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Wittislingen

21.05.2019

Warum hinter Europa mehr steckt als nur ein Reisebüro

„Auf ein Bier mit Posselt und Sailer“ – so das Motto des themenschweren Abends mit dem Landrat und Bezirkstagspräsidenten (links) sowie dem Vertriebenenpolitiker.
Bild: Günter Stauch

Junge Union und Landjugend lassen in Wittislingen prominente Kämpfer für den Kontinent trommeln. Warum es bei Europa nicht nur um die Freiheit geht.

Mit hochkarätigen Rednern, lebhaften Diskussionen im mit über 100 Gästen besetzten Pfarrheim sowie Parteiprominenz bis zur Bundespolitik hat die Junge Union der Region den Endspurt zur Europawahl eingeläutet.

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Eine Woche vor der im Saal heraufbeschworenen Richtungsentscheidung am Sonntag wechselten sich die leidenschaftlichen Appelle zum „Freiheits- und Friedensprojekt Europa“ nur so ab. Mit dem Augsburger Landrat und Bezirkstagspräsidenten Martin Sailer und dem schon jetzt als europäisches Urgestein geltenden Vertriebenenpolitiker Bernd Posselt fuhren die JU Egautal-Lauingen und die Katholische Landjugendbewegung in den letzten Tagen vor dem wichtigen Urnengang schwere Geschütze auf.

Wie es in Zukunft um Europa steht

Laut JU-Ortsvorsitzendem Benedikt Decker „zwei hundertprozentige Europäer, die einen spannenden Abend versprechen“. Der junge Politiker sollte recht behalten: Anderthalb Stunden lang erklärten und warben die beiden Hauptredner bei kredenztem „Europa-Bier“ für den Kontinent, dessen Schicksal noch nie so auf dem Spiel gestanden habe wie heute. „Bei dieser Entscheidung geht es nicht um Verordnungen über den Krümmungsgrad der Banane, sondern es geht um Wurst“, witzelte der 62 Jahre alte Bernd Posselt, der zwei Jahrzehnte als EU-Parlamentarier Politik mitgestaltet hatte, am Schluss seiner spannenden wie nachdenklich wirkenden Exkursion in Geschichte und Gegenwart des Kontinents.

Warum hinter Europa mehr steckt als nur ein Reisebüro

Der Bundeschef der Sudetendeutschen Landsmannschaft und Präsident der Paneuropa-Union sparte bei seinen teils launigen Worten nicht mit Lob für die schwäbische Region: „Dieser Landstrich kann einen jahrhundertealten ureuropäischen Geist vorweisen“, betonte das Mitglied im CSU-Parteivorstand und erinnerte etwa an den Lauinger Bischof und Gelehrten Albertus Magnus. Europa sei keine künstliche Neuerfindung, sondern könne eine mehr als tausend Jahre alte Kultur vorweisen.

Posselt sparte jedoch auch nicht die verheerenden kriegerische Phasen aus, verdeutlichte den Irrsinn zum Beispiel im Umgang der Völker untereinander: „Die Franzosen wussten zur Zeit des Ersten Weltkriegs mehr von Goethe als heute, die Deutschen mehr vom Dramatiker Molière.“ Das jetzige gute nachbarschaftliche Verhältnis wusste auch Landrat Martin Sailer bei seinem Impulsvortrag zu würdigen. Der ehrenamtliche Bezirkstagspräsident seit Ende 2018 warb für Partnerschaften wie etwa zur französischen Region Mayenne und zur rumänisch-ukrainischen Bukowina. „Und diese Beziehungen dürfen uns auch etwas kosten, ein schönes Ortsschild allein reicht nicht.“

Warum Europa mehr ist als die Freiheit des Einzelnen

Vor blanker Romantik beim Thema warnte auch der vielgereiste Posselt mit über 100 erminen allein in den vergangenen Wochen: „Bei Europa geht es beileibe nicht nur um die Freiheit des Einzelnen, sich zu bewegen – Europa ist mehr als ein Reisebüro“, betonte der Wahl-Münchner und forderte, es vor allem den jungen Bürgern als lohnenswerte Vision zu vermitteln. „Aber nicht erst fünf Tage vor den Wahlen, sondern dauerhaft.“

Apropos Jugend: Ihre massive Anwesenheit im vollen Pfarrheim brachte den Veranstaltern nicht nur viele Pluspunkte ein. Der Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange zeigt sich geradezu entzückt über „die vielen jungen Gesichter hier“ und forderte sie zu einem deutlichen Ja für die Sache auf.

Die Freude über jüngere Generationen in den Reihen der Besucher mit Bürgermeistern und Gemeinderäten war auch Bezirksrat Johann Popp anzusehen, genauso wie dem Landtagsabgeordneten Georg Winter. Die erfahrenen Politiker rieten ihnen, sich derer anzunehmen, die noch zweifeln. „Überzeugen Sie jene, die noch unsicher sind“, riet Winter. Das muss man bei Siegfried Nürnberg wohl kaum. Leidenschaftlich sagte der mit den Abendverlauf zufriedene JU-Kreisvorsitzende und Kandidat: „Für viele Problemstellungen in der Welt gibt es nur eine Antwort: Europa.“

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