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Altenbaindt

10.01.2019

Was geschah in Altenbaindt nach 1935?

Ein Ergänzungsbüchlein zur Ortschronik des ehemaligen Pfarrers von Altenbaindt, Franz Seraph Sailer, verfasste Alfred Geißler aus Burgau. 

Alfred Geißler fasst die Ortsgeschichte seit Beginn des Zweiten Weltkriegs zusammen  - mit vielen interessanten Details.

Fast 85 Jahre ist es her, dass Pfarrer Franz Seraph Sailer, der letzte ordinierte Geistliche auf der Pfarrstelle Altenbaindt, eine Ortschronik verfasste. Er war von 1900 bis zu seinem Tode am 17. August 1960 der Ortsgeistliche in dem kleinen Pfarrdorf mit seiner wechselvollen Herrschaftsgeschichte, das etwa zwei Kilometer südwestlich von Holzheim liegt. Pfarrer Sailer, der sich aufgrund eines Augenleidens sechs Jahrzehnte lang nie um eine Versetzung beworben hatte, erforschte die Geschichte „seines“ Dorfes von der Frühgeschichte bis in die Neuzeit und hielt seine Erkenntnisse unter Mithilfe des damaligen Lehrers Max Schurrer und der Pfarrhaushälterin Ottilie Kuhn Mitte der Dreißigerjahre des vergangenen Jahrhunderts in einer 141 DIN A4-Seiten umfassenden Ortschronik fest. Wie so häufig waren es auch hier der Ortsgeistliche und der Lehrer, die sich um die Bewahrung der Geschichte und der Kultur der Heimat einsetzten.

In den Heimatblättern der Schwäbischen Donauzeitung im Mai 1933 veröffentlichte Pfarrer Franz Sailer eine Zusammenfassung seiner Ortsgeschichte von Altenbaindt, um diese auch einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen. In seine Fußstapfen trat nun mit Alfred Geißler ein gebürtiger Altenbaindter, der die Ortschronik in einem 20 DIN A4-Seiten umfassenden Heft fortschrieb.

1939 geboren, erlebte er die letzten Jahre des Dritten Reiches und das Kriegsende als Kind mit. Schon damals interessierte er sich sehr für die Geschichte seines Heimatortes, obwohl ihn sein berufliches Wirken als Pädagoge, unter anderem 20 Jahre lang als Direktor der dortigen Realschule, nach Burgau führte. „Ich habe mich bemüßigt gefühlt, die Chronik von Pfarrer Sailer zu ergänzen, die um das Jahr 1935 endete“, begründet Alfred Geißler seine Motivation, die „Ergänzungen zur Ortschronik Altenbaindt“ schriftlich niederzulegen und in einer kleinen Auflage zu veröffentlichen.

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Geprägt hätten ihn, wie er erzählt, die Erlebnisse als Kind, wo er den Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 miterlebte und sich noch gut an die flämische Einheit erinnern kann, die kurz vor dem Einmarsch in Altenbaindt einquartiert war.

Nicht nur die eigenen Erlebnisse hat Geißler verarbeitet

Er hörte, wie viele andere Landkreisbürger, am 22. April 1945 die Detonation, als die Lauinger Donaubrücke gesprengt wurde, und sah – tief beeindruckt – mit dem Fernglas des Onkels zu, wie die ersten Amerikaner die Donaubrücke in Dillingen überquerten und nach Süden vorstießen.

Alfred Geißler war es jedoch nicht nur ein Anliegen, die eigenen Erlebnisse festzuhalten. Er, dessen Vater als Gegner der Nationalsozialisten von den Amerikanern im September 1945 zum Bürgermeister von Altenbaindt eingesetzt wurde und der dieses Amt dann 20 Jahre lang ausübte, war bemüht, in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Zeitzeugenberichten zu sammeln und zu dokumentieren.

Klara Geyer, Josef Ehnle, Hans Kaltenstadler, Annemarie Faul und Cornelia Mader gaben bereitwillig Auskunft. Ergänzende Hinweise für seine Chronikfortführung fand Alfred Geißler beim Dillinger Stadtheimatpfleger Karl Baumann, im Schulamt Dillingen und in der Aschbergschule Weisingen sowie im Archiv der Gemeinde Holzheim, zu welcher Altenbaindt seit 1978 gehört. So entstand eine Zusammenfassung der letzten Jahre des Dritten Reiches und der Nachkriegsgeschichte, die Themenbereiche wie die Integration der Heimatvertriebenen, die Währungsreform und die Zeit des Wirtschaftswunders, Kirche, Schule und Wasserversorgung und nicht zuletzt die Eingliederung des Ortes 1970 nach Weisingen und schließlich 1978 in die Einheitsgemeinde Holzheim umfasst.

Auch an Relikte aus längt vergangenen Zeiten wird erinnert

Und nicht zuletzt trägt die Chronik von Alfred Geißler auch dazu bei, dass man sich noch an Relikte aus vermeintlich längst vergangenen Zeiten erinnert. Dazu zählt die Kirchenwache mit dem Kirchenspieß ebenso wie der Dorfschäfer, die kirchlichen Pflichten wie etwa der Sonntagsunterricht, das Schlagen von Natureis im Winter oder das „Vergemeinden“, also das mündliche Bekanntmachen von kommunalen Neuigkeiten nach dem Sonntagsgottesdienst, durch den Ersten Bürgermeister. So erfuhr das gebundene Original der Ortschronik, das einst Pfarrer Josef Schneider – der die Pfarrei Altenbaindt nach Pfarrer Sailer als Vikarie von Weisingen aus betreute – an Alfred Geißler übergeben hatte, nun eine wertvolle Ergänzung, die durchaus als Vorbild auch für andere Orte gelten darf. Das rege Interesse an der Geschichte des Heimatortes zeigte sich auch bei zwei Vorträgen, die Alfred Geißler im vergangenen Herbst in Altenbaindt hielt.

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