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Wertingen

26.10.2019

Warum auch ein EU-Politiker kalt duschen muss

Vier Politiker kamen ans Wertinger Gymnasium, um dort über Europa zu debattieren. Am Ende wurde aber doch vor allem über Bayern gesprochen. Auf dem Bild sind zu sehen: JUSO-Vertreter Benjamin Adam, Landtagsabgeordneter Florian Siekmann (Bündnis 90/Die Grünen), Landtagsabgeordneter Fabian Mehring (Freie Wähler) und EU-Parlamentarier Markus Ferber (CSU) und die beiden Schüler und Moderatoren Lukas Gutekunst und Vincent Seefried (von links).
Bild: Andreas Dengler

Wertinger Gymnasiasten holen die große Politik an die Schule. Vier Politiker diskutierten mit den Schülern über Europa. Auch Bayern und die Landesregierung waren Themen der Debatte

Der Umweltschutz und die Migrationspolitik waren die abendfüllenden Themen der Podiumsdiskussion „Quo vadis Europa; wohin geht’s Europa?“, am Wertinger Gymnasium. Und letztlich sorgten sie auch für ordentlich Zündstoff – genau das war von den Gastgebern so gewünscht.

SPD schickte doch noch einen Teilnehmer

Die acht Schüler des P-Seminars „Mehrwert Demokratie in Europa“ organisierten die politische Diskussion mit Schwerpunkt Europa. Dazu kamen vier Politiker ins Schulforum. Der Europaparlamentsabgeordnete Markus Ferber (CSU) und die beiden Landtagsabgeordneten Fabian Mehring (Freie Wähler) und Florian Siekmann (Bündnis 90/Die Grünen) folgten der Einladung, und auch die SPD schickte nach anfänglichen Schwierigkeiten einen Vertreter. Zunächst hatten die Sozialdemokraten aus zeitlichen Gründen die Teilnahme abgesagt. Mit dem JUSO-Vertreter und Stadtratskandidaten für Augsburg, Benjamin Adam, fand sich letztlich doch noch ein Diskussionsteilnehmer.

Die Schüler setzten den Politikern strikte Zeitgrenzen: Eine Minute für die Vorstellung und eine Minute für Fragen. Selbst im Europaparlament habe man zwei Minuten Redezeit, sagte Ferber, der sich aber kurzfassen konnte. Die Schülerinnen Kiara Scharrer und Nina Lang stellten die Projekte des Seminars vor (wir berichteten). Die beiden gingen dabei vor allem auf die Juniorwahl und deren Ergebnisse ein.

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Bei der Diskussion ging es heiß her

Anschließend fand eine Podiumsdiskussion statt, die Lukas Gutekunst und Vincent Seefried leiteten. Und dabei ging es heiß her. Mit zwei Landtagsabgeordneten und einem CSU-Politiker rückte zwangsläufig die bayerische Landespolitik verstärkt in den Fokus, wenngleich Europa den Abend hätte bestimmen sollen. Das neue Artenschutzgesetz, das Gefälle von Stadt und Land, die Energiewende und die H-10-Regel waren immer wieder Gegenstand der Diskussion. SPD–Mitglied Adam, der derzeit kein politisches Amt ausübt, verwies deshalb darauf, sich doch wieder Europa zu widmen. Da der Klimaschutz nicht an den bayerischen und auch nicht an den europäischen Außengrenzen endet, konnte zumindest so der Bogen nach Europa gespannt werden.

Mehring schoss sich auf die Grünen ein

Mehring schoss sich auf die Grünen ein: „Die Grünen sind Spalter“ und vor allem darin gut, „Probleme emotional zu beschreiben.“ Siekmann sagte zur Verteidigung: „Die Grünen wollen keine Spaltung der Gesellschaft.“ Dabei merkte er auch an, dass die Umweltpartei bemüht ist, auch in Ostdeutschland mehr Unterstützung zu erhalten.

Ferber grätschte zwischen die aufbrausenden Landtagsabgeordneten. Er ermahnte sie: „Wir müssen weg von einer schwarz-weiß Dialektik.“ In den ländlichen Regionen seien ebenso Bürger an klimapolitischen Themen interessiert, sagte der EU-Politiker. Keinen leichten Stand hatte der Europaparlamentsabgeordnete. Er war mit Abstand der älteste Teilnehmer. Nichtsdestotrotz war der CSU–Mann offen für die Argumente seiner jüngeren Kollegen und nahm sich bei der Diskussion immer dann zurück, wenn die Jüngeren mit lauten Debatten die Runde dominierten.

Mehring und Siekmann waren die Streithähne des Abends. Den Konfrontationskurs halten sie aber nur bei der politischen Diskussion ein. Sie sind per Du und gaben sich nach der hitzigen Debatte sogar einen Faustgruß.

Nachhaltiges Heizen hat auch Kehrseiten

Die Besucher hatten an die Gäste auch Fragen. So wurde Ferber gefragt, wie sein persönlicher Beitrag zum Klimaschutz aussehe. Der CSU-Politiker gestand, dass er in seinem Wohnhaus eine Hackschnitzelheizung nutze und bei Flügen, die sich berufsbedingt nicht vermeiden ließen, stets einen CO2-Ausgleich bezahle. Dass nachhaltiges Heizen auch Kehrseiten hat, erfährt Ferber am eigenen Leib: Immer wieder streike die Heizung und er müsse dann kalt duschen. „Aber das hält fit.“ Wie Siekmann zum Tempolimit steht, war eine weitere Zuschauerfrage. Der Grünen-Politiker argumentierte, dass in allen europäischen Ländern eine Geschwindigkeitsbegrenzung gelte und Deutschland sich dies zum Vorbild nehmen sollte.

Zum Abschluss der knapp dreistündigen Veranstaltung hatten Mehring und Siekmann noch eine Überraschung für die Gastgeber. Das ganze P-Seminar wird von den beiden Abgeordneten in die Landeshauptstadt eingeladen und darf dort den politischen Alltag am Maximilianeum kennenlernen.

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