1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Was tun, wenn ein Hund einen anderen angreift?

Bergheim

13.09.2019

Was tun, wenn ein Hund einen anderen angreift?

Lärm kann kämpfende Hunde ablenken – das hilft eher, als mit den Händen einzugreifen.
Bild: Nicolas Armer, dpa (Symbol)

Im Mödinger Ortsteil Bergheim ist ein Mann gebissen worden, als er seinen Hund vor anderen Hunden schützen wollte. Was man in so einer Situation tun kann.

Am Wochenende gab es im Mödinger Ortsteil Bergheim einen Vorfall, bei dem ein Mann von einem Hund gebissen wurde. Sein eigener Hund war von zwei Vierbeinern angegriffen worden. Der 56-Jährige hatte sein Haustier hochgehoben, um es zu schützen. Daraufhin waren die Hunde an ihm hochgesprungen, einer verbiss sich in seinem Bein. So schilderte es die Polizei.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Die Hunde besser ablenken, statt selbst einzugreifen

Den eigenen Hund hochzuheben, erklärt Jürgen Urban, Vorsitzender der Dillinger Hundeschule Kalte Schnauze, sei eine schlechte Entscheidung. „Dann ist man selber mit im Boot“, sagt er. Dazwischen zu gehen und mit den Händen einzugreifen könne die Situation weiter hochschaukeln. Er könne aber natürlich nachvollziehen, dass ein Hundehalter so handelt. „Klar, man will sein Tierchen schützen“, sagt er. Doch es gebe bessere Wege. „Es bleibt kaum etwas anderes, als sich selbst sehr laut bemerkbar zu machen.“ Also zu schreien, oder mit einem Gegenstand Lärm zu erzeugen. Die Hunde sollen auf den Krach reagieren. Mit so einem Ablenkungsmanöver habe man die beste Chance, die Situation zu beruhigen.

Den Hund nicht leichtfertig ohne Leine laufen lassen

Urban schränkt ein, dass jemand, der schon einmal in so einer Lage war, das anders erlebt haben könnte. Was getan werden kann, sei sehr von der Situation abhängig. Und von dem Fall in Bergheim wisse er zu wenig, um diesen beurteilen zu können. Er sagt auch, wenn der eigene Hund etwa einen Menschen angreifen würde, „dann würde ich da auch reinlangen und einen Biss in Kauf nehmen“.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Generell ist Urban wichtig zu betonen: „Ich kann einen Hund, den ich nicht mindestens zu 99 Prozent im Griff habe, nicht frei laufen lassen.“ Er wisse, dass sein Hund zu 99 Prozent pariert – doch es gebe Momente, wo auch er ihn vorsichtshalber anleine, um erst gar nicht in eine Problemsituation zu kommen. Am Ende handle es sich noch immer um ein Tier.

Was nun auf die Hundehalterin und den Hund zukommt

Auch Claus Bock, stellvertretender Leiter der Polizeihundestaffel der Polizei Schwaben-Nord, die auch für den Landkreis zuständig ist, warnt, unbedacht dazwischen zu gehen. „Auch der eigene Hund kann einen beißen, wenn er in Panik ist.“ Wenn man eingreife, dann solle man von hinten an den eigenen Hund herangehen, nicht zwischen die Tiere.

In der Polizeimeldung hieß es, dass gegen die Halterin der Bergheimer Hunde – die ihre Tiere letztendlich von dem angegriffenen Mann wegziehen konnte – nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt wird. Außerdem wird die Hundehaltung überprüft. In so einem Fall wird ein Hundeführer der Polizei eingeschaltet. Bock erklärt, bei der Prüfung würde erst einmal die Haltungssituation angesehen. Da gehe es etwa darum, ob die Haltung zu einer Verhaltensstörung führt – wie es etwa bei einem Hofhund an einer Kette der Fall wäre. Man sehe sich aber auch an, wie viele Tiere gehalten werden, ob Kinder im Haus sind und wie die Bedingungen insgesamt aussehen. Die Gemeinden, die ordinär zuständig sind, sind bei solchen Überprüfungen inzwischen oft, aber nicht zwingendermaßen, mit einem Vertreter dabei. Dann gibt es noch die eigentliche Überprüfung des Hundes, der sogenannte Wesenstest. Eine Gemeinde kann diesen bei einem gravierenden Vorfall vorschreiben. Diese eine Prüfung kann durch die Polizei erfolgen oder durch einen Gutachter. Es geht darum, ob von dem Tier eine Gefahr ausgeht.

Jürgen Urban betont, dass eine Gehorsamsschule für alle Hundebesitzer empfehlenswert sei – in seinem Hundeschulenverein oder auch anderswo. Zu viele Hundehalter seien der Meinung, sie kämen auch ohne Training klar. „Das bloße Vertrauen ist zu wenig“, sagt er.

Die ursprüngliche Polizeimeldung zum Vorfall im Mödinger Ortsteil finden Sie hier: Hund beißt in Bergheim Mann

In Syrgenstein stehen am Wochenende Hunde aus ganz anderen Gründen im Fokus: Wer ist der schönste Neufundländer?

Ein Leser hat sich kürzlich mit einer Frage an die Redaktion gewandt: Was tun, wenn der Nachbarshund den ganzen Tag bellt?

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren