1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Von geheimen Schätzen, lustigen Büchern und Spaß am Lesen

Landkreis Dillingen

24.10.2019

Von geheimen Schätzen, lustigen Büchern und Spaß am Lesen

Na, welches Buch leihen wir heute aus? Im Bild hinten von links die Leiterin der Gundelfinger Stadtbücherei, Eva Winter, und Sonja Buser, vorne von links Antonio und Katja Contu, Fjellvin Bargemann mit Ingrid Spitzkart.
Bild: Karl Aumiller

Plus Sie suchen noch ein Weihnachtsgeschenk? Oder wollten schon immer wissen, was Ihren Bub endlich zum Lesen bringt? Wir haben uns in den Büchereien im Kreis Dillingen umgehört.

Ausgerechnet diese Ente, die keiner richtig versteht. Sie ist der absolute Renner in Gundelfingen. „Die Kinder lieben Comics, vor allem die von Donald Duck“, sagt Eva Winter, die die Stadtbücherei leitet. Viele Eltern seien zu Anfang gar nicht glücklich mit der Lektüre ihrer Kinder. „Ich sage dann immer: Aber immerhin, sie lesen überhaupt etwas“, sagt Winter und lacht. Dass der Erpel im Matrosenanzug schon jemals so erfolgreich war wie jetzt, daran kann sich die Büchereileiterin nicht erinnern. „Asterix und Obelix“, „Lucky Luke“ die waren immer schon beliebt.

Neuere Renner bei den Mädchen sei die Reihe „Die Glücksbäckerei“ von Kathryn Littlewood. Ältere Leser würden gerne Familiengeschichten, die in Australien oder Neuseeland spielen, lesen. Vor allem die Nachkriegsgeschichte Deutschlands sei ein Renner. „Ich recherchiere immer, ob es dazu etwas Neues gibt. Das interessiert alle Altersklassen.“ Vor allem natürlich Weibliche. Männer kämen etwa dann, wenn sie zuhause etwas richten müssten, und leihen sich dann das passende Handbuch dazu aus.

Das furchteinflößende Gruselbuffet von Gundelfingen

Und was sind die Schätze der Gundelfinger Stadtbücherei? „Unsere Kindervorlesungen sind der absolute Renner. Die Veranstaltung zu Halloween kommende Woche könnten wir zweimal machen“, sagt Eva Winter. Aber die Bücherei dekorieren und kochen, backen für das furchteinflößende Gruselbuffet am Lagerfeuer sei zu viel Arbeit. Auch zu Ostern, an Fasching, zum Schulstart oder in den Sommerferien lässt sich das sechsköpfige Team etwas Besonderes einfallen. „Das ist schon ein großer Aufwand, aber nur so bindet man Kinder an die Bücherei.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wer will am Donnerstag noch zum Spieleabend in Lauingen?

Den Spielenachmittag, der am heutigen Donnerstag wieder stattfindet, bezeichnet Heidi Hüll als den Schatz der Lauinger Stadtbücherei. Interessierte ab 16 Jahre können nach Anmeldung (heute noch bis 18 Uhr direkt in der Stadtbücherei) dann von 19 bis 21 Uhr in geselliger Runde Brett- oder Gesellschaftsspiele ausprobieren. „Vorlesestunden wie wir haben andere auch. Aber wir fahren jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Vhs Dillingen zur Frankfurter Buchmesse.() Dieses Mal waren 52 Personen dabei“, sagt Hüll. Das Topolino-Kindertheater war wieder ausverkauft. Ein Renner in Lauingen sei der zweite Teil des Buches „Eine Familie in Deutschland“ von Peter Prange. Ein Werk, dem Heidi Hüll mehr Leser wünschen würde, stammt von Francesca Melandri und heißt „Alle, außer mir“. Eine Lehrerin aus Rom erfährt darin von einem jungen Äthiopier vom Doppelleben ihres Vaters in Afrika. „Die Schlüsselfrage des Buches lautet: Was bedeutet es, zufällig im richtigen Land geboren zu sein“, erklärt Heidi Hüll.

Rekorde und das Lotta-Leben ziehen bei Kindern im Bachtal

Im Bachtal mögen Frauen die Reihe „Die sieben Schwestern“ von Lucinda Riley, ansonsten sind Krimis laut Bärbel Hartmann sehr beliebt. Kinder würden das Guinness-Buch der Rekorde lieben und die „Lotta-Leben“-Reihe von Alice Pantermüller. „14-tägig kommen die Schulklassen vorbei, das sichert letztlich die Existenz der Einrichtung“, sagt die Leiterin der Bücherei, die mitten in der Bachtal-Schule in Bachhagel liegt. Ein besonderes Highlight sei das Theater am morgigen Freitag. 300 Karten sind für die Aufführung „Pippi Langstrumpf“ vom Theater Fritz und Freunde verkauft worden, freut sich Bärbel Hartmann.

