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Dillingen

06.12.2019

Wenn Wahrheit die sicherste Tarnung ist

Die Szene in der Hölle bot den beeindruckenden Abschluss der Aufführung des Stücks „Biedermänner und Brandstifterinnen“ durch die Bona-Theatergruppe im Dillinger Stadtsaal. Auf dem Foto von links: Benedikt Fischer (Gottfried Biedermann), Jana Hirschbeck (Gottlinde Biedermann), Franziska Appl (Friedline Biedermann), Florian Schneider (Friedgott Biedermann) sowie (hinten von links) Viola Fischer (Doktor und Brandstifterin), Theresa Saufler (Grazia Servizia, Oberkellnerin und Brandstifterin) und Magalie Hintermayr (Flora Blatt, Blumenverkäuferin und Brandstifterin).
Bild: Melissa Jubeliius

Die Theatergruppe des Bonaventura-Gymnasiums reißt das Publikum mit der Inszenierung des Stücks „Biedermänner und die Brandstifterinnen“ nach Max Frisch mit.

„Der Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und ganze Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand.“ Das sagt Oberkellnerin und Brandstifterin Grazia Servizia im Stück „Biedermänner und Brandstifterinnen“, das die Theatergruppe des Bonaventura-Gymnasiums jetzt im Dillinger Stadtsaal aufgeführt hat.

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Wie die Brandstifterinnen sich auf der Bühne zeigen

Auf der Bühne öffnet sich das Wohnzimmer der wohlhabenden Fabrikanten-Brüder Gottfried und Friedgott Biedermann, die mit ihren reizenden Gattinnen Gottlinde und Friedlinde unerwartet Gäste bei sich aufnehmen. Die Besucher geben sich von Anfang an als Brandstifterinnen zu erkennen, auch wenn die erste Dame eine charmante Blumenverkäuferin, die zweite eine niveauvolle Oberkellnerin und die dritte Brandstifterin eine Frau Doktor der Philosophie zu sein scheint.

Die Person, die alles durchschaut und doch die größte Opferrolle einnimmt, ist das Dienstmädchen im Hause Biedermann, die authentisch gespielte Anna (Jessica Herrmann). Gottfried Biedermann (Benedikt Fischer) ist eine Nuance kaltblütiger als sein Bruder Friedgott, wenn er beispielsweise ein Auspeitschen von Brandstiftern einfordert. Friedgott Biedermann (Florian Schneider) offenbart hierbei, ebenso schauspielerisch überzeugend, zudem seine Leidenschaft. Die Ehefrauen dieser beiden erfolgreichen Geschäftsmänner sind gegenüber den neuen Gästen sogleich skeptischer.

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Warum es die Protagonistin nicht schafft die Damen loszuwerden

Zwar möchte Friedlinde Biedermann (Franziska Appl) die verdächtigen Damen sofort wieder an die frische Luft setzen, doch Gottlinde (Jana Hirschbeck) bringt dies, ebenso grandios gespielt, nicht übers Herz. So machen es sich die drei Brandstifterinnen auf dem Dachboden des schönen Hauses gemütlich. Benzintonnen und Benzinkanister werden dort verstaut, Zündkapseln gesucht und Zündschnüre verlegt. Zu Beginn agiert mit viel Spielwitz die charmante Blumenverkäuferin Flora Blatt (Magalie Hintermayr).

Auch die zweite Brandstifterin Frau Servizia überzeugt das Publikum mit ihrem schauspielerischen Einsatz, an dessen Ende die gemeinsame Lust an der Brandstiftung steht. Hier unterscheiden sich die beiden Brandstifterinnen von der dritten Person im Bunde, der Frau Doktor der Philosophie (Viola Fischer). Sie offenbart klar und deutlich, dass Brandstiftung nie aus purer Lust, sondern nur aus reiner Freude erfolgen sollte. Die surreale Polizei (Yannick Schürdt) steht zwar kurzzeitig vor den Brandbeschleunigern auf dem Dachboden, verlässt diesen aber im Glauben, dass es sich hierbei um Tonnen und Kanister mit Blumendünger handelt.

Auch der Chor hat eine wichtige Rolle

Nach solchen surrealen Elementen tritt immer wieder der Chor (Hanna Fritz, Jaqueline Hammerschmied, Sofie Krucko, Mai Lin Le, Oliver Mayr, Lara Rieder, Melanie Stempfle, Emily Urban, Maja Wiececk, Nele Wirth und Antonia Zill) unter der Leitung von Michael Joseph in Erscheinung, der klar und stoisch das Geschehen kommentiert. Immer wieder vor dem Haus der Biedermänner und später, im Nachspiel, vor dem vermeintlichen Himmel, der eigentlichen Hölle. Die Szene in der Hölle bildet den beeindruckenden Abschluss der Theateraufführung des Bonaventura-Gymnasiums. Nicht nur die Theaterrollen, sondern auch alle anderen Aufgabenbereiche wie Souffleuse, Technik, Bühnenbau, Bühnenbild, Requisite, Kostüme, Maske, Catering und die Öffentlichkeitsarbeit hatten Schüler des Bona übernommen.

Die Zuschauer, die etwas spärlich gekommen waren, waren von der Aufführung hingerissen. Die Schauspieler, die ihre Rollen glänzend ausfüllten, erhielten für ihre großartige Leistung tosenden Beifall. (pm)

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