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10.12.2018

Was wird aus dem alten Hof?

Den Flächenfraß stoppen und Althofstellen neu beleben ist das Ziel von BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer, BBV-Steuerberater Erich Gugel, Kreisobmann Klaus Beyrer, Wittislingens Bürgermeister Ulrich Müller und Markus Beuer vom ALE Krumbach (von rechts). „Wenn die Kinder sich erst einmal anderswo Wohnraum gesucht haben, kommen sie meist nicht mehr zurück.“
Bild: BBV

Das Potenzial an aufgelösten Hofstellen ist groß. Bei einer Veranstaltung des BBV in Wittislingen wird aber auch klar: Das Thema ist sehr persönlich und emotional

Halbe Dörfer stehen leer, während weiterhin hemmungslos Fläche um Fläche für immer neue Siedlungen verbraucht wird. Derweil kümmern innerorts viele leer stehende landwirtschaftliche Gebäude ungenutzt vor sich hin. Nicht mehr aktiv bewirtschaftete Althofstellen aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken und die Ortskerne attraktiver zu machen, ist ein Ziel, das nicht nur die Ländliche Entwicklung, sondern auch der Dillinger Bauernverband und die Gemeinde Wittislingen verfolgen wollen. Bürgermeister Ulrich Müller freute sich über das große Interesse der Bevölkerung an diesem Thema und begrüßte rund 80 Teilnehmer zu einer Info-Veranstaltung mit einem Goethe-Zitat: „Denke nicht in Problemen, denke in Lösungen.“

Das Problem der leer stehenden Bausubstanz brennt vielen Gemeinden unter den Nägeln, sagte Kreisobmann Klaus Beyrer. Einerseits wollten sie Wohngebiete am Ortsrand ausweisen, andererseits sei es immer schwieriger, an die notwendigen Flächen zu gelangen. Den Bauernverband treibt der massive Flächenverlust durch Wohnungsbau, Infrastruktur oder den Straßenbau um, der sich allein in Bayern in den vergangenen 20 Jahren auf 230000 Hektar belief. Deshalb, so Beyrer, müsse sich die Gesellschaft grundsätzlich Gedanken machen, wie sie künftig mit den bäuerlichen Flächen umgehen will. Ein Ausweg aus dem Flächenfraß ist die Innenverdichtung. „Das Potenzial an aufgelösten Hofstellen in den Dörfern ist groß“, sagte der Kreisobmann.

Wenn ein Bauernhof nicht mehr aktiv bewirtschaftet wird, bedarf es Mut und Willen, um zeitnah individuelle Lösungsansätze für eine alternative Nutzung zu finden, sagte BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer. Das sei weitaus besser als einfach nur abzuwarten. „Wenn die Kinder sich erst einmal anderswo Wohnraum gesucht haben, kommen sie meist nicht mehr zurück.“ Bayer räumte ein, dass es Mut brauche, um ein altes Gebäude mangels nachhaltiger Nutzungsmöglichkeit abzureißen und dadurch einen unzumutbaren Erhaltungsaufwand zu vermeiden. In Einzelgesprächen und Beratungen lassen sich alternative Nutzungsformen wie das Schaffen von Wohnraum für die eigene Familie oder fremde Personen aufzeigen. „In der heutigen Zeit stellt ein solides Gebäude einen bleibenden Wert dar.“ Also lieber Geld vor Ort in die Hand nehmen und etwas Vernünftiges daraus machen, anstatt es in irgendwelche Fonds zu stecken.

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Den steuerlichen Aspekt bei der Verwertung von landwirtschaftlichen Hofstellen im Betriebsvermögen erläuterte Erich Gugel, Steuerberater beim BBV Beratungsdienst. Das Thema „Steuer“ sei zwar wichtig, aber es sollte nicht der Grund sein, aus dem sich die Eigentümer für oder gegen eine bestimmte Nutzung ihrer alten Hofstelle entscheiden.“ Am Anfang sollte die steuerliche Einzelberatung stehen, weil die Berechnung einer Betriebsaufgabe für jeden Betrieb individuell erstellt werden muss. Markus Beuer von der Abteilung Förderung am Amt für Ländliche Entwicklung in Krumbach wies auf Fördermöglichkeiten durch die Dorferneuerung hin.

Ob ein Betrieb den Förderrichtlinien entspreche, müsse einzeln beleuchtet werden. Eine ein- bis zweistündige Beratung durch einen Dorferneuerungsplaner sei kostenfrei. „Den Antrag auf eine Förderung müssen Sie jedoch stellen, bevor Sie nur einen einzigen Schritt unternehmen“, mahnte Beuer. Abschließend ermunterte BBV-Kreisgeschäftsführer Bayer die bäuerlichen Familien, Werte zu schaffen ohne dies auf die lange Bank zu schieben. „Je länger Sie warten, desto höher werden die Bodenrichtwerte und damit die Steuerbelastung.“ Die Flächenbeschaffung zur Wohn- und Gewerbenutzung werde immer schwieriger und auch nicht billiger. (pm)

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