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Landkreis Dillingen

11.10.2019

Was wird aus unserem Wald?

In den Landkreiswäldern werden für den Waldumbau zwischen die Fichtenbestände sowie Bestandslücken durch Windwurf, Borkenkäferbefall und Abholzung Mischbaumarten gepflanzt. Im Bild ein Privatwald bei Wittislingen, der zwischen den Fichten mit Buchen bestückt wurde.
Bild: Horst von Weitershausen

Plus Im Forst ändert sich einiges. Unterwegs in Wittislingen mit den beiden Experten Marc Koch und Johann Stuhlenmiller.

Fachleute fordern bereits seit rund 30 Jahren einen Waldumbau in Deutschland. Diese Ansicht vertreten auch Marc Koch, Bereichsleiter Forsten im AELF Wertingen und Johann Stuhlenmiller, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) für den Landkreis Dillingen. Doch was steckt dahinter? Das wird bei einem Rundgang durch einen Privatwald bei Wittislingen von den beiden erklärt.

Früher galt: da die Fichte, dort die Waldkiefer

Vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert seien viele Wälder in Deutschland übernutzt oder kahl geschlagen worden. Um eine drohende Holznot abzuwenden, seien auch in der Region Nordschwaben die besseren Böden mit guter Wasserversorgung vielfach mit den Nadelhölzern Fichte und die nährstoffärmeren und trockeneren Standorte mit der Waldkiefer wiederaufgeforstet worden.

Heute leiden Fichte und Waldkiefer an mehreren Faktoren

Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass die großflächigen und gleichaltrigen Nadelbaumreinbestände auch größere Probleme bereiten, etwa durch die Massenvermehrungen von Borkenkäfern. Hinzu kam laut den beiden Forstfachleuten das große Waldsterben Anfang der 1980er Jahre.

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An einer Bestandslücke durch Windwurf wurden verschiedene Arten von Laubbäumen gepflanzt. Links im Bild Marc Koch, rechts Johann Stuhlenmiller.
Bild: Horst von Weitershausen

Davon seien besonders die Nadelbäume betroffen gewesen. Und mit den großen Windwurfschäden durch die Orkane Vivian und Wiebke im Jahr 1990, Lothar im Dezember 1999 und Kyrill zum Jahresbeginn 2007 sei den Waldbesitzern klar gewesen, dass die Nadelbaumreinbestände vorsorglich Zug um Zug in artenreiche und stabile Mischwälder umgebaut werden müssen.

Auch angesichts des Klimawandels gewinne der Waldumbau weiter an Bedeutung, da die Baumarten Fichte und Waldkiefer nach den Worten von Koch und Stuhlenmiller mit den höheren Temperaturen und längeren Trockenperioden noch schadanfälliger werden.

Welcher Baum führt auf der Waldfläche?

Der Landkreis Dillingen verfügt mit 17644 Hektar über einen Waldanteil von 22 Prozent, in Bayern und Deutschland liegt der Waldanteil insgesamt bei über 36 Prozent. Dabei liegt der Laubbaumanteil im Landkreis jedoch bei über 60 Prozent. Dem gegenüber werde aber deutschland- und bayernweit der größte Flächenanteil am bestockten Holzboden von Fichten mit 26,0 Prozent, gefolgt von den Kiefern mit 22,9 Prozent, den Buchen mit 15,8 Prozent und den Eichen mit 10,6 Prozent eingenommen.

Der Nadelholzanteil im Kreis Dillingen sinkt

Wie der Waldumbau im Landkreis Dillingen vorgenommen wird, zeigt sich am Beispiel des besuchten Privatwaldes bei Wittislingen. Habe der Nadelholzanteil in diesem Waldgebiet im Jahr 1999 noch 93 Prozent und der Laubholzanteil sieben Prozent betragen, so Geschäftsführer Stuhlenmiller, verringerte sich der Nadelholzanteil seit der FBG-Zuständigkeit im Jahr 2005 bis zum Jahr 2018 auf 80 Prozent. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich durch Naturverjüngung und Pflanzung der Laubbaumanteil auf 20 Prozent.

Auch welches Nadelholz wird jetzt mehr wert gelegt?

Darüber hinaus werde bei der Nachpflanzung von Nadelholz immer mehr Wert auf Weißtanne, Douglasie, Kiefer und Eibe gelegt. Diese Arten seien im Gegensatz zur Fichte nicht so schadanfällig, berichten die beiden Forstfachleute Koch und Stuhlenmiller. Bei entstandenen Bestandslücken durch Windwurf, Borkenkäferbefall und Abholzung seien dann Mischbaumarten wie Lärche, Bergahorn, Rotbuche, Wildkirsche, Rot-, Stil- und Traubeneiche eingepflanzt worden. „Dennoch muss beim Waldumbau auch beachtet werden, dass es sich in der Regel um Wirtschaftswald handelt und die Nachhaltigkeit dafür gesichert werden muss“, betonen die beiden Forstfachmänner. Dabei sagen beide übereinstimmend, dass sie sich nicht von lauten Sprüchen irgendwelcher selbst ernannter Forstfachleute leiten lassen, sondern dort tätig werden, wo es notwendig ist.

Angewandter Klimaschutz

Des Weiteren müssten sie sich auch damit auseinandersetzen, welcher Art von Bäumen in der Zukunft Bestand haben werden. Denn niemand könne vorhersagen, welchen Einfluss der Klimawandel auf den Waldumbau haben wird. Und das Beispiel Esche zeige, welch andere Einflüsse ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Deshalb ist es laut Koch und Stuhlenmiller das Gebot der Stunde, eine Offensive für den wertvollen Rohstoff Holz zu starten und diesen sinnvoll zu nutzen. „Das ist zudem angewandter Klimaschutz, da das genutzte Holz den Kohlenstoff langfristig in Holzprodukten speichert und fossile Rohstoffe ersetzt.“

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