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Renovierung

16.09.2016

Was hinter dem Gerüst der Dillinger Basilika passiert

Die Dillinger Basilika St. Peter wird seit einem guten Jahr saniert. Vermutlich sind die Arbeiten erst Ende 2017 abgeschlossen. Das Foto entstand im Juli. Nicht nur am Turm und an den Mauern muss gearbeitet werden, auch innen stehen Restaurationen an.
Bild: Jan Koenen/Stadt Dillingen

Vieles von der Arbeit ist nach der Freigabe gar nicht mehr zu sehen. Und was aktuell dort passiert, sieht man auch nicht so genau

Unter einem gewaltigen Gerüst ist die Dillinger Basilika St. Peter verborgen, seit Monaten schon. Darunter arbeiten zurzeit zehn bis zwölf Menschen, damit die kathedralartige Kirche möglichst bald saniert ist. Laut Architekt Jörg Rehm wird das Ende 2017 der Fall sein. „Da bin ich zuversichtlich“, sagt er. Der Zeitplan sei zwar sportlich, aber noch sei das Datum zu halten.

Im Moment werden zwei Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt, erklärt Rehm. Das Dachtragwerk wird ertüchtigt. Mit der Zeit sei das Dach zu schwer für die Kirche geworden: Ursprünglich habe hinter dem Bau der Basilika in den Jahren 1618 bis 1628 ein ausgeklügeltes statisches System gesteckt, Umbauarbeiten während des Barocks hätten dem allerdings geschadet. Das Gewölbe sei wie eine halbe Tonne konzipiert und übe auf die Außenwände horizontal Kräfte aus. Weil die Mauern dafür nicht ausgelegt waren, weitete sich das gewaltige Gebäude im Querschnitt wie ein „V“ und es drohte die Gefahr, dass das Gewölbe nach unten fällt. „Da bauen wir auch Spannanker ein, um die Kräfte aufzunehmen“, erklärt der 47-Jährige. Davon wird man nach der Sanierung kaum noch etwas sehen.

Parallel dazu wird der Kirchturm bearbeitet: Risse werden unterfüllt, verputzt und der Turmquerschnitt wird mit Ringen hinterspannt. Dazu werden in die Wände Kernbohrungen eingeführt. Dann wird ein Zugstab eingesetzt und gespannt, das sichere den Turm. Denn der war einst gar kein geschlossenes Viereck, erklärt der Architekt. „Der Turm war im Mittelalter wie ein „U“ ausgeführt und gehörte zur Stadtbefestigung. Die vierte Wand, die im Norden, wurde später gemauert.“ Als dann die Kirche entstand, wurde dem ohnehin nicht so perfekten Turm im 17. Jahrhundert noch ein Achteck obendrauf gesetzt. Die Arbeiten dauern, denn teils seien Natur-, teils Kalksteine im Turm verbaut worden. „Und Kalksteine sind schwer zu bohren.“ Nur für die besonderen Bohrungen ist eine Spezialfirma aus Franken im Einsatz, alles andere würden regionale Firmen erledigen.

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Seit 2013 hatte sich ein Gutachter mit den Planungen zur Sanierung der Dillinger Basilika beschäftigt. Ein Jahr später wurden teils die Glocken nicht mehr geläutet, wegen der Mängel im Turm. Vor Überraschungen sei man sich trotz der Vorplanungen nicht sicher, erzählt der Architekt. „Da fasst man ein Stück Holz am Dach an, und dann ist das verfault. Das merkt man erst jetzt.“ Mit der Notsicherung begannen im Sommer vergangenen Jahres dann die Arbeiten. Seitdem ist die Kirche geschlossen.

Bislang bewege man sich im Kostenrahmen. Nur die Finanzierung für den dritten Teil stehe noch nicht, sagt Rehm. Denn sind diese Arbeiten erledigt, geht es innen weiter. Putz, Stuck und Malereien müssen saniert werden. Vorher kann der Architekt die Kirche nicht freigeben. „Es könnte ja etwas herunterfallen.“ Im Moment nicht besonders tief: Die Kirche ist auch innen eingerüstet. Die Kirchenbänke sind mit einer Schutzhülle überzogen, auch die Sandtner-Orgel wurde eingehaust, Gemälde wurden in Sicherheit gebracht. „All diese Schutzmaßnahmen sieht man hinterher auch nicht, aber sie sind sehr aufwendig und teuer.“ Damit Stuck und Bilder wieder strahlen können, kommt zum Schluss noch ein großes Raumgerüst in die Kirche. Dann können die Restauratoren auf dem Rücken liegend an der Decke arbeiten. Manche Teile müssen laut Rehm richtiggehend an das Gewölbe angeklebt werden. „Der Umfang dieser Arbeiten wurde uns auch erst bewusst, als das Gerüst drinnen stand.“

Im besten Fall sieht also nach der Sanierung alles auf den ersten Blick so aus wie vorher? Das sei der Grundgedanke der Denkmalpflege: „Wenn man nicht viel sieht, hat man es gut gemacht. Man wird die Kirche beobachten, wie sich alles zurechtrüttelt. Aber dann steht sie mit Sicherheit mindestens 400 Jahre.“

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