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Wittislingen

23.03.2020

Was Thomas Reicherzer mit Wittislingen jetzt vorhat

Das Foto kennen viele aus dem Wahlkampf: Mit 24 Jahren ist Thomas Reicherzer vielleicht der jüngste Bürgermeister Deutschlands. „Es ist ein schöner Nebeneffekt und etwas Besonderes. Aber mein Ziel war es nicht“, sagt er dazu. Für Wittislingen hat er schon einige Ideen.
Bild: Luis Baumgartner

Plus Auf sein neues Amt als Bürgermeister bereitet sich Thomas Reicherzer in gewisser Weise schon seit Jahren vor. Der 24-Jährige über seine weiteren politischen Ambitionen und darüber, ob er wirklich der jüngste Bürgermeister Deutschlands ist.

In Thomas Reicherzers Leben ist wieder etwas Ruhe eingekehrt. Noch vor wenigen Tagen sah das ganz anders aus. Nach der Bürgermeisterwahl am Sonntag in Wittislingen stand das Ergebnis schon fest, Reicherzer gewann mit 13 Stimmen Vorsprung. Doch dann wurde noch einmal ausgezählt. Beide Kandidaten mussten noch einmal bangen. „So wirklich gefreut habe ich mich dann erst am Dienstag, als ich den Anruf bekommen habe“, erzählt er.

Die Bürgermeisterwahl wurde in kleinem Rahmen gefeiert

Der Typ für große Feiern sei er nicht, deshalb wurde die Wahl nur in kleinerem Rahmen mit Freunden und Familie gefeiert. Nach einigen Tagen der Erholung vom Wahlkampf geht es für den 24-Jährigen aber bald wieder an die Vorbereitungen für sein neues Amt: „Ich werde noch einige Gespräche mit anderen Bürgermeistern und den Bürgern von Wittislingen führen.“ Außerdem habe er sich dem Netzwerk junger Bürgermeister angeschlossen, einer Plattform, über die sich mehr als 300 Rathauschefs unter 40 aus ganz Deutschland austauschen. Um sich gut auf den neuen Job vorzubereiten, wolle er „alles tun, was ich als Außenstehender machen kann“.

Dass Reicherzer einmal Bürgermeister werden wolle, das stand schon lange fest. Mit 16 Jahren trat er in die SPD ein, besuchte Sitzungen seines Ortsverbands in Gundelfingen, war bei den Jusos aktiv. „Am meisten hat mich immer die Kommunalpolitik interessiert“, erzählt er. Schließlich habe er sogar seinen Studiengang nach seinem Wunsch, einmal Bürgermeister werden zu wollen, ausgerichtet. Er studierte Politik- und Verwaltungswissenschaften in Konstanz. „Ich wollte immer in die Kommunalpolitik, entweder als Bürgermeister oder als Mitarbeiter in der Verwaltung.“ Das Studium, so hofft er, hat ihn schon ein Stück weit auf seinen neuen Posten vorbereitet: „Man bekommt ein gutes Gespür für die Verwaltung, deren Abläufe und die Eigenheiten, die sie verglichen mit normalen Unternehmen hat.“

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Thomas Reicherzer ist vielleicht der jüngste Bürgermeister Deutschlands

Mit 24 Jahren darf sich Reicherzer zu den jüngsten Bürgermeistern in ganz Deutschland zählen, vielleicht ist er sogar der jüngste. Eine Auflistung gibt es diesbezüglich nicht, auch nicht beim Deutschen Städtetag. Darauf angesprochen sagt Reicherzer selbst lachend: „Beim Netzwerk junger Bürgermeister kennen sie zumindest keinen jüngeren.“ Wichtig sei ihm das aber nicht. „Es ist ein schöner Nebeneffekt und etwas Besonderes. Aber mein Ziel war es nicht.“

Für seine Amtszeit hat sich Reicherzer ein wesentliches Ziel gesteckt: „Wittislingen ist lebenswert, hat aktive Vereine und einige Geschäfte. Das soll so bleiben.“ Darin allein sieht er eine schwierige Aufgabe. „Es gibt viele ähnlich große Orte, die all das nicht mehr haben.“ Außerdem wolle er „Wege finden, wie man die Zufriedenheit der Bürger steigern kann, ohne zu viel Geld auszugeben“. Grobe Ideen habe er schon, die müssten jetzt aber noch perfektioniert werden. Unter anderem will der neue Rathauschef, der übrigens mit Beginn seiner Amtszeit nach Wittislingen ziehen wird, mehr Bürgerbeteiligung ermöglichen, etwa durch ein „Bürgerbudget“. Das hatte er bereits im Wahlkampf thematisiert. Im Haushalt soll dafür ein fester Geldbetrag zur Verfügung gestellt werden, die Bürger können dann Vorschläge einbringen, was mit diesem Geld getan werden sollte. „Am Ende entscheidet dann nicht der Gemeinderat, welches Projekt umgesetzt wird, sondern die Bürger entscheiden. Entweder durch eine Abstimmung oder durch einen zufällig zusammengestellten Bürgerrat“, erklärt Reicherzer. Das Konzept gibt es schon länger, als Wiege dieser Idee gilt die brasilianische Großstadt Porto Alegre. Reicherzer will das auch in Wittislingen verwirklichen. „Es kann aber sein, dass das noch auf sich warten lassen wird, angesichts der Haushaltslage“, erklärt er. Die wolle er ebenfalls verbessern, unter anderem durch Gewerbeansiedlungen. „Das will wahrscheinlich jeder Bürgermeister für seine Kommune.“

Ewig will er nicht in Wittislingen bleiben

So jung schon solchen politischen Erfolg zu haben, das kann man als außergewöhnlich bezeichnen. Doch welche Ambitionen hat Reicherzer abseits des Bürgermeisterstuhls? „Für mich ist der Erfolg in Wittislingen schon ziemlich viel“, sagt er. Ewig wolle er aber nicht Bürgermeister der Egaugemeinde bleiben, das kündigt er bereits an. „Ich halte nichts davon, ein Leben lang auf derselben Position zu bleiben. Das ist weder für die Gemeinde, noch für den Bürgermeister gut.“ Fest stehe aber schon jetzt: „Wenn es gewünscht ist, werde ich auf jeden Fall ein zweites Mal für Wittislingen kandidieren.“

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