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Dillingen

23.09.2019

Wer will da nicht freiwillig zur Feuerwehr?!

Tag der Feuerwehr Dillingen viele Zuschauer interessiert Autounfall Rettungsschere
Bild: Karl Aumiller

Plus Die Freiwilligen Feuerwehren aus Dillingen mobilisieren am schwäbischen Feuerwehrtag alles, was geht, um Nachwuchs zu gewinnen. Das lockt hunderte Menschen an

Mit großen Augen stand Leon Bihler auf einer Bank und schaute sich um. Der Dreijährige will auf jeden Fall Feuerwehrmann werden. Und bei dem, was am Schwäbischen Feuerwehrtag in Dillingen am Sonntag alles geboten war, wusste der kleine Mann gar nicht, wo er zuerst hinschauen sollte.

Vater Dominik, selbst passives Mitglied bei der Feuerwehr, hielt seinen Sohn vorsichtshalber fest. Wenn Leon eines Tages zu den Aktiven möchte, würde der Schretzheimer seinen Sohn auf jeden Fall dabei unterstützen.

Die Kinder sehen, wie schnell Feuer einen hohen Schaden anrichten kann

Doch am Sonntag in Dillingen ging es nicht nur um den künftigen Berufswunsch des Juniors. „Wir wollten unseren Kindern hier bei den Übungen auch zeigen, wie gefährlich ein Feuer ist, und wie schnell es sich ausbreiten kann“, sagte Verena Müller, die mit Ehemann Andreas und Tochter Leni mit Familie Bihler im Feuerwehrgerätehaus beim Mittagessen saß und eine Pause machte.

Der Dillinger Container ist ein echter Hingucker

Alle 15 Minuten war am Sonntag rund um das Feuerwehrhaus etwas Neues geboten. Ein echter Hingucker dabei war ein zu einem Zimmer umgebauter Container, der an einer Seite offen ist. Feuerwehrmann Jochen Bucher moderierte den Einsatz und die Zuschauer verfolgten gebannt das Geschehen:

Sieht krass aus, oder? Um 14.15 Uhr wird der Container in Dillingen nochmal im Einsatz sein. Auch sonst ist einiges los heute bei unseren Feuerwehr, in Dillingen und drumherum

Gepostet von Donau Zeitung am Sonntag, 22. September 2019

Wie ein Mann am Tisch einschläft, wie das Sofa durch einen Kurzschluss plötzlich Feuer fängt, wie die Feuerwehr alarmiert wird und den Brand löscht.

Dafür gab es danach großen Applaus. Auch die Rettung einer Person mithilfe der Drehleiter oder der Einsatz bei einem Autounfall lockten die Besucher an – egal welchen Alters.

Für die Jugendlichen gab's eine eigene Olympiade

Jugendwart Dominik Kehrle und die Jugendlichen der Feuerwehren hatten für die jüngeren Besucher eine Olympiade organisiert. Dabei mussten an sieben Stationen Fragen beantwortet und Übungen absolviert werden. Wer das geschafft hatte, wurde mit einer Urkunde und einem kleinen Geschenk belohnt. Jordan Hartmann und Vincent Jähnig halfen bei den Stationen mit.

Vincent Jähnig, Jordan Hartmann und Andreas Winter (vorne von links) und Victor Kehrle, Julia Honold, Claus Zimmermann und Dominik Kehrle (hinten von links) sind am Sonntag alle gut beschäftigt – haben dabei aber auch sichtlich Spaß.

Die beiden Zwölfjährigen sind erst seit ein paar Wochen bei der Feuerwehr, und mit Eifer dabei. Auch Julia Honold packte mit an. Die junge Frau ist seit ein paar Jahren bei der Feuerwehr aktiv. „Mein Vater Walter ist Zweiter Kommandant, deswegen bin ich von klein auf dabei“, erklärte sie. „Man wächst da so rein.“ Die junge Frau ist Atemschutzträgerin und Truppenleiterin. Ihr erster Einsatz? „Das ist immer etwas Besonderes. Ich erinnere mich noch gut daran. Wir haben eine Leiche aus der Donau geborgen.“

Der Fristinger Feuerwehrmann musste erst selbst gerettet werden

Auch Stefan Kuchenbaur ist bei der Fristinger Feuerwehr aktiv, seit ein paar Jahren schon. Es ist noch gar nicht lange her, da musste er selbst gerettet werden. „Mir ist einer in den Wagen gefahren“, erzählte er.

