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Landkreis Dillingen

23.03.2019

Vom Höchstädter Tierheim in die Welt hinaus

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2 Bilder
Jacky könnte Fotomodell sein. Der kleine Racker galt aus kaum händelbar und war lange im Tierheim. Jetzt genießt er sein Hundeleben – auch im Urlaub in England.

Die Hunde Nando und Jacky sind zwei Beispiele dafür, wie erfolgreiche Vermittlung in der Höchstädter Einrichtung aussehen kann. Sie haben neue Familien gefunden. Trotzdem warten noch viele Tiere auf ein neues Herrchen

Mit seinen großen, braunen Augen schaut er in die Kamera. Sein zotteliges Fell ist nass und voller Sand. Auf seinem blauen Handtuch genießt Nando das Leben in vollen Zügen und wärmt sich in der Sonne. Vor ihm schlägt die Ostsee Wellen, um ihn herum stehen die bunten Strandkörbe. Nando führt ein glückliches Hundeleben – dank Frauchen Sabine Kraus. Denn die Lauterbacherin hat nicht weggesehen, nicht aufgegeben und hatte keine Vorurteile. Nur deshalb bekam der schwarze Hunderiese ein neues, liebevolles Zuhause. Und musste nicht mehr länger im Höchstädter Tierheim auf eine Familie warten.

Alle Zwinger sind besetzt

Der Labrador-Wolfshundmischling ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Vermittlung der Höchstädter Einrichtung. Eine von vielen, wie die Verantwortliche Sabine Pollok sagt. Trotzdem warten noch elf Hunde im Tierheim, alle Zwinger sind besetzt. Zudem suchen viele Katzen und Kaninchen neue Familien. „Vermittlung ist keine leichte Arbeit, weil wir einschätzen müssen, ob der Mensch, der vor uns steht, auch die Wahrheit erzählt, und wir unser Tier in gute Hände übergeben. Das ist wirklich manchmal schwer einzuschätzen und geht auch mal daneben“, erzählt Pollok. Und es falle nicht immer leicht, denn: „Ich liebe meine Kinder.“

Sabine Kraus liebt ihren Nando auch. Es war Liebe auf den ersten Blick, wie sie erzählt. „Eigentlich war ich im Tierheim, um ein Kätzchen zu mir nach Hause zu holen. Und dann stand er da“, erzählt sie und lacht. Der XXL-Mischling ist von einer Tötungsstation in Ungarn gerettet worden. „Er war anfangs schwierig, weil er immer so gezogen hat. Aber er ist so lieb, hat nie ins Haus gemacht, macht nichts kaputt und ist total kinderlieb.“ Fast sieben Jahre lebt Nando nun schon bei seiner Familie in Lauterbach und die will ihn keine Sekunde missen. Deshalb fährt das Tier auch mit in den Urlaub – von Toskana bis Ostsee. „Ich kann nur sagen: Rennt nicht alle zum Züchter, sondern geht ins Tierheim und holt die Tiere raus. Dort wird super Arbeit gemacht, die gängigen Befehle konnte Nando beispielsweise schon“, schildert Kraus.

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„Der Mensch will keine defekte Ware“

Dabei sind Typen wie Nando eher schwer vermittelbar. Denn, so erklärt es Sabine Pollok, Tiere mit schwarzen Fell tun sich bei der Suche nach Herrchen schwerer, ebenso Rassehunde mit körperlichen Behinderungen. „Der Mensch will keine defekte Ware“, sagt sie. Deshalb geht eine Vermittlung auch nicht binnen eines Tages. Wer einen Hund aus dem Tierheim haben will, muss sich erst auf eine Kennenlernzeit einstellen, die mehrere Wochen dauern kann. „Ich will, dass die Leute den Hund kennenlernen und das geht nicht mit nur einem Spaziergang. Bei uns ist es so, dass uns der Hund sagt, ob der Mensch passt oder nicht“, erklärt Pollok. Es folgt ein Bewerberbogen mit Fragen zum persönlichen Umfeld und Lebensumständen, dann kommen Tierheimmitarbeiter zu einer Vorkontrolle. Wenn alles passt, steht dem Auszug aus dem Tierheim nichts im Weg. Pollok: „Vorkontrollen machen wir nur bei Hunden. Bei Katzen vertrauen wir komplett auf unsere Einschätzung und den Bewerberbogen.“

