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Historischer Verein

13.11.2018

Vom Glück und Unglück eines Wittelsbachers

Dr. Katharina Weigand
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Dr. Katharina Weigand

Katharina Weigand porträtiert beim Vortrag im Colleg Kaiser Karl VII.

„Ein Kurfürst und Kaiser – groß im Scheitern“. Unter diesen Titel stellte Katharina Weigand, Universität München, im Dillinger Colleg das Ergebnis ihrer Forschungen zur Lebensgeschichte Karl Albrechts von Bayern (1697 – 1745). Der Wittelsbacher, der als Kaiser Karl VII. (1742 – 1745) in die Geschichte eingegangen ist, erschien in diesem wissenschaftlichen Porträt als ein von Ehrgeiz getriebener Mensch, aber auch als ein Fürst, „der etwas aus sich gemacht hat“.

Dennoch, so urteilte die Referentin, sei Karl Albrecht selbst in historisch interessierten Kreisen „eine eher unbekannte Figur“. Das liege auch daran, dass er sein wesentliches Ziel, die territoriale Ausweitung Bayerns auf Kosten Österreichs, nicht erreichen konnte.

Karl Albrecht hatte 1740, nach dem Tod des habsburgischen Kaisers Karl VI., Ansprüche auf die Übernahme des Erzherzogtums Österreich angemeldet und diesen Anspruch von seiner Ehe mit der Habsburgerin Maria Amalia abgeleitet. Das Scheitern dieses Planes und des von Vater Max Emanuel erteilten Auftrags, die Kaiserkrone zu erwerben („Wir müssen die Kaiserkrone an unser Haus bringen“), verdunkelte Karl Albrechts Bild in den Geschichtsbüchern.

Aber Katharina Weigand verdeutlichte in ihrem auch stilistisch brillanten Vortrag die ambivalenten Seiten dieser Herrscherpersönlichkeit: Während er einerseits mit der üblichen barocken Verschwendungssucht einen riesigen Schuldenberg verursachte, bekannte er sich in der kurzen Phase seiner Erfolge zu einer ungewöhnlichen Bescheidenheit.

Nach seiner Krönung zum Kaiser notierte er in sein Tagebuch: „So konnte ich wähnen, den höchsten Gipfel menschlicher Größe erklommen zu haben, musste aber unwillkürlich der allmächtigen Hand Gottes gedenken, der zur selben Zeit, da er uns hochsteigen ließ, gar dringlich daran erinnert, dass wir nur seine Geschöpfe sind.“

Ausführlich geschildert wurden in dieser einstündigen Vorlesung die unruhigen Jugendjahre Karl Albrechts, seine Erziehung in Klagenfurt durch Jesuiten, den Wechsel seiner politischen Positionen, seine Wahl zum König von Böhmen und schließlich sein Lebensprinzip, dass er als Fürst verpflichtet sei, unsterblichen Ruhm zu erringen.

Immer wieder hatte er furchtbare Rückschläge hinzunehmen: Kurz nach seiner Kaiserkrönung in Frankfurt musste er erleben, dass österreichische Truppen München eroberten, sodass Karl Albrecht nicht mehr in seine Stammlande zurückkehren konnte.

1742 verlor er auch die böhmische Königskrone, weil das Heer Maria Theresias Prag zurückeroberte. So musste Karl Albrecht, wie Katharina Weigand formulierte, „letztendlich als ein Gescheiterter seine Tage beschließen“.

Die Veranstaltung, organisiert vom Historischen Verein und der Volkshochschule Dillingen, endete mit einer lebhaften Diskussion. Dieter M. Schinhammer, Vorsitzender des Historischen Vereins, würdigte abschließend den Vortrag als ein in die Zeitumstände eingebettetes Porträt einer Herrscherpersönlichkeit.

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