Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Was der Bezirkstagspräsident in Lauingen lobt

Lauingen

28.01.2019

Was der Bezirkstagspräsident in Lauingen lobt

Die soziale und kulturelle Entwicklung Schwabens stand im Mittelpunkt der Rede des neuen Präsidenten des Bezirkstags Schwaben, Martin Sailer (CSU), beim Neujahrsempfang der schwäbischen FDP in Lauingen. Von links: Martin Sailer, MdB Stephan Thomae, Vorsitzender der schwäbischen FDP, Miriam Gruß, Gundelfingens Bürgermeisterin (im Hintergrund: Alfred Schneid, stellvertretender Landrat), Walter Lohner, Ehrenvorsitzender der FDP Gundelfingen.
Bild: Hans Gusbeth

Die schwäbische FDP empfängt einen politischen Gegner im Kannenkeller. Der wird direkt nochmal eingeladen.

Neujahrsempfänge von Parteien dienen nicht selten der Selbstbeweihräucherung. Man lobt die eigene Parteiarbeit, schließt die eigenen Reihen und lässt einen Redner der eigenen Partei die Versammlung auf die möglichst glorreiche Zukunft einschwören. Doch auch bei den schwäbischen Liberalen weiß man, dass zu viel Weihrauch jeden Heiligen schwärzen kann. Vielleicht hatten Bezirksvorsitzender Stephan Thomae (Kempten) und Kreisvorsitzender Alois Jäger (Lauingen) deshalb keinen Parteifreund, sondern einen politischen Gegner für die Neujahrsansprache 2019 gewonnen: Martin Sailer, CSU. Der ist seit zehn Jahren Landrat von Augsburg und seit dem 8. November 2018 neuer Präsident des Schwäbischen Bezirkstags. Damit sprach „erstmals ein echter Bezirkstagspräsident“ (Thomae) bei den Liberalen.

Der Christsoziale bezieht auch liberale Positionen

Im Kannenkeller in Lauingen bezog der Christsoziale am Freitagabend durchaus auch liberale Positionen, für die er immer wieder Applaus erhielt. Besonders lang anhaltenden etwa bei Themen wie Europa und AfD: „In den neuen Bezirkstag ist mit der AfD eine Partei eingezogen, die wir uns nicht gewünscht hatten.“ Und: „Für mich ist es undenkbar, dass es wieder Parteien gibt, die Europa ablehnen.“ Ins gleiche Horn hatte bei der Begrüßung schon MdB Stephan Thomae gestoßen. Die bevorstehenden Europawahlen am 26. Mai bezeichnete der schwäbische FDP-Bezirksvorsitzende als „Richtungswahlen“. So forderte er „ein klares Bekenntnis zu Europa“ gerade, weil die EU gegenwärtig stark unter Druck stehe. Thomae stellte in Lauingen auch die FDP-Spitzenkandidatin für die Europawahl Heike Schalk aus Memmingen vor.

Der Gast will Akzente setzen. Vor allem ein Thema liegt ihm am Herzen

Im Mittelpunkt von Martin Sailers Neujahrsansprache stand die soziale und kulturelle Entwicklung in Schwaben. Als Bezirkstagspräsident wolle er Akzente setzen, wobei ihm insbesondere das Thema Pflege am Herzen liege. Sailer verwies unter anderem auf die Lauinger Elisabethenstiftung, die „mit 350 Plätzen eine herausragende Bedeutung für den Bezirk Schwaben“ habe und für diesen „einer der wichtigsten Partner“ sei. Mit seinem rund 860 Millionen Euro Haushalt ist der Bezirk Schwaben ein Finanzriese. Rund 95 Prozent dieses Haushalts, „der über eine Milliarde Euro steigen wird“, gehen in den sozialen Bereich und die Gesundheitspflege. „Doch wo nimmt man den Bezirk wahr, wenn man nicht gerade aus Lauingen kommt?“ Seine rhetorische Frage verband Schwabens oberster Kommunalpolitiker mit dem Bedauern, dass die politische und besonders die soziale Arbeit des Bezirks „in der öffentlichen Wahrnehmung doch etwas klein bleibt“. Dies wolle er ändern. Neben dem überragenden Thema Soziales seien aber auch Kunst und Kultur, Heimat, Umwelt und europäische Partnerschaften wichtige Tätigkeitsfelder, denen er sich in den kommenden fünf Jahren mit neuen Akzenten verstärkt widmen wolle.

Eine bayernweit einzigarte Koalition

Für neue Akzente scheint der „Mann der leisen Töne“ (Bezirksrat Alois Jäger über Martin Sailer) immer gut. Denn als frisch gewählter Präsident des Schwäbischen Bezirkstages ist Sailer dort eine bemerkenswerte Koalition eingegangen. Nein, nicht mit der schwäbischen FDP, sondern – einzigartig in Bayern – mit den schwäbischen Grünen. Die wurden mit sechs Sitzen zweitstärkste Kraft, und mit den 13 der CSU reicht das bei insgesamt 36 Sitzen im Bezirkstag immer für eine sichere Mehrheit. Das hindert Sailer an diesem Abend allerdings nicht, die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den beiden schwäbischen FDP-Bezirksräten in den höchsten Tönen zu loben. Daniela Busse (Kempten) und Alois Jäger waren in den Bezirkstag eingezogen, obwohl die FDP unter der Fünf-Prozent-Hürde geblieben war. Die gilt aber bei Bezirkstagwahlen nicht.

Die Streicheleinheiten des Präsidenten für die liberalen Mandatsträger sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Christsoziale ein Menschen- und Stimmenfänger ist. Zwar konnten die Liberalen bei der Bayernwahl im Oktober der CSU ihres Gastredners 40000 Stimmen abluchsen. Doch Martin Sailer holte in Schwaben mit 127370 über zehnmal mehr Wählerstimmen als etwa Alois Jäger. Der Lauinger FDP-Bezirksrat nutzt dennoch die Gunst der Stunde. Schon hat er den Bezirkstagspräsidenten Sailer für einen weiteren Termin in Lauingen gewonnen: Die Lauinger Messe, Ende April veranstaltet von der Lauinger Wirtschaftsinitiative. Deren Vorsitzender heißt nicht zufällig Alois Jäger.

Lesen Sie dazu auch:

Kreis Dillingen: Der Landkreis hat jetzt drei Bezirksräte

Museum Oberschönenfeld zeigt das Beste aus 250 Ausstellungen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren