Newsticker

Rekord-Neuinfektionen in den USA: Trump tritt mit Mund-Nasen-Schutz auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Wann können wir wieder in Klubs tanzen und feiern?

Covid-19

24.05.2020

Wann können wir wieder in Klubs tanzen und feiern?

Fotos wie dieses dürfte es wohl eine ganze Weile lang nicht mehr geben. Denn in Diskotheken und anderen Tanzlokalen ist das Abstandhalten nicht gerade leicht. Viele Betreiber stellt das vor große Herausforderungen.
Bild: Alexander Klarmann (Archiv)

Plus Während sich die meisten Geschäfte und auch Gastronomen über zunehmende Lockerungen freuen, bleibt den Betreibern von Bars und Kneipen nur Unsicherheit. Manche nutzen die Zeit aber sinnvoll

Die Biergärten sind wieder geöffnet, Geschäfte jeglicher Größe ebenso. Stück für Stück kehrt die Normalität zurück in den Alltag. Doch in manchen Branchen herrscht nach wie vor Ungewissheit, wie es weitergeht. Dazu gehören etwa Diskotheken, Clubs, Bars und Kneipen. Viele Betreiber im Landkreis Dillingen sind unsicher, was sie in den kommenden Wochen und Monaten erwartet.

Die Situation im Bierbrunnen in Lauingen

Erst Anfang des Jahres haben Dominic Offinger und René Hofelich die Lauinger Kult-Kneipe Bierbrunnen übernommen. Niemand hätte damals gedacht, dass ein Lockdown nur drei Monate später jegliches öffentliche Leben auf unbestimmte Zeit beendet. „Es war alles okay, bis das Tief kam“, erzählt Offinger mit Blick auf den Jahresbeginn. Gerade in der Faschingszeit habe das Geschäft gebrummt. Dann war der Bierbrunnen kurz wegen Umbauarbeiten geschlossen, dann wieder eine Woche geöffnet – bis der Lockdown kam. „Das war ein ordentlicher Schlag“, sagt Hofelich. Für die erste Jahreshälfte hatten die neuen Betreiber einige Veranstaltungen und Events geplant, die es im Bierbrunnen so noch nicht gab. „Wir hatten einige Konzepte und wollten mal was Neues ausprobieren“, erzählt Offinger. Auch daraus wurde wegen des Coronavirus erst einmal nichts.

Den anfänglichen Schock kehrten die beiden neuen Betreiber in etwas Positives um: Sie nutzten die Zeit für umfangreiche Renovierungsarbeiten. So wurde die Elektrik erneuert, Regale eingesetzt, die Küche renoviert, Lichtkonzepte angepasst und der Keller hergerichtet. Arbeiten, die irgendwann sowieso hätten kommen müssen. „Jetzt kennen wir jeden Winkel hier, wir haben in jedes Loch reingeguckt“, sagt Offinger. Das sei aber auch das einzig Positive an der Krise.

Soforthilfe vom Staat beantragt

Denn für viele Bar-Betreiber geht es in diesen Tagen um die Existenz. Auch Hofelich und Offinger hatten einige schlaflose Nächte. Die Soforthilfen vom Staat haben ihrer Aussage nach nicht ausgereicht. Damit beide über die Runden kommen, unterstützen sich die Freunde gegenseitig – und auch einige Stammgäste hätten bei den Renovierungsarbeiten Hilfe angeboten.

Besonders ärgerlich sei jedoch, dass es keinen klaren „Fahrplan“ gibt: Vonseiten der Ämter sei vieles unklar gewesen, die oft kurzfristigen Entscheidungen der Politik seien ebenfalls nicht zuträglich. Wann der Bierbrunnen wieder öffnen kann, sei noch nicht klar. Denn auch wenn ab Montag Innenbereiche in Gastronomien wieder öffnen dürften, ist den Bierbrunnen-Betreibern zufolge noch nicht klar, unter welchen Auflagen das geschehen soll. Sobald sie das wissen, wollen sie so schnell wie möglich öffnen. „Wir leben gerade von Tag zu Tag.“