Ohne Hund ging es für ihn nicht

Bei Georg Schaubele gab es nicht viel zu überprüfen. Da war die Sache schnell klar – für alle Beteiligten. Als sein geliebter Hund 2017 gestorben ist, wollte er sich eigentlich keinen Weiteren mehr ins Haus holen. „Aber ohne, geht es nicht“, sagt der Emersackerer. Dann traf er auf Terrier Jacky. Der kleine Hund saß in seinem Zwinger in Höchstädt und „hat sich wie eine Hyäne aufgeführt. Weil er raus wollte“. Genau deshalb haben Schaubele und seine Frau sich den aufmüpfigen Pimpf geschnappt und sind in Höchstädt spazieren gelaufen. „Im Tierheim wieder zurück, hatte ich ihn auf dem Arm, er hat mein Gesicht abgeleckt und geschnurrt wie ein Kätzchen. Keiner konnte es glauben“, erzählt Georg Schaubele. Kurz vor Silvester ist Jacky bei seiner neuen Familien in Emersacker eingezogen – und auch schon weit rumgekommen. Sonntags darf er mit zum Essen und im Urlaub in England ist Jacky mit am Start. Genau der Hund, der bis vor wenigen Wochen im Tierheim saß, und den niemand wollte. „Er wäre dort gestorben. Er braucht Tabletten, musste am Knie operiert werden und er ist ja schon alt.“

Trotzdem würde Georg Schaubele immer wieder einen Hund aus dem Tierheim holen und hat das auch vor. Der Jack-Russel-Mix Lulu wartet schon. „So ein liebes Mädle. Die muss zu uns“, sagt Schaubele. Er appelliert eindringlich, dass die Menschen sich mehr mit Tieren aus dem Tierheim beschäftigen sollen. „Man sollte nicht auf andere hören und Vorurteile haben. Und wenn man ein Tier hat, dann muss man die Verantwortung dafür übernehmen – mit allem, was dazu gehört. Ein Tier dankt es dir jeden Tag und sollte nicht im Tierheim leben.“

Sie hat schon viele Ausreden gehört

Sabine Pollok hat schon viele Gründe – oder Ausreden – gehört, warum das Tier nicht in der Familie bleiben kann. So gibt es immer wieder sogenannte Rückkehrer: Tiere, die ein neues Zuhause finden und kurze Zeit später doch wieder zurück ins Tierheim kommen. „Das haben wir immer wieder, selbst bei den Katzen. Manchmal ist es eine Allergie bei einem Kind, die plötzlich auftritt, oder andere Veränderungen im Umfeld der Familie, weswegen das Tier dort nicht mehr bleiben kann. Viele Menschen scheuen sich vor dem Gedanken, dass ihr Tier alt wird und vor dem, was möglicherweise auf sie zukommt“, so Pollok.

Das versuchen die Tierheimmitarbeiter bei jedem Gespräch zu vermitteln, das klappe sehr oft, manchmal eben auch nicht. „Rückkehrer gibt es also in der Tat öfter, als uns lieb ist.“

Pino ist am längsten im Tierheim

Pino ist noch gar nicht erst aus der Höchstädter Einrichtung rausgekommen. Seit zwei Jahren ist er dort. Der Hund ist am längsten da. „Viele Menschen wollen einen Hund, der so funktioniert, dass er in der Familie nicht auffällt und mitlaufen kann und kuschelt, wenn der Mensch es will. Das ist Pino einfach nicht“, erklärt Pollok. Der Hund ist mit seinen elf Jahren schon ein älteres Semester, will aber trotzdem fleißig beschäftigt werden. Es dauert, bis er sich einem Menschen anvertraut, dann kann man aber stundenlang zusammensitzen. „Er muss nur wissen, dass ihm nichts passiert und er beschützt ist. Dann kann er sich ganz wunderbar entspannen“, sagt Pollok über ihren Schützling, dessen Fell in der Sonne besonders goldig glänze. Warum er noch nie einen wirklichen Interessenten hatte? „Da sind wir alle restlos überfragt. Es scheitert wohl mal wieder am Menschen.“

Lesen Sie auch den Kommentar von Simone Bronnhuber: Höchstädter Tierheim: Was Mitarbeiter leisten, beeindruckt

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