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Augsburg/Buttenwiesen

16.08.2019

Von Studenten entwickelt: Hier fliegen Prototypen der Lufttaxis

Viele Kameras waren auf die Drohnen gerichtet, die Studenten der Universität Augsburg auf einer Grünfläche bei Unterthürheim in die Luft steigen ließen.
Bild: Andreas Schopf

Plus In Unterthürheim testen Studenten der Uni Augsburg selbst entwickelte Drohnen. Die sind zwar noch nicht serienreif, zeigen aber, was Flugtaxis einmal leisten könnten.

Es geht los mit einem Surren. Die vier Rotoren drehen sich rasend schnell und lassen die Drohne im Gras wackeln. Der kleine Flieger erhebt sich in die Luft, jedoch nur für einige Sekunden. Die Flügel schlingern wild hin und her, dann endet dieser Versuch unsanft im Boden. Was auf den ersten Blick wie ein verkorkster Anlauf von Modellfliegern wirkt, ist mehr.

Das, was die Studenten der Universität Augsburg am Mittwoch auf einer Grünfläche bei Unterthürheim in die Luft schickten, könnte so etwas wie ein Fingerzeig in die Zukunft sein.

Die Studenten der Wirtschaftsingenieurwissenschaften hatten in ihrem diesjährigen Praxisprojekt die Aufgabe, leichte und belastbare Raketendrohnen aus Carbon zu entwerfen und zu bauen. Die Modelle sollen mithilfe von Propellern senkrecht starten, durch Flügel und etwa einen Raketenantrieb kontrolliert horizontal fliegen und gezielt wieder landen können.

Sieht so die Zukunft aus? Eine Drohne mit fünf Rotoren und Flügeln.
Bild: Andreas Schopf

Ein solcher Flieger dürfte in Zukunft gefragt sein und das umsetzen, was sich so mancher von der Vision eines „Lufttaxis“ verspricht. „Solche Flugobjekte werden sehr stark kommen“, ist sich Professor Michael Heine sicher, Projektleiter vom Lehrstuhl Materials Engineering am Institut für Materials Resource Management der Uni Augsburg.

Solche Drohnen könnten Menschen oder Waren transportieren

In den vergangenen Monaten betreute Heine sechs Gruppen mit je sechs Studenten, die Raketendrohnen, Lastensegler und Lufttaxis entwickelten. Objekte dieser Art könnten etwa einmal Passagiere oder Waren transportieren, aber auch Organe oder Blutkonserven. Denkbar wären Aufklärungsflüge in Krisen- oder Katastrophengebieten. Kommt es etwa zu einem Waldbrand, könnten Einsatzkräfte schnell einen Überblick über ein großes Gebiet erhalten und dabei einzelne Punkte gezielt ansteuern. Ein Landwirt könnte von einer solchen Drohne profitieren, indem er damit seine Felder abfliegt und kontrolliert, wo auf seinem Gebiet Feuchtigkeit fehlt.

Vor dem Start justieren die Studenten die Technik ihrer Drohnen.
Bild: Andreas Schopf

Die Teststarts bei Unterthürheim zeigen: Es ist noch einiges zu tun

Bis die Drohnen der Augsburger Nachwuchswissenschaftler solche Aufgaben erfüllen könnten, wird es jedoch dauern. Die Teststarts auf dem Gelände der Raketenmodellsportgemeinschaft in Unterthürheim machen die Tücken der Technik deutlich. Die erste Gruppe, die ihre Entwicklung in die Luft schickt, kann die ferngesteuerte Drohne bei mehreren Versuchen nur wenige Sekunden in der Luft halten. „Der Akku ist zu schwach“, sagt Sebastian Appelt aus Bobingen (Kreis Augsburg). Der 21-Jährige und seine Mitstreiter hatten ein Flugobjekt im Sinn, das für Firmen Waren von A nach B bringt – und das schneller als jeder Lkw und ohne Straßen zu verstopfen. Zunächst sind die Studenten schon zufrieden damit, dass das Flugobjekt beim Teststart im Buttenwiesener Ortsteil überhaupt in die Luft steigt. „Wenn man damit etwas transportieren wollen würde, müsste die Drohne viel größer werden“, sagt Appelt.

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In Unterthürheim fliegen die möglichen Lufttaxis der Zukunft
Bild: Andreas Schopf

Etwas besser läuft es für eine andere Gruppe. Deren Flieger tut sich zwar enorm schwer, vom Boden aufzusteigen. Doch einmal in der Luft, steigt die Drohne geschätzt 20 Meter hoch und bleibt für eine halbe Minute oben, ehe es auch für sie wieder zu Boden geht. Von den Zuschauern und anderen Studenten gibt es dafür viel Applaus. Die Entwicklung einer weiteren Gruppe hat dagegen zu kämpfen. Der Flieger schafft es kaum in die Luft und trudelt stattdessen sofort ins Gras. „Wir sind ein bisschen enttäuscht“, sagt Karolina Seitz aus Augsburg. Der Motor habe zu wenig Kraft, dazu funktioniere die Flugsteuerung, die das Objekt waagerecht in der Luft halten soll, nicht. Trotzdem wirken die Studenten insgesamt zufrieden. „In drei Monaten sind wir weit gekommen“, sagt Seitz. „Wenn wir weiter Zeit in das Projekt stecken würden, wäre mehr möglich.“

Werden die Drohnen der Studenten weiterentwickelt?

Die Option, ihre Entwicklungen weiterzuführen, haben die Studenten. Sie erstellten neben den Drohnen auch einen Businessplan, wie man mit dem Zukunftsobjekt am Markt besteht. Die Gruppe von Karolina Seitz hat sich überlegt, dass man einen solchen Flieger an Landwirte, Winzer oder Bauunternehmer verleiht, die damit etwa Felder beziehungsweise Hochspannungsleitungen kontrollieren könnten. Ob die jungen Tüftler, die in den vergangenen Monaten viele Stunden in das Projekt gesteckt haben, das Vorhaben weiterverfolgen möchten, wissen sie noch nicht. Die Studenten sollen mit den Erfahrungen der Tests in Unterthürheim ihre Flieger nachbessern, in zwei Wochen ist das Projektpraktikum dann offiziell beendet. Ob eine der Entwicklungen darüber hinaus möglicherweise eine Zukunft hat, kann Projektleiter Michael Heine nicht sagen. „Es ist aber wichtig, dass sich die Studenten mit diesem Thema beschäftigt haben.“ Auch vor einem anderen Hintergrund. Die Forschungs- und Entwicklungsregion Augsburg erhielt jüngst vom Freistaat eine Förderzusage in Höhe von 20 Millionen Euro. Dabei geht es um die „impulsgebende Weiterentwicklung der Bayrischen Luftfahrt mit Schwerpunkt Lufttaxis“.

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