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Blindheim/Gremheim

03.09.2019

Was Ungarn mit Blindheim und Gremheim verbinden

In Gremheim wurde ein Denkmal für die Familien, die im 18. Jahrhundert nach Ungarn ausgewandert sind aufgestellt. Auf dem Bild sind von links: Jürgen Frank, Karl Malz, Josef Schulz, Reinhold Schilling und Erna Sing.
Bild: Cecilia Weber

„Es ist, als würde ich in die selben Gesichter schauen. Wir sind aus einem Blut“, sagt ein Bürgermeistesr aus Ungarn in Gremheim.

„Es ist, als würde ich in die selben Gesichter schauen. Wir sind aus einem Blut“, sagt Bürgermeister Josef Schulz aus Ujhartyan. Er ist sichtlich berührt von dem Festakt, den die Gremheimer für die Enthüllung des Denkmales organisiert haben. „Heute wohnen wohl mehr Leute mit dem Namen Kaltenegger in Ungarn, als in Gremheim, Blindheim und Tapfheim selbst“, sagt Schulz.

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Die Tafeln erinnern an eine Auswanderungswelle

Nachdem die Gemeinde Ujhartyan durch Ahnenforschung herausfand, dass viele ihrer Bürger aus Bayerisch-Schwaben stammen, hat sie sich mit den drei Gemeinden in Verbindung gesetzt. „Wir haben nach mehr als 300 Jahren wieder zusammengefunden“, erklärt Schulz. Aus diesem Grund wollten die Ungarn Tafeln in den drei Gemeinden aufstellen, um an die damalige Auswanderungswelle zu erinnern. „Wir hatten damit kein Problem die Tafeln aufzustellen und haben uns gefreut“, sagt der Tapfheimer Bürgermeister Karl Malz, der in Kontakt mit der ungarischen Gemeinde stand und die Gedenkfeiern organisierte.

Als Gremheim unbewohnbar war

Am Donauufer im Gremheim fand die erste Feier am vergangenen Samstag statt. Der Schwenninger Musikverein eröffnete den Festakt mit Märschen, die bei den Ungarn für Begeisterung sorgten. Bürgermeister Schilling freute sich über den ungarischen Besuch in seiner Gemeinde und erinnerte an die damalige Situation: „Es waren schwierige Zeiten, die einst vorherrschten.“ Im 18. Jahrhundert wurde Gremheim im Krieg zerstört und damit unbewohnbar gemacht. Laut Schilling sind mindestens 40 Gremheimer nach Ungarn ausgewandert.

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Ein historischer Ort: an der Donau bei Gremheim

Dort wurden ihnen bessere Lebensumstände und Sicherheit versprochen. Deshalb sind zahlreiche Auswanderer mit dem Schiff nach Ungarn geflohen, um sich ein neues Leben aufzubauen. „Es ist wohl ein historischer Ort, wo wir heute stehen“, erklärte Schilling. Der Schwenninger Bürgermeister vermutete, dass dort die Flüchtlinge in Boote eingestiegen sind, um nach Ungarn zu kommen. „Heute wollen wir daran erinnern“, sagt Schilling. Gemeinsam mit dem Bürgermeister aus Ujhartyan enthüllte er das Denkmal. Umrahmt wurde die Enthüllung von einem ungarischen Ensemble mit dem Volkslied „Schifflein, schaukel der Heimat zu.“

Auch Blindheim und Ungarn haben eine gemeinsame Geschichte

Ein ungarischer Künstler hat die Denkmäler für Gremheim, Blindheim und Tapfheim angefertigt. Die Tafel zeigt eine Auswandererfamilie, die vor der Kirche in Ujhartyan steht. Darunter steht: „Eine schwäbische Kleinstadt in Ungarn.“ Dass Ujhartyan mit der schwäbischen Tradition verbunden ist, hat der Tapfheimer Bürgermeister auch festgestellt. „Wenn Sie das wahre Schwaben sehen wollen, dann müssen sie nach Ungarn fahren“, sagt Malz. Jürgen Frank ist erstaunt, wie wichtig die Tradition in diesem Land ist. „Es ist eine tolle Sache, diese Denkmäler aufzustellen. Da macht Blindheim gerne mit“, sagt Frank. „Wir haben schließlich eine gemeinsame Geschichte“, erklärt der Blindheimer Bürgermeister. Sein Festakt fand im Anschluss auf dem Dorfplatz statt.

Auch die Vorfahren von Martin Surman-Majeczki sind nach Ungarn ausgewandert. „Ich habe viele Vorfahren, die von hier kommen“, sagt er. Vor sechs Jahren ist er zum ersten Mal nach Deutschland gekommen, um seinen Stammbaum zurückzuverfolgen. Jetzt ist er als Vorstandsmitglied des Vereins Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher bei der Enthüllung der drei Denkmäler mit dabei. „Es ist schön, hier Gast zu sein“, sagt Surman-Majeczki.

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