In der Dillinger Stadtbücherei ist eine besondere Atmosphäre entstanden, die sehr gut ankommt

Die Schätze in Dillingen? „Die Bücherei ist seit ihrer Renovierung vor zwei Jahren als dritter Ort angenommen worden“, freut sich Leiterin Brigitte Schöllhorn. Das Schlagwort steht für die Aufenthaltsqualität der Räume. Die Dillinger Stadtbücherei werde als Treffpunkt der Allgemeinheit hervorragend angenommen. Junge Familien würden sich regelmäßig treffen, deren Kinder sich schon wie zuhause fühlen. Und auch Ältere kommen gerne vorbei und sitzen stundenlang zwischen den vielen verschiedenen Medien. „Wir haben bewusst dieses Konzept angesteuert, weil es immer weniger Raum gibt, wo man sich konsumfrei treffen kann, oder auch wenn man wenige soziale Kontakte hat. Hier hat man die Möglichkeit, sich zu unterhalten und muss nicht allein im Café sitzen“, erklärt Schöllhorn. Ein zweiter Schatz seien die beiden Internetrechner. Dort werde nicht nur recherchiert. So kämen manche Besucher nur, um sich eine Bewerbung auszudrucken. Doch auch unter den Medien befinden sich Schätze. So schwärmt die Büchereileiterin von einem gewaltigen Michelangelo-Bildband.

Tipp für Eltern: schöne Bilderbücher und selbst reinlesen

Besonders schöne Bilderbücher seien auch bei Kindern beliebt. Man wolle Kinder ja vor allem fürs Entdecken begeistern, zum Blättern verführen. Mit bibliophilen Büchern könnte das Gelingen. Etwa den Werken von Axel Schäffler („Grüffelo“). Weit weniger populär aber absolut lesenswert für Erwachsene sind laut Schöllhorn: „Die Katze und der General“ von Nino Haratschwili und von Mareike Fallwickl „Das Licht ist hier viel heller“ oder „Dunkelgrün fast schwarz“. Drei Tipps für Weihnachten: „Von Null auf Omm“ von Manuel Ronnefeld, „Ran an das Fett“ von Doc Flec („großartig, da muss ich so oft lachen“) und „Trainieren wie im Knast“ von Paul Wade.

Welche Bücher hätten mehr Aufmerksamkeit verdient?

Maria Hergöth bezeichnet „alle meine Bilderbücher und Vorlesegeschichten“ als Schatz der Höchstädter Bücherei. Sie schwärmt von „Am Schneesee“ von Franz Fühmann, von „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ von Mario Ramos und Markus Weber oder vom Vorlesebuch „Ein Geburtstagsgeschenk für die Eule“ von Claudia M. Gürth. Märchen und Sagen würden gar nicht mehr gelesen, bedauert die Höchstädter Büchereileiterin. Erwachsene würden vor allem zur regionalen Krimis und deutsche Nachkriegsgeschichten greifen. Auch leichte, aber schön geschriebene Romane seien beliebt „Geschichten, in die man eintauchen kann, wo man sich erholt, die man aber auch leicht weglegen kann“, beschreibt Hergöth. Zwei Werke, denen sie mehr Aufmerksamkeit wünschen würde: Martina Bergmann „Mein Leben mit Martha“, „Suleika öffnet die Augen“ von Gusel Jachina“ und „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger.

Hergöth hat einen Tipp, wie Eltern ihre Kinder zum Lesen bringen. „Sie sollten selbst lesen, was ihren Kindern gefallen könnte. Wenn sie dabei mal lachen oder einfach eine Stelle wie zufällig laut vorlesen, wird das Kind neugierig und setzt sich dazu. Vielleicht möchte es dann das Buch auch selbst lesen. Aber nur zu sagen: Das ist gut, das reicht nicht, um ein Werk schmackhaft zu machen.“

Ein Bus wie kein anderer

Die Bücherei mit dem größten Verbreitungsgebiet ist die Kreisfahrbücherei mit Sitz in Wertingen. 80 Haltestellen fährt der Bus im dreiwöchigen Turnus an. Rund 100000 Entleihungen summieren sich über das Jahr „Das ist unser Schatz“, sagt Michael Baumgärtner. „Unser Potenzial liegt in der Bedienung in der Fläche. Das ist etwas Besonderes und sehr wichtig.“ Jeder Ort habe ein Eigenleben. Der Leiter der Kreisfahrbücherei hat einen Tipp für alle, die ein passendes Buch suchen: „Es führt am weitesten, wenn man ohne vorgefasste Meinung an die Sache rangeht.“

Lesen Sie dazu auch:

Was empfiehlt das Literarische Quintett aus Dillingen?

Mit Bruno Jonas in Dillingen gegen die Unvernunft der Welt

Lesen kann glücklich machen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren