1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Vom Kölner Dom zur Lauinger Albertus-Magnus-Orgel

Lauingen

02.06.2019

Vom Kölner Dom zur Lauinger Albertus-Magnus-Orgel

Das riesige Martinsmünster in Lauingen könnte dem Gastorganisten Professor Wilfried Bönig fast ein bisschen klein vorkommen – denn normalerweise spielt er im Kölner Dom.
Bild: Alexandra Finck

Wilfried Bönig weiß ganz genau, wie man große Kirchen mit Klang füllt. Warum der Kölner Organist in Lauingen eine Konzertreihe eröffnet hat.

Kein Geringerer als der Organist des Kölner Doms, Professor Wilfried Bönig, war der Einladung der Pfarrei St. Martin gefolgt, das Eröffnungskonzert der neuen Konzertreihe „Lauinger Münsterkonzerte“ zu bestreiten.

Seit vergangenem November klingt die von Orgelbauer Siegfried Schmid restaurierte und von Martin Gessner intonierte Orgel jede Woche zum Gottesdienst. Ihre Klangvielfalt jedoch kann man am Besten mithilfe vielfältiger Orgelliteratur und Improvisationen genießen.

Wie Wilfired Bönig die Zuschauer mit seinem Können überzeugt

Kirchenmusiker Michael Finck, der die Konzertreihe maßgeblich organisiert, ist schon seit langer Zeit persönlich und beruflich mit Bönig verbunden, sodass dieser sich als Domorganist der anderen Albertus-Magnus-Stadt, nämlich Köln, bereit erklärte, in der Geburtsstadt des Heiligen Albertus zu konzertieren.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bönig wartete hierbei mit einem ansprechenden und facettenreichen Programm auf, mit dem er die klanglichen Möglichkeiten der Orgel aufs Beste präsentierte. Viele Zuhörer waren erschienen, um die neu restaurierte Orgel und den international renommierten Organisten zu hören. Und sie waren begeistert von der Virtuosität, mit der Bönig im Nachhall des Münsters dennoch klar und präzise ein Bachsches Fugenfeuerwerk (Fuge e-Moll) aufleuchten ließ, dem eine Einleitung von Wolfgang Amadeus. Mozart vorangestellt war.

Warum die Albertus-Magnus-Orgel viele Möglichkeiten bietet

Die Vielfalt orchestraler Möglichkeiten der Albertus-Magnus-Orgel äußerte sich unter anderem im „Danse“ von Claude Debussy, von dem sowohl eine Klavier- als auch eine Orchesterfassung existiert. Geschickt näherte sich Bönig hier den orchestralen Feinheiten an, man hörte Streicher, Flöten, aber auch perkussive Elemente. Tonmalerei und biografisches Schicksal verbanden sich in Herbert Howells Psalm Prelude „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht“, die einleitenden düsteren Harmonien im Schrittmetrum brachen sich dynamisch Bahn bis zu einem erschütternden Aufschrei. Howells hatte das Werk zu Kriegszeiten komponiert, geprägt von seinem eigenen harten Schicksal.

Gefällig erschien da das „Concertstück“ über den Priestermarsch aus Mozarts „Zauberflöte“ aus der Feder des Bach-Nachfolgers in Eisenach, Friedrich Kühmstedt, das Bönig charmant präsentierte. Bekannt ebenfalls das „Adagio“ von Samuel Barber, das dieser ursprünglich für Streicher komponiert hatte, aber auch in der Orgelfassung durch seine melancholischen Kantilenen wirkt und begeisterte.

Konzerte werden jeden dritten Sonntag bis Oktober stattfinden

Den Höhepunkt und Abschluss zugleich erreichte das Eröffnungskonzert der neuen Orgelreihe durch drei Sätze aus der „Planeten“-Suite von Gustav Holst, in der der kriegssüchtige Mars durch eine entfesselte Orgelsymphonik, Venus als Bringerin des Friedens versöhnlich und leichtfüßig durch Flöten und dezente Streicher-Register dargestellt werden. Jupiter, der Bringer der Freude, wurde dagegen von Holst als Hymnus geschaffen, dem die englische Hymne „I vow to thee, my country“ zugrunde liegt.

Stadtpfarrer Raffaele de Blasi hatte den auf die Orgel und den Interpreten gespannten Konzertbesuchern in seiner Begrüßung nicht zu viel versprochen. Begeisterter Beifall zeugte von einem fulminanten Auftakt einer Reihe von Münsterkonzerten, die in Zukunft immer am dritten Sonntag der Monate Mai bis Oktober um 17 Uhr stattfinden werden. Im nächsten Konzert wird Intonateur Martin Gessner über Liedwünsche aus dem Publikum improvisieren. Diese werden in Kürze gesammelt. (alf)

Lesen Sie dazu auch:

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren