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Kommunalstammtisch

21.03.2015

Vier Pfoten, scharfe Zähne, breiter Schwanz: Feind

Im Nachbarlandkreis wächst die Verzweiflung über den Biber und es steigt das Interesse an Windkraftanlagen

Während in Bayern der Neubau von Windkraftanlagen gänzlich zum Erliegen gekommen ist, geht es im Nachbarlandkreis Heidenheim richtig rund. Laut Landrat Thomas Reinhardt könnten in ein, zwei Jahren statt bislang 18 dann 65 Windräder stehen. „Aber reicht das, um die Energiewende zu bewerkstelligen?“, fragte er die Runde der Bürgermeister aus den Landkreisen Dillingen und Heidenheim beim Kommunalstammtisch, der am Donnerstagabend in Giengen stattfand. Sowohl Reinhardt als auch Dillingens Landrat Schrell wollen auch nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen saubere, sichere und bezahlbare Energie. Beide fürchten, dass der Stormverbrauch ohne Kernkraft nicht mehr gedeckt werden kann, und setzen auf Gaskraftwerke. Reinhardt auch auf Stromtrassen, deren Verlauf für beide Landkreise noch spannend werde. Doch selbst diese könnten nicht genügend Energie bringen, betonte Heidenheims Landrat. Schrell schloss das Thema mit den Worten: „Die größte anzunehmende Peinlichkeit wäre Strom aus Temelin.“

Breiten Raum nahm die Diskussion über den Biber ein, der anders als in Bayern, wo es eine Ausnahmeregelung gibt, in Baden-Württemberg überhaupt nicht abgeschossen werden darf. Auch eine Entschädigung, etwa für kaputte landwirtschaftliche Maschinen, gibt es nicht.

Doch in Dischingen ist jetzt Land unter, wie Bürgermeister Alfons Jakl erzählte. Am Montag hatte eine Art Krisengipfel mit Landwirten und Vertretern der Regierung aus Stuttgart stattgefunden. „Das war heftig, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, schilderte Jakl betroffen. Der Biber hat sich im Egautal Dämme und Burgen gebaut, zum Teil in Entwässerungsgräben. Als Folge stehen nun zahlreiche Wiesen unter Wasser. „Die Landwirte sagen, es kommt langsam einer Enteignung gleich“, betonte Jakl. Inzwischen steige dadurch sogar die Gefahr, dass das Grundwasser verschmutzt wird. „Das komplette Entwässerungssystem von Dischingen funktioniert nicht mehr.“ Er bat die anwesenden Bürgermeisterkollegen und den Landrat, sich an Abgeordnete, Städte- und Gemeindetag zu wenden, um auch in Baden-Württemberg Abschuss und Entschädigungen zu ermöglichen. Landrat Reinhardt sagte mit einem Lächeln in Richtung seines bayerischen Kollegen: „Der Biber war ausgerottet. Er kam von der bayerischen Seite her rüber zu uns. Dankeschön. Wir sollten sie fangen, in einen Sack stecken und draufschreiben: „Return to sender.“ Schrell reagierte darauf mit Beschreibungen des hervorragenden weichen Fleisches des Bibers. Und er relativierte die Hoffnungen der württembergischen Nachbarn. Der Entschädigungsfonds sei nicht besonders üppig. Und das Fangen nicht besonders einfach. „Aber wir sind froh, dass wir den Abschuss in Einzelfällen genehmigen können und die Menschen erkennen, dass wir uns einsetzen.“ Ohne diese Möglichkeit, fürchtet Schrell, helfen sich die Landwirte vielleicht eines Tages selbst. Das habe mit Artenschutz des Bibers dann aber überhaupt nichts mehr zu tun.

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Ein weiteres Thema, das den Nachbarn „unter den Nägeln brennt“, wie Heidenheims Landrat sagte, ist die Breitbandversorgung. In Baden-Württemberg stünden Fördermittel in Höhe von 30 Millionen Euro zur Verfügung. In Bayern 1,5 Milliarden. „Wir schauen mit Neid nach Bayern“, gab er zu. Der Ausbau des schnellen Internets sei ein Megathema, von dem die Zukunftsfähigkeit der Gemeinden abhänge. „An der Glasfaser führt kein Weg vorbei.“ Giengens Bürgermeister Gerrit Elser schlug vor, dass der Glasfaser-Ausbau ebenso wie Wasser- oder Stromanschlüsse ein Erschließungsbeitrag wird. Dann könnten die Kommunen die Kosten abrechnen.

Traditionell gehört auch die B492 von Gundelfingen via Giengen zur A7 immer auf die Tagesordnung des Kommunalstammtisches, weil sie auf baden-württembergischer Seite dringend saniert werden muss. Nachdem das Planfeststellungsverfahren eingeleitet ist, hofft Thomas Reinhardt, dass die Trasse spätestens im Frühjahr 2016 saniert wird.

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