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Kommunalpolitik

22.09.2016

Weiches oder hartes Wasser?

Ein Blick in das Innere des Höchstädter Wasserwerks: So sieht es aktuell aus. Bis 31. Dezember 2020 hat die Anlage noch einen Wasserrechtsbescheid.
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Ein Blick in das Innere des Höchstädter Wasserwerks: So sieht es aktuell aus. Bis 31. Dezember 2020 hat die Anlage noch einen Wasserrechtsbescheid.

Der Stadtrat hat beschlossen, dass künftig auch Höchstädter und Sonderheimer von Rieswasser beliefert werden sollen. Doch zu welchen Bedingungen?

Wenn er für Hartwasser werben müsste, dann so, dass Kalk ein Geschmacksträger ist und sich Shampoo aus den Haaren besser auswaschen lässt. Und trotzdem wird Christof Lautner für weiches Wasser plädieren, wie er sagt: „Das Hartwasser hat keinen Qualitätsnachteil, aber natürlich verkaufen wir in der Regel unser enthärtetes Trinkwasser. Wir reden hierbei aber von Komfort- und nicht von Qualitätsunterschieden.“ Lautner ist der Werkleiter der Bayerischen Rieswasserversorgung. Der Zweckverband zur Wasserversorgung beliefert seit vielen Jahren schon die Höchstädter Stadtteile Deisenhofen, Schwennenbach und Oberglauheim – eben mit dem 13 Grad weichen Wasser. Nun will die Stadt selbst mit Sonderheim ebenfalls zu Rieswasser gehen. So hat es das Gremium um Bürgermeister Stefan Lenz bei seiner Sitzung vor eineinhalb Wochen beschlossen. Doch unter welchen Bedingungen? Die, so sagt es Lenz, seien noch nicht klar. „Fix ist nur, dass wir uns von Rieswasser beliefern lassen wollen. Unsere Verwaltung hat nun den Auftrag, mit dem Zweckverband in Verhandlungen zu treten und entsprechende Verträge vorzubereiten. Eine Entscheidung, ob weiches oder hartes Wasser, ist definitiv noch nicht getroffen.“

Wie berichtet, endet die wasserrechtliche Genehmigung zur Entnahme von Grundwasser in Höch-städt am 31.12.2020. Zur Entscheidung stand – und das schon seit Langem –, ob das eigene Wasserwerk aufwendig und teuer saniert wird und somit weiter in Betrieb bleibt, oder ob Höchstädt und Sonderheim künftig auch von Rieswasser mit Wasser beliefert werden. Deisenhofen, Oberglauheim und Schwennenbach sind schon lange im Zweckverband. 17 Räte stimmten für Rieswasser, vier dagegen. So oder so wird sich die Gebrauchsgebühr für die Bürger erhöhen, momentan gehen Lenz und seine Räte von einer Steigerung von 1,02 auf 1,24 Euro pro Kubikmeter aus. Die Sanierung des Wasserwerks, das nun Stück für Stück abgebaut werden soll, hätte laut den Zahlen, die in der Sitzung vorgelegt wurden, rund 1,1 Millionen Euro gekostet.

Mit dem Beitritt zu Rieswasser gibt es dagegen sogar noch eine Förderung von 1,5 Millionen Euro vom Bund dazu. Denn mit dem Rückbau des Wasserwerks braucht Höchstädt kein Wasserschutzgebiet mehr und dem Ausbau der B16 im Norden steht ein Baustein weniger im Weg. So die Fakten, die Lenz vorlegte. Vertreter aus dem Umland kritisierten unter anderem, dass die Zahlen schöngerechnet worden seien, und forderten mehr Verantwortungsbewusstsein für das eigene Wasser.

Weiches oder hartes Wasser?

Kein Geheimnis ist auch, dass schon seit vielen Wochen und Monaten die betroffenen Firmen und Unternehmer in Höchstädt in den Entscheidungsprozess miteinbezogen wurden – auch die Wasseraufbereitungsfirma Grünbeck. Das bestätigt Bürgermeister Stefan Lenz: „Selbstverständlich haben wir Gespräche geführt.“ Dass aber deswegen schon Entscheidungen bezüglich der Härte des Wassers gefallen seien, streitet er vehement ab – obwohl auf Nachfrage unserer Zeitung die Verwaltung mitteilte, dass Hartwasser bezogen werden solle. Lenz: „Das stimmt nicht. Verträge werden nun ausgehandelt und dann wieder vorgelegt. Es gibt keine Entscheidung. Fakt ist nur, dass wir von Rieswasser beliefert werden wollen. Mehr nicht. Egal wie: Der Bürger kriegt weiter Wasser mit der Qualität, wie er sie bislang auch schon hatte – und wir haben gutes Wasser. Unsere Werte sind alle unter den Grenzwerten.“ Außerdem kaufe man jetzt schon für Höchstädt und Sonderheim Rieswasser im Notverbund dazu. Circa zehn Prozent macht dies aus, wie Werkleiter Christof Lautner erklärt. Dabei handele es sich um hartes Wasser. Auch er sagt, dass zwischen Rieswasser und der Stadt vertraglich noch nichts unter Dach und Fach sei, man wohl aber schon Gespräche geführt habe. „Ob hartes oder weiches Wasser – das ist ein Politikum“, so Lautner. Und Höchstädt sei zudem ein Sonderfall. Denn: Weil eine Leitung vom Brunnengebiet Steinheim direkt an Deisenhofen in Richtung Sallmannsberg in Berghausen, wo die Enthärtungsanlage von Rieswasser steht, führt, könne man direkt Rohwasser, also hartes Wasser, abzapfen. Diese Möglichkeit würde sich für die anderen Kommunen im Verband, die laut Lautner alle enthärtetes Trinkwasser geliefert bekommen, erst gar nicht ergeben.

„Wenn wir bis zum Endverbraucher liefern, ist es immer weiches Wasser. Bei Höchstädt ergibt sich eine Sondersituation, weil die Leitung vorbeiläuft“, führt der Werkleiter aus. Das Wasser, das im Notverbund schon genutzt wird und direkt aus dem Brunnengebiet kommt, hat laut Lautner eine Härte von 20/21 Grad. Das Wasser, das in Berghausen enthärtet wird, hat noch einen Härtegrad von 13. „Wenn wir uns die Kosten für die Enthärtung sparen, dann werden die Gebühren für Rohwasser etwas günstiger.“

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