Stefan Harms, Matthias Mesch, Stefan Kuchenbaur, Anika Jall und Linus Wasner (von links) von den Feuerwehren Hausen und Fristingen. Es ist noch nicht lange her, da mussten die Kameraden Stefan Kuchenbaur retten.

Seine Kameraden waren erschrocken, als sie damals zum Einsatz kamen und ihn im Auto sahen, erinnert sich Linus Wasner von der Hausener Feuerwehr. „Beide Fahrzeuge waren hin“, sagte sein Kamerad Stefan Harms. Doch Kuchenbaur ging es zum Glück gut. Warum sie alle bei der Feuerwehr sind? „Jeder vom Dorf machte da mit, das war eine Selbstverständlichkeit“ meinte Mesch. Doch das sei heute nicht mehr so, bedauerte Jürgen Fisel. Gerade in den Ortsteilen müsse man regelrecht hausieren gehen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Deswegen warben die Feuerwehrleute am Sonntag gleich für weitere, lokale Infotermine (siehe am Ende dieses Artikels).

Die Bissinger feiern erst in zwei Wochen ihren Feuerwehrtag

Der Besucherandrang in und um das Feuerwehrgerätehaus war groß. Die Schlange vor der Essensausgabe wurde mittags immer länger. Kurzfristig wurden weitere Fritteusen organisiert, damit es mit den Pommes schneller ging. Auch Wolfgang Jall aus Kicklingen saß mit seiner Familie beim Essen. Er ist seit 23 Jahren bei der Feuerwehr. „Wir sind damals alle hingegangen. Man hilft sich im Dorf.“ Bei größeren Einsätzen seien die Kameraden der Kernstadt immer vor Ort, „und wir packen mit an, wo wir können“, sagte er.

Herbert Behringer (links), Leiter des Dillinger Feuerwehrmuseums, führt Besucher durch die Ausstellung. Wochenlang haben Museumsfreunde die alten Fahrzeuge, Geräte und ihre Räume herausgeputzt.

Ein paar Tische weiter hatte sich die Bissinger Feuerwehr niedergelassen: Erster Vorsitzender Markus Reiner, Erster Kommandant Andreas Korn und Zweiter Kommandant Christian Sinning. Weil in Bissingen der Sportverein am Sonntag ebenfalls groß feierte, findet der Feuerwehrtag dort erst am Sonntag, 6. Oktober, ab 19 Uhr statt. Mit Einsatzübungen, Kinderprogramm, Feuerlöschtrainer, Feuerwehrfahrzeugen, Vertretern der Airbus-Werkfeuerwehr, Essen und Trinken. „Jetzt schauen wir erst mal, wie die Dillinger das machen“, meinte Sinning und lachte.

"Es war super"

Kurz nach Mittag waren die beiden Familien Sand aus Wittislingen und Neuhold aus Dillingen wieder auf dem Heimweg. Selbst hätten sie die Feuerwehr noch nie gebraucht, „zum Glück“. Der Feuerwehraktionstag hat allen gefallen. „Es war super“, sagten sie einstimmig.

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200 Bilder
Feuerwehr live in Dillingen
Bild: Karl Aumiller

Auch Dillingens Kommandant Markus Pfeifer zog eine positive Bilanz. „Es war gigantisch.“ Was ihn und seine Kameraden besonders freute: Nicht nur Feuerwehrkollegen waren da, sondern auch viele andere Besucher. Vielleicht entscheidet sich der oder die eine oder andere davon ja für eine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr.

  • Hausen Am Dienstag, 1. Oktober, beginnt um 19 Uhr am Feuerwehrgerätehaus ein Begrüßungsabend für Jugendliche.
  • Steinheim Dort findet am Dienstag, 8. Oktober, um 19 Uhr in den Pfalz-Neuburg-Straße 6 im Feuerwehrgerätehaus ein Infotag für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren statt.
  • Dillingen Am Mittwoch, 9. Oktober, sind Interessierte zwischen zwölf und 60 Jahren um 18 Uhr zu einer zentralen Infoveranstaltung geladen.

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