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Dillingen

11.10.2019

Was wir von Michelangelo lernen können

Michelangelos römische Pietà, häufig auch als vatikanische Pietà bezeichnet, ist eine der bekanntesten Darstellungen dieses in der abendländischen Kunst sehr beliebten Sujets. Die Marmorstatue ist in den Jahren 1498 bis 1499, nach anderen Quellen bis 1500, in Rom entstanden

Dillingens Basilikamesner Klaus Probst über die Kunst von Michelangelo und was uns der Künstler heute noch vermitteln kann.

Liebe Leserinnen und Leser, als Michelangelo wieder einmal für eines seiner Kunstwerke gelobt wurde, sagte er nur kurz und trocken: „Wieso, ich habe doch nur von einem Stein das weggeschlagen, was zu viel war.“ Aber genau darin besteht die Kunst, die Michelangelo perfekt beherrscht hat. Nur, weil er weder zu viel noch zu wenig vom Stein weggeschlagen hat, sind seine Kunstwerke vielfach bewundert.

Ist das nicht auch eine Herausforderung für uns? Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig wegzulassen in unserem Leben?

Klaus Probst

Zu viel weglassen könnte bedeuten, dass man uns vorwirft, wir wären faul und würden nicht genug tun, zu wenig wegzulassen, zehrt womöglich an unseren Kräften. In einem gleichen Spannungsfeld standen vor 2000 Jahren die Schwestern Martha und Maria. Die eine tut viel, vielleicht zu viel, die andere anscheinend nichts.

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Es geht nicht darum, wer mehr oder weniger arbeitet

Jesus zeigt uns einen anderen Blickwinkel: Es geht nicht darum, wer mehr und wer weniger arbeitet. Es geht darum, zu spüren, was gerade „dran“ ist. Da ist im Moment wirklich ein gutes Wort, ein Zuhören besser, als jemandem das beste Essen zu servieren. Manchmal ist es vielleicht aber auch gut, zu schweigen, wo wir etwas zu sagen hätten und das Recht auf unserer Seite wäre, weil Worte jemand verletzen könnten. Spüren wir das noch? Oder macht uns die Betriebsamkeit des Alltags dafür stumpf? Kleine Auszeiten, die sich auch Jesus immer wieder gegönnt hat, könnten helfen.

Wenn sich aus dem Nachdenken ein Gebet oder ein gutes Wort ergibt

Vielleicht schaffen wir es ja in der nächsten Woche, einmal einige Minuten nachzudenken, wo wir zu viel und wo wir zu wenig tun und sagen. Schön, wenn sich aus diesem Nachdenken ein Gebet für den Frieden in der Welt ergibt oder ein gutes Wort für Menschen, denen es nicht so gut geht, oder ein Telefonat mit einem Freund, der schon länger gesagt hat: „Melde dich mal wieder.“ Wenn wir unserer Leben mit einem Kunstwerk von Michelangelo vergleichen würden: Wäre es auch so schön und wohlgeformt? Schlagen wir zu viel oder zu wenig ab?

Gott hat mit uns Wertvolles und Schönes vor

Um hier die richtige Balance zu finden, brauchen wir immer wieder Zeiten der Ruhe und die Rückbindung an Gott. Denn ich bin sicher: Gott hat mit uns Wertvolles und Schönes vor; so schön, dass kein Kunstwerk von Michelangelo mithalten kann. Nur: von alleine geht es nicht, wir müssen immer wieder selber daran arbeiten, an diesem „Kunstwerk“ Leben. Ich wünsche Ihnen, dass dies mit Gottes Hilfe gut gelingen mag!

Ihr Klaus Probst, Basilikamesner in Dillingen

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