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Wittislingen

22.01.2020

Was Ex-Fernsehrichter Alexander Hold in Wittislingen zu sagen hat

Viele kennen ihn wohl aus dem Fernsehen: Alexander Hold, ehemals Fernsehrichter und seit 2018 Mitglied des bayerischen Landtags, hielt die Festrede in Wittislingen.

Der Neujahrsempfang in Wittislingen steht unter dem Zeichen der Kommunalwahl. Alexander Hold spricht über die Probleme der Gesellschaft – und kritisiert die AfD. Bürgermeister Ulrich Müller blickt zurück.

„Wieso tust du dir das an?“ Wer sich für die Allgemeinheit engagiert, hört diese Frage öfter. Zumindest, wenn man dem FW-Abgeordneten und Ex-Fernsehrichter Alexander Hold glauben darf. Beim Neujahrsempfang in Wittislingen am vergangenen Sonntag hielt er vor der voll besetzten Aula der Grund- und Mittelschule ein flammendes Plädoyer für mehr Engagement.

Anlass dafür sei die aktuelle „Bedrohungslage“, der sich viele Kommunalpolitiker ausgesetzt sehen: Schlagzeilen machte etwa Christoph Langscheidt, Bürgermeister von Kamp-Lintfort, weil er einen Waffenschein beantragen wollte, um sich zu schützen. Nicht zu vergessen der gewaltsame Tod des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Hold sagte mit Blick auf die Kommunalwahlen: „Man stellt fest, dass vieles nicht mehr so ist, wie es einmal war.“ Drohungen gegen Politiker seien nur ein Beispiel. Ein massives Problem sei auch, dass sich viele nicht mehr ausreichend interessierten, sagte Hold. In der Kommunalpolitik sei das regelmäßig zu beobachten, etwa wenn neue Bauprojekte in Städten geplant seien: „Wenn alles Planerische erledigt ist, und die Bagger anrollen, erst dann kommt der Aufschrei.“ Dabei hätten die Bürger ja vielfach Gelegenheit, sich in solche Planungen einzubringen.

Alexander Hold spricht in Wittislingen über die AfD

Und noch etwas kritisiert der Kemptener: „Wenn man sich einmischt, dann über eine unglaubliche Emotionalisierung.“ Als Beispiel nennt er etwa den Klimawandel. Dieser werde entweder geleugnet oder zu einer „Ersatzreligion“ erhoben. Praktische und allgemeinverträgliche Lösungen würden gar nicht mehr diskutiert. Und auch die AfD thematisiert er, ohne ihren Namen zu nennen: „Diese Partei, die als Eurokritiker gestartet ist, heute die D-Mark zurück will und dabei die Reichsmark herbeiredet.“ Über systematische Tabubrüche, etwa wenn ein Abgeordneter bei einem Gedenkakt für Walter Lübcke nicht aufsteht, verschaffe sich die AfD Aufmerksamkeit. Anstelle der Emotionalisierung wünscht sich Hold, dass Antworten zu wichtigen Fragen über wissenschaftliche Fakten gefunden werden. All das führt den Vizepräsidenten des Landtags zurück zu der Frage, wieso sich Bürger engagieren. Seine Antwort: „Irgendjemand muss es tun.“ Mit Blick auf die Kommunalwahl im März sagt er: „Jeder, der sich bereit erklärt zu kandidieren, tut etwas für die Demokratie.“ Und da sei es egal, ob man gewählt wird oder nicht. Der Wille sei das, was zählt.

Harald Schneider (links) wurde für sein jahrzehntelanges Engagement im Tennisverein und im Pfarrgemeinderat mit der Ehrenmedaille in Silber des Markts Wittislingen geehrt.

Für einen war der Neujahrsempfang in diesem Jahr ein ganz besonderer: Bürgermeister Ulrich Müller stand am Sonntag zum letzten Mal als Amtsinhaber in der Schulaula. Denn er will von Wittislingen nach Altenmünster wechseln – wenn er dort denn gewählt wird. Müller blickte auf die vergangenen acht Jahre in der Gemeinde zurück. Sein Fazit, wie auch schon im vergangenen Jahr: „Es bleibt schwierig.“ Sanierungsstau, Haushalt, Liquidität. All das bleibe ein wichtiges Thema.

Doch in seiner Zeit als Bürgermeister habe sich viel getan: So seien etwa die Gewerbesteuereinnahmen von 170.000 Euro im Jahr 2013 auf rund 700.000 Euro gestiegen. Auch die Einnahmen aus der Einkommensteuer seien um etwa die Hälfte auf 1,5 Millionen Euro gestiegen. Zudem wurde ein interkommunaler Bauhof geschaffen und es gebe wieder mehr Neubauten im Innenort. Stolz ist Müller auch auf den Kindergarten und die Krippe. „Damals war die Frage, ob das nicht zu groß ist. Heute denken wir über einen Erweiterungsbau nach.“

Für seinen Nachfolger – aktuell sind Thomas Reicherzer (SPD/UB) und Paul Seitz (CSU) die einzigen Kandidaten – hat Müller schon die ersten Aufgaben: Die Arbeit der vergangenen Jahre, so der Bürgermeister, müsse weitergeführt werden.

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