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Heimatgeschichte

02.11.2018

Wie Göllingen zu seinem Wappen kam

Wäre dieser Plan aus dem Jahr 1907 realisiert worden, hätte Göllingen heute auch eine Kapelle. Das war eines der Themen beim Heimatabend anlässlich des 750-jährigen Ortsjubiläums.
Bild: Repro: Helmut Herreiner

Seit 750 Jahren gibt es den kleinen Ortsteil von Bissingen. Was sich seither alles verändert hat? Ein Blick zurück.

Warum hat der kleine Ort Göllingen ein eigenes Ortswappen? Was hat die Auerquelle mit Göllingen zu tun und welche Bedeutung hatte die Mühle für den Ort? Was weiß man über das Leben der Menschen in früheren Zeiten in dem Dorf an der Kessel?

Das waren einige der Fragen, die im Rahmen des Heimatabends im erst vor Kurzem neu errichteten Feuerwehrhaus einer näheren Betrachtung unterzogen wurden. Eingeladen hatte die Freiwillige Feuerwehr Göllingen, und der konkrete Anlass war die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes in einer Kaisheimer Urkunde im Jahre 1268. Zu diesem 750-jährigen Ortsjubiläum konnten Dritter Bürgermeister Anton Schmid und Helmut Oberfrank im Namen der Feuerwehr vor vollem Haus und Besuchern aller Generationen besonders Bürgermeister Michael Holzinger, Zweiten Bürgermeister Stephan Herreiner sowie Gemeindearchivpfleger Helmut Herreiner als Referenten begrüßen. Letzterer erläuterte in seinem bebilderten Vortrag zunächst, dass die Ortsgeschichte nicht erst mit der Erwähnung 1268 begonnen hatte, sondern dass Göllingen als echter „-ingen-Ort“ eine alemannische Gründung des sechsten oder siebten Jahrhunderts nach Christi Geburt sei. Die Gründung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit von Bissingen aus erfolgt.

Eine Burg über Jahrhunderte erkennbar

Im 13. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, war Göllingen der Sitz eines Hohenburger Adelsgeschlechtes, dem auch der in der Kaisheimer Urkunde genannte „Fridericus de Goldelingen“ angehörte. Dieses Geschlecht bewohnte eine auf allen vier Seiten von Wasser umgebene Burganlage, und diese wiederum führte zu dem heute noch bekannten Göllinger Ortswappen mit dem bekannten „Wasserschloss“. Nur etwa 100 Meter nordöstlich des Maierhofes im sogenannten „Weiherbuck“ etwas abseits der Kessel gelegen, war das Grabenviereck um die Burg noch über Jahrhunderte erkennbar.

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Heute müsste man graben, um die Fundamente zu finden. Über Jahrhunderte hinweg teilte Göllingen dann das Schicksal der umliegenden Orte im unteren Kesseltal. Die Herrschaften wechselten mehrfach, am längsten dominierten hier die Grafen von Oettingen. Im Jahre 1559 waren hier neben einer Mühle und dem Maierhof insgesamt 17 weitere Höfe und Sölden, also kleinbäuerliche Anwesen, registriert. 1813 zählte der Ort 23 Wohnhäuser.

Plan für eine Kapelle

Die Mühle, von der eine ganze Reihe von Plänen erhalten sind, gehörte einst zu den größten im gesamten Kesseltal. Eine spannende Geschichte ist vom Beginn des 20. Jahrhunderts überliefert. Aus dem Jahr 1907 existiert der fertig ausgearbeitete Plan einer Kapelle, die gebaut werden sollte. Daraus wurde jedoch nichts. Nach dem, was bekannt ist, verhinderten die Ausführung des Planes letztendlich Differenzen über die Arbeitseinsätze und die Finanzierung des Projektes.

Anders sah es bei der zwischen Bissingen und Göllingen gelegenen Auerquelle aus, die nach ihrer Erschließung im Jahre 1906 einen riesigen Aufschwung nahm und rasch weit über das Kesseltal hinaus Bekanntheit erlangte Was heute längst nicht mehr alle wissen: „Das Kurhaus Auerquelle gehört zur Gemeinde Göllingen“, titelte zum 700-jährigen Jubiläum der Gemeinde im Jahre 1968 die Donau-Zeitung. Schmunzelnd nahmen die Zuhörer des Vortrages auch zur Kenntnis, dass die Göllinger im Waldstück „Wütherich“ vor dem Zweiten Weltkrieg vor allem für die Kurgäste der Auerquelle sogar einen Park anlegten. Geworben wurