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Wissenschaft

09.11.2017

Von Traum-Erfüllern und Trump-Entlarvern

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Peter Zehentmeier, Dieter Monninger, Ruth Philipp-Schromm, Gabriele Hieber und Dr. Arnold Schromm unterrichten alle am Lauinger Albertus-Gymnasium. Alle haben das Ziel, ihren Schülern etwas für ihren späteren Lebensweg mitzugeben. Und sehr oft klappt das auch.
Bild: Homann

Wir haben Lehrer aus dem Landkreis gefragt, wie praxisnah ihre Fächer sind. Heraus kamen viele Tipps von der Schule für den Alltag

Kürzlich ging ein Drucker am Lauinger Albertus-Gymnasium kaputt. Schüler haben das Gerät zerlegt: Vier Elektromotoren haben sie entdeckt. Damit arbeiten sie jetzt an einer neuen Erfindung. Am heutigen Freitag ist der Welttag der Wissenschaften. Aber welches Wissen schaffen Wissenschaften?

Die Klasse seines Kollegen Peter Zehentmeier will die vier Elektromotoren aus dem kaputten Drucker recyceln. „Wir denken darüber nach, sie an einem Kinderroller zu befestigen. Der könnte ein Elektrofahrzeug werden, ein ‚Droller‘“, deutet der Lehrer an. Mehr will er noch nicht verraten. Schüler der 9. Klasse lernen am Lauinger Gymnasium dagegen gerade, wie ein Elektromotor funktioniert. Demnächst basteln sie einen. „Danach können sie, wenn ein Gerät kaputtgeht, einen Defekt etwa an der Kaffeemaschine auf jeden Fall eingrenzen“, sagt Physiklehrer Thomas Müller. Die UNESCO, die Wissenschafts- und Erziehungsorganisation der Vereinten Nationen, hat den heutigen Welttag der Wissenschaften ausgerufen. An diesem Tag werden alle Wissenschaften und deren Beiträge zu Frieden und gesellschaftlicher Entwicklung gefeiert. Dazu gehören auch die Sprachen. Die Schüler von Gabriele Hieber fragen regelmäßig nach englischen Begriffen, die sie bei Online-Spielen oder beim Anschauen von Youtube-Videos aufgeschnappt haben. In der 6. Klasse hat die Lehrerin gerade den Popsong „Everything at once“ von Lenka eingebaut. „Das motiviert die Schüler.“ In der Oberstufe lernen sie auch, wie man Briefe, E-Mails oder Bewerbungen auf Englisch schreibt – was im späteren Berufsleben durchaus hilfreich sein kann. „Englisch ist längst keine Fremdsprache mehr“, weiß Gabriele Hieber. Viele Eltern freuen sich auch, wenn ihre Kinder Französisch lernen, sagt Kollegin Sabine Werner, Fachbetreuerin für Französisch in Lauingen. Schon nach dem ersten Schuljahr könne man sich im Nachbarland gut durchschlagen. „Dann geht es im nächsten Urlaub mal nicht nach Italien, sondern nach Frankreich.“

Was man dort alles sehen kann, wenn die Reise gut vorbereitet wurde, das erfuhren die Schüler, die dieses Jahr bei Dr. Arnold Schromm in Geschichte ihre W-Seminararbeit gemacht haben. „Damit wird man an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt“, erklärt der Lehrer die Arbeit. Er gab das Thema „Reisen zur Geschichte“ vor. Beziehen sollte sich das auf eine Region oder eine Stadt in Europa. Ein Schüler begab sich auf die Spuren der Französischen Revolution durch Paris. „Jeder wird früher oder später eine Städtereise machen – mit so einer Arbeit bekommen die Schüler das Handwerkszeug, sich darauf vorzubereiten“, erklärt Schromm. Schließlich habe schon Goethe gesagt: „Man sieht nur, was man weiß.“ Wer blind durch die Gegend laufe, dem werde es schnell langweilig. Schromm hofft, dass die Schüler so auf den Geschmack einer guten Reisevorbereitung gekommen sind.

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In Deutsch lernt eine Klasse von Ruth Philipp-Schromm gerade, dass es in der Verantwortung eines Wissenschaftlers liegt, was mit seiner Wissenschaft passiert. Ihr Kollege Peter Zehentmeier stimmt ihr zu. Der Begriff Chemie sei so negativ besetzt. Dabei sei eine Erkenntnis, etwa Feuermachen, nicht gut oder schlecht. Entscheidend sei, was der Mensch damit macht. In Deutsch haben die Schüler an Werken wie Goethes Faust, Dürrenmatts „Die Physiker“ und Frankenstein von Mary Shelley herausgearbeitet, ob die Wissenschaftler in diesen Werken Helden oder Schurken sind und warum. „Dass sich in der Literatur die Lebenswirklichkeit widerspiegelt, ist für die Schüler vielleicht nicht immer so präsent“, sagt Ruth Philipp-Schromm. Aber je länger man sich mit einem Thema beschäftigt, umso mehr würden die Jugendlichen das erkennen. „Und wir hoffen, sie erinnern sich später daran.“ In der achten Klasse lernen die Schüler zu debattieren. Und dass man seine Argumente belegen können muss. Manche Eltern hätten dann das Problem, dass der Teenager zuhause zig gute Gründe dafür hat, warum er am Freitagabend noch weggehen kann. Die Schüler würden vor allem verstehen, dass es nichts nützt, etwas zu behaupten, was man es nicht belegen kann. „Wenn das einer versucht, etwa US-Präsident Trump“, sagt die Pädagogin, „darf und muss man ihm misstrauen.“ Auch mit so einer Erkenntnis wolle man die Jugend für die Zukunft wappnen.

Dieter Monninger will seinen Schülern Mut machen, ihre Träume zu realisieren. Deswegen ließ er ihnen in seinem W-Seminar „Modellbau“ alle Freiheiten – mit erstaunlichen Ergebnissen: „Bei mir stehen jetzt ein Wohnzimmer- und ein Schminktisch, ein Modellboot und ein Trainingsgerät. Das hat ein Schüler gebaut, der hochklassig Handball spielt.“ Ein anderer wollte eine Ukulele und dachte, das geht nicht. Jetzt ist sie fertig und der Jugendliche stolz drauf. Eine andere Schülerin hat als Seminararbeit einen Quadrokopter gebaut – ohne Bausatz. Das hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie nach dem Abitur ein duales Studium Robotik beginnen wird, sagt Monninger nicht ohne Stolz. Den Studienplatz hat die Schülerin schon. Ein weiteres spannendes Projekt: In der elften Klasse lehrt Physiklehrer Monninger die verschiedenen Themen im Lehrplan anhand des Handys: etwa Sender und Empfänger, wie ein Akku funktioniert oder Strahlung. „Das ist mein Traumthema, Physik im Alltag“, sagt der Lehrer begeistert.

Wolfgang Plarre lehrte in Wertingen einst Chemie. Auch er hat bemerkt, wie oft Chemie als Ganzes verdammt wird. „Garantiert ohne Chemie“ sei ein beliebter Slogan geworden. Nach Ansicht Plarres eine völlig sinnlose Phrase. „Alles Leben beruht auf Chemie. Und jeder wendet im Alltag oft Chemie an – zum Beispiel beim Kochen oder Braten.“

Sein ehemaliges Lehrfach sei in zwei wesentliche Themengebiete aufgeteilt: organische und anorganische Chemie. Während in der anorganischen Chemie „tote“ Materie behandelt wird, wie etwa Steine, handelt die organische Chemie von allem, was mit Lebewesen zu tun hat. „Es lohnt sich, sich mit der Chemie auseinanderzusetzen“, sagt Plarre. „Schließlich leben wir alle in einer tollen Chemiefabrik – unserem Körper.“ Wer sich damit beschäftigt, kann etwa besser verstehen, wie Medikamente nach der Einnahme wirken. Eine nette Geschichte fällt Peter Zehentmeier noch ein: Er erinnert sich an eine fünfte Klasse, der er im Fach Biologie gerade den Hund erklärte. Dazu gehört auch die richtige Reaktion darauf, wenn einem ein kläffender Vierbeiner gegenübersteht: „Man läuft nicht weg, das weckt den Jagdinstinkt. Man schaut ihm nicht direkt in die Augen, das provoziert. Man sieht direkt über das Tier hinweg und geht ruhig weiter.“ Eine Woche später erzählte ein Mädchen begeistert, was ihm passiert war. „Ein Hund hat mich angebellt – da habe ich mich genau so verhalten, wie Sie gesagt haben. Und es hat funktioniert.“

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