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Wertingen

20.05.2019

Warum sich Gastwirte und Hoteliers in der Region Sorgen machen

Gastwirte und Hoteliers haben in Wertingen ihre Sorgen geäußert.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Schwäbische Gastwirte und Hoteliers fordern in Wertingen bessere Rahmenbedingungen. Heftig diskutierten sie über Verordnungen und Gesetze.

So kann es nicht weitergehen, darin sind sich die schwäbischen Wirte und Hoteliers einig und fordern auf der diesjährigen Bezirksdelegiertenversammlung des Bayrischen Hotel- und Gaststättenverbandes bessere Rahmenbedingungen. Mehr als 50 Gastronomen aus ganz Schwaben trafen sich im Gasthof Stark im Wertinger Stadtteil Gottmannshofen. Heftig diskutierten sie über Verordnungen und Gesetze, die ihnen den Betriebsablauf erschweren.

Strenge Vorgaben machen Gastwirten zu schaffen

Strenge Vorgaben zwingen am Ende so manchen Gastwirt und Hotelier in die Knie, weil die personellen Kapazitäten fehlen, fürchten die Wirte. Besonders Klein- und Mittelbetriebe seien davon betroffen. „Für uns gelten die gleichen Anforderungen wie für große Restaurantketten“, kritisiert der Dillinger Kreisvorsitzende Josef Stark. „Wir wollen keinen rechtsfreien Raum, aber die Bestimmungen sollen angemessen sein“ sagt er.

Als Ehre empfand es Stark, die Delegierten in seiner traditionsreichen Gaststätte zu bewirten. Gegenüber seinen Verbandskollegen wies er auf die lange Tradition des Familienbetriebs hin. Seit 1834 werde die Gasstätte von Generation zu Generation weitergegeben. Heute sei die Gastwirtschaft Stark in Gottmannshofen Dorfmittelpunkt mit Maibaumaufstellen, Weihnachtsmarkt und als Anlaufpunkt für Vereine.

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Stark servierte den Gastronomiekollegen Küche vom Feinsten aus regionalen Zutaten. Ein reichhaltiges Büfett aus Antipasti, Salaten, Spargelsuppe, geschmorte Ochsenbacken, Knödeln, Lachsforelle, Spätzle, feinem Marktgemüse, Spargelstrudel und Erdbeer-Tiramisu. Dazu gab es Bier aus der hauseigenen Brauerei. „Es schaut alles köstlich aus und schmeckt hervorragend“, lobte Stefan Wild, Fachbereichsvorsitzender der schwäbischen Hotellerie die Küche.

Kernproblem sind sehr lange Öffnungszeiten

Im Hinblick auf die Deutsche Hotelklassifizierung leuchten in Schwaben die Sterne. Nach Oberbayern gibt es im Regierungsbezirk Schwaben die meisten klassifizierten Betriebe in Bayern, mit steigender Tendenz. Alfred Schneid hob als stellvertretender Landrat das besondere Ambiente des Schwabenstädtchens Wertingen hervor. „Wir haben im Innenbereich der Stadt so gut wie keine Leerstände,“ sagte er.

Verbandspräsidentin Angela Inselkammer begrüßte in ihrem Impulsreferat das neue Gaststättenförderungsprogramm. Dieses sieht vor, Modernisierungsmaßnahmen staatlich zu bezuschussen. Sie sieht darin eine Stärkung der Klein- und Kleinstbetriebe. Scharf kritisierte Inselkammer die geltende unterschiedliche Mehrwertsteuerregelung für Gastwirtschaften und Stehimbisse. Wer „Getränke-To-Go“ über die Straße verkaufe, zahle nur sieben Prozent Mehrwertsteuer und belaste obendrein die Umwelt mit Plastikbechern. Im Gegensatz fallen für das Angebot in der Wirtsstube 19 Prozent Mehrwertsteuer an. „Wer Essen und Getränke stilvoll auf den gedeckten Tisch bringt, ist im Wettbewerbsnachteil“, brachte es einer der Wirte auf den Punkt. Alle beklagten sie den Fachkräftemangel und die hohe Abbruchrate bei Lehrlingen im Gastronomiegewerbe. Daher forderten sie die Auflösung der starren Regelungen des Arbeitszeitgesetzes. „Unser Kernproblem sind sehr lange Öffnungszeiten, die wir nur mit flexiblen Arbeitszeiten abdecken können, um die Ruhezeiten einzuhalten“, sagte Gudrun Hander aus Echenbrunn, Zweite Kreisvorsitzende im Kreis Dillingen. „Wer auf Angestellte statt auf Familienmitglieder zurückgreifen muss, kann die Vorgaben nur schwer einhalten“, erklärte sie.

Ingrid Osterlehner aus Röfingen bei Burgau beklagte die bürokratischen Vorgaben: „Die Temperatur der Lebensmittel bei der Anlieferung, die Küchenhygiene, die Reinigungspläne – alles muss dokumentiert werden.“

Urlauber suchen die bayerische Küche

Urlauber suchten in Bayern nicht nur die schöne Landschaft, die Berge und die Seen, sind sich die schwäbischen Wirte einig. Sie suchten auch die bayerische Lebensart, die Gemütlichkeit, die gute Küche und das urige Bier. Wie sähe das Leben in den Dörfern und Städten aus, wenn statt traditioneller Wirtschaften nur noch eine Einkehr in Restaurantketten möglich wäre, fragten sich die Wirte. Wer zur Bergtour anreise, setze ebenfalls auf die Hotellerie mit ihren Übernachtungsmöglichkeiten.

Inselkammer bezeichnet deshalb die Wirte und Hoteliers als „Leistungsträger des Tourismus“ und fragt sich: „Was wäre der Tourismus in Bayern ohne die Gaststätten – Was wäre Bayern ohne seine Wirtshauskultur?“

In einer früheren Version dieses Artikels wurde eine Aussage zitiert, wonach in Lauingen mittags keine Gaststätte mit bayerischer Küche mehr geöffnet sei. Das ist so nicht richtig, deswegen haben wir den Satz entfernt.

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