selbst.

Entsprechend begeistert reagierten die Beatles-Experten in den nur lückenhaft gefüllten Zuschauerreihen. Und besonders starken Schlussbeifall erhielt auch Alessandra Bosch, die in der Rolle der Astrid ein Menschenbild zeichnete, das Jugendlichkeit, Charme, Intelligenz und Humanität harmonisch verband. Eine reine Verklärung der Hamburger Beatles-Geschichte strebte Regisseur Marcel Keller nicht an.

Das Stück verweist durchaus auch auf die Schattenseiten, die sich aus dem legeren Umgang der Beatles mit bürgerlichen Ordnungsvorstellungen ergeben: Immer wieder kommt es zu Gewaltausbrüchen und prinzipiellen Konflikten. Die Zuschauer blieben davon zwar verschont. Aber manches Hüsteln im Saal zeigte, dass der von der Bühne herabziehende Zigarettenrauch trotz aufrüttelnder Beatles-Musik seine Fähigkeit behielt, selbst in einer begeisterten Brust Atemnot auszulösen.

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09.11.2019

Danke für den tollen Artikel.
Eine kleine Anmerkung hätte ich da noch: der Paul McCartney wurde an diesem Abend von Delio Malär gespielt.
Freundliche Grüße
Petra Krube

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