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Dillingen

11.07.2019

Wenn diese Kurse ausfallen, ärgern sich die Schüler

Sie können nicht nur Raketen abschießen, sondern auch berechnen, wie diese fliegen: (von links) Ben Felber, 10. Klasse, Robert Petri, 9. Klasse, Linus Schmid, 10. Klasse – alle drei vom Dossenberger Gymnasium in Günzburg – und Sebastian Matzke, 8. Klasse vom Lauinger Albertus-Gymnasium Lauingen.
Bild: Jakob Stadler

In Nordschwaben können begabte Schüler Kurse wählen, die ihre Stärken fördern. In Dillingen haben sie von ihren besonderen Wahlfächern erzählt.

"Wir haben eine Einwilligung von unseren Eltern gebraucht, dass wir mit Sprengstoff arbeiten dürfen," erklärt Sebastian Matzke. Der Achtklässler vom Lauinger Albertus-Gymnasium erzählt beim vierten Begabungstag am Dillinger Sailer-Gymnasium von seinem Wahlfach. "Sonst ging es problemlos", sagt Sebastian, der hinter einem Tisch voller Modellraketen steht.

Das Sailer-Gymnasium ist der Standort des Begabungsstützpunktes Nordschwaben. Gymnasien aus den nordschwäbischen Landkreisen bieten Kurse für begabte Schüler an, die diese freiwillig belegen können. Diese Kurse werden am Begabungstag von Lehrern und Schülern vorgestellt. Sebastian hat sich für den Raketen-Kurs entschieden, den das Albertus-Gymnasium anbietet. Doch mit ihm lernen nicht nur Lauinger Schüler, wie sie Raketen bauen und deren Flugbahn berechnen können – neben ihm stehen drei Schüler des Günzburger Dossenberger Gymnasiums. Das ist die Idee: Die Kurse stehen begabten Schülern aus ganz Nordschwaben offen. Schließlich kann nicht jede einzelne Schule so ein großes Spektrum abdecken wie viele zusammen.

Das Dillinger Sailer-Gymnasium bietet einen App-Prgrammierkurs an

Ein Problem gibt es dabei: Nordschwaben ist groß, die Wege sind weit. Maria Schenk, Informatiklehrerin vom Sailer-Gymnasium, hat das bei ihrem Projekt gelöst: Mit E-Learning. Schenk bietet einen App-Entwicklungskurs an, die Schüler bekommen die Aufgaben und können sie selbstständig zu Hause bearbeiten. Schenk erzählt, dass so auch ein Schüler aus Vöhringen mitmachen kann – die rund 70 Kilometer nach Dillingen muss er nur für zwei Präsenzsitzungen auf sich nehmen. Ihr Kurs ist einer der größeren, dieses Schuljahr nehmen 17 Acht- bis Zehntklässler teil. Der Kurs soll den Schülern helfen, einen Einstieg ins Programmieren der Smartphoneprogramme zu finden. "Wir brauchen Leute, die das können", sagt sie, und: "Ich habe ein Herz für Nerds." Besonders freue sie, dass auch einige Mädchen dabei sind. "Es ist toll, dass die sehen, dass Programmieren nicht nur Jungssache ist."

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Einige Schüler sind nach einem Kurs politisch aktiv

Die Angebote für begabte Schüler gehen über den naturwissenschaftlichen Bereich hinaus. "Politik in Bewegung", heißt etwa ein Kurs, den die Deutsch-, Geschichts- und Sozialkundelehrerin Dorothea Liebl vom Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Neu-Ulm anbietet. Sie hat mit den Schülern über politische Grundlagen und Grundbegriffe gesprochen, außerdem haben sie sich mit dem Tagesgeschehen beschäftigt, etwa mit dem Brexit oder der Europawahl. Waren die Schüler davor schon politisch interessiert? "Ein Grundinteresse mussten wir ja haben", sagt eine der Schülerinnen – schließlich ist der Kurs freiwillig. Die anderen erklären, dass das Wahlfach geholfen habe, Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen. Die Schülerinnen aus Neu-Ulm sind nun auch selbst aktiv geworden: Sie unterstützen die Friday-for-Future-Proteste.

Sie haben sich im vergangenen Jahr mit Politik beschäftigt – sowohl mit Grundlagen als auch mit dem Tagesgeschehen. Von links Jana Hitzler (stehend) vom Maria-Ward-Gymnasium Günzburg, Q11, Veronika Ried, Q11, Mira Vögel, Q11, Antonia Hunnius, Q11, Lehrerin Dorothea Liebl, Eva Floh, Q11, alle vom Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Neu-Ulm und Nico Mayer, 9. Klasse, Dossenberger Gymnaium in Günzburg.
Bild: Jakob Stadler

Die Anzahl der Kurse ist begrenzt

Was den Schülern gar nicht gefällt: Der Kurs wird nächstes Jahr nicht mehr angeboten. An Lehrerin Liebl liegt das nicht, sondern daran, dass ein ähnlicher Kurs nun von einer anderen Schule angeboten wird. Generell sind nicht mehr angebotene Kurse die Beschwerde, die am häufigsten zu hören ist. Auch der Raketen-Kurs findet nächstes Schuljahr nicht mehr statt, das AGL bietet stattdessen ein anderes Wahlfach an. Doch wer über den "Markt der Möglichkeiten" – so heißt die Präsentation der Kurse am Begabungstag – läuft, erkennt, wie vielseitig die Wahlfächer sind. Hinter einer Plexiglasscheibe zeigen Schüler mit Kittel und Schutzbrille, was es bei "Synthese von und mit Alltagschemikalien" zu lernen gibt, am Stand von "Ist doch logisch!" versuchen sich Schüler an allerlei Denksportaufgaben und bei "Faszination Mikrokosmos" laufen Mikroskop-Aufnahmen über einen Bildschirm.

Der Begabungstag ist für alle, die im Schuljahr 2018/19 einen der Kurs besucht haben, auch eine Art Zeugnistag. Sie erhalten ein Zertifikat, für die Übergabe ist Ministerialbeauftragter Peter Kempf gekommen. Er spricht in einem Vortrag darüber, was mit Begabung eigentlich gemeint ist. "Eine Begabung ist in jedem Menschen", sagt er. Und die Schule müsse auch allen Kindern ein Angebot machen. Beim Bildungsstützpunkt geht es darum, besondere Begabungen zu fördern. Kurt Ritter, Schulleiter des Sailer-Gymnasiums freut sich, dass der Ministerialbeauftragte sich die Zeit für den Besuch nimmt. Und er betont: "Die Zusammenarbeit ist zum Vorteil aller Schüler und Schulen." Vergangenes Schuljahr waren es 116 Teilnehmer an den Begabungskursen in Nordschwaben, im noch laufenden schon 154. "Das dokumentiert, dass das anfangs kleine Pflänzchen schon ordentlich gewachsen ist."

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