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Vortrag

24.11.2017

Wie Albertus Magnus heute noch wirkt

Zum Thema „Albertus Magnus und Platon“ sprach Professor Dr. Christian Beck von der Universität Eichstädt in Lauingen. Anlass war der Albertus-Magnus-Tag am 15. November.
Bild: Kathrin Beck

Professor Christian Beck erläutert den Kontext der Werke des Lauinger Kirchenlehrers

Der große Lauinger Kirchenlehrer Albertus Magnus lebte im 13. Jahrhundert. Platon unterrichtete Aristoteles im vierten Jahrhundert vor Christus. Und doch lässt sich auch im 21. Jahrhundert noch etwas von diesen Philosophen lernen. Das zeigte Professor Dr. Christian Beck in einem Vortrag über die Verbindungspunkte der Lehren von Platon und Magnus. Beck lehrt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sein Vortrag im Festsaal des Lauinger Rathauses fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Albertus-Gedenktag statt.

Albertus Magnus gehörte zu den Philosophen seiner Zeit, deren Denkmodell insbesondere auf dem des griechischen Philosophen Aristoteles fußte. Er war aber auch von der Ideenlehre Platons, des Lehrers von Aristoteles, beeinflusst. Für Platon (428 – 347 v. Chr.) war die „Idee“ von einem Gegenstand oder Lebewesen – wir würden heute sagen „die Vorstellung davon“ – die Grundlage für dessen Existenz. Platon glaubte an eine Art Paralleluniversum, in dem die Grundlagen für alle Dinge, die in unserem Universum existieren oder existieren werden, als Ideen bereits vorhanden sind. Die Idee des Guten aber sei für Platon ein übergeordnetes Prinzip gewesen, dem alle Menschen zustreben sollten, das sie aber niemals erreichen würden.

Die christliche Welt des Mittelalters hatte für dieses große, über allem stehende Gute, einen anderen Namen: Gott. Bei Platon verleiht die Seele den Dingen ihren Charakter. Sie ist dreigeteilt in die Vernunft, welche wie ein antiker Wagenlenker die beiden „Pferde“ Mut und Begierde lenkt. Wenn die drei Tugenden Vernunft, Mut und Begierde in einer Gesellschaft im Ausgleich sind, ist dies eine gerechte Gesellschaft. Die Lehre von den Ideen Platons haben in Europa und im Nahen Osten Jahrhunderte lang weitergewirkt. So entstand der Neuplatonismus. Beck fuhr mit dem Philosophen Plotin (205 – 270 n. Chr.) fort, der Neuplatonist war. Plotin nannte die Einheit aller Ideen „das Eine“. Ein weiterer Neuplatonist war Pseudo-Dionysius Areopagita. Er lebte im frühen 6. Jahrhundert nach Christus. Pseudo-Dionysius habe eine Synthese der christlichen Lehre mit den Lehren Platons und der Neuplatonisten versucht.

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Die Dominikaner – zu denen Albertus Magnus und sein Schüler Thomas von Aquin zählten, standen auf der einen Seite. Ihre Lehren fußten auf denen des Aristoteles. Für Aristoteles lag die Substanz der Welt in allen ihren Dingen. Seiner Meinung nach halfen die „Ideen“ Platons nicht bei der Erkenntnis. Die Franziskaner dagegen folgten den Vorstellungen des Kirchenvaters Augustinus, der seinerseits von Platon beeinflusst worden war. Sie glaubten, dass die „Ideen“ als Urbilder allen Seins bereits vor der Schöpfung im Geiste Gottes existierten.

Albertus war zwar grundsätzlich anderer Meinung, Beck betonte aber in seinem Vortrag, dass es dem großen Lauinger wichtig war, sich der Lehre Platons und der Neuplatonisten vorurteilsfrei anzunähern. Er wollte Gott mit platonischem Auge, aber kritisch betrachten. Er nahm Gott als den wahr, der nicht beschrieben werden kann. Alles andere, was beschrieben werden könne, sei die Welt. Es war das Bemühen von Albertus Magnus, die Vernunftbetrachtungen nach Aristoteles und den „idealen“ Glauben im Sinne Platons zusammenzuführen.

Zum Ende seines Vortrages stellte Beck die Frage, was uns dieses Bemühen von Albertus Magnus in der heutigen Zeit noch sagen kann. Er erklärte, die Verwertungslogik der Moderne führe in die Leere. Es würden nur noch Wissenschaften akzeptiert, deren wirtschaftlicher Nutzen unmittelbar und eindeutig sei. Die Beschäftigung mit den moralischen Grundwerten unserer Gesellschaft und dem Glauben erhielten keine Unterstützung mehr. Aber auch heute stelle sich immer wieder und immer stärker die Frage wie der Mensch Vernunft und Herz in Harmonie bringen kann.

Bürgermeister Wolfgang Schenk dankte zum Abschluss auch den jungen Musikern des Albertus-Gymnasiums für die musikalische Untermalung des Vortragsabends. (pm)

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