Ähnlich geht es auch Mehmet Telik, dem Geschäftsinhaber der P2 Cocktail & Shishabar in Wertingen. Seit Mitte März ist die Bar geschlossen. In den vergangenen drei Wochen habe er Essen zum Mitnehmen angeboten, erklärt Telik. Seit Donnerstag ist die Terrasse geöffnet. Dort stehen nun zwölf Tische für die Gäste bereit.#

Acht Tische habe er rausnehmen müssen, um den geforderten Abstand einzuhalten, so der Geschäftsinhaber. Noch immer geschlossen ist allerdings das Herzstück seiner Bar – der lange Thekenbereich. „Es ist eine schwere Zeit für uns“, sagt Telik. Unklar sei beispielsweise auch, wie es mit den Shishas, sprich den Wasserpfeifen, weitergehen soll. Laut Telik werden die Auflagen dafür immer strenger. In Zeiten von Corona und den derzeitigen Regelungen darf eine Wasserpfeife nur von einer Person geraucht werden. Der Gastronom denkt aber bereits über Neuerungen nach und überlegt, ob er eine Eistheke einrichten soll.

Und was ist in der Lauinger Diskothek Evergreen los?

Auch bei der Lauinger Diskothek Evergreens herrscht Unsicherheit. Die Betreiber – die Felber-Töchter, deren Familie bereits das Empire führte – wüssten ebenfalls noch nicht, wann es wieder weitergehen kann. „Wir sind in einer Branche, die leider noch keine Lockerung zulässt im Moment“, schildern sie. Und: „Wir befürchten, dass sich die momentane Situation noch hinzieht und gerade Diskotheken die letzten Betriebe dieser Branche sein werden, die wieder öffnen dürfen.“ Das Evergreens bleibe aber erhalten.

Deutlich länger als viele andere Tanzlokale im Landkreis ist der Bissinger „K-Club“ schon im Geschäft. Seit 1990 gibt es den schon. Geführt wird er von Michael Hiltner, der trotz der Umstände einen etwas lockereren Blick auf die Krise hat. Denn Anfang Mai hätte im „K-Club“ ohnehin die rund fünfmonatige Sommerpause begonnen. „Das ist also grade nicht so schlimm“, sagt Hiltner. Am 7. März war der Klub zum letzten Mal geöffnet, eine Woche später machte der Betreiber freiwillig dicht. „Man hat schon gemerkt, dass die Leute vorsichtiger werden und, dass die Angst vor dem Virus langsam eine Rolle spielt.“

Ganz runtergefahren war das Geschäft für Hiltner aber nie. Denn neben dem „K-Club“, den an einem guten Abend laut Hiltner durchaus 300 bis 400 Gäste besuchen, gibt es da noch den Gasthof Krone, die Pension, die Metzgerei und den Biergarten, die alle zum Betrieb gehören. Und in diesen Bereichen läuft das Geschäft laut Hiltner langsam wieder an. Seit Mittwoch etwa ist der Biergarten wieder geöffnet. Doch auch Hiltner macht die Situation zu schaffen: „Man macht sich schon Gedanken, wie es weitergeht.“

Wie es im K-Club Bissingen weitergeht

Vor allem die weggebrochenen Großveranstaltungen, wie etwa zahlreiche Hochzeiten, fallen da ins Gewicht. Existenzängste habe er aber nicht. „Man wird eben erfinderisch.“ Wie es mit dem „K-Club“ weitergeht, sei noch nicht klar. Hiltner hofft, im Oktober wieder öffnen zu können. Allzu viel Zuversicht scheint er aber nicht zu haben: „Du kannst in einem Klub ja keine Abstände einhalten.“

Seine Befürchtung: „Bevor es keinen Impfstoff gibt, wird’s schwierig mit der Öffnung.“ Einen Vorfall wie in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, wo ein einzelner Infizierter nach der Lockerung der Corona-Bestimmungen drei Diskotheken besuchte und mindestens 26 Menschen ansteckte, müsse man jedenfalls verhindern. (mit elhö)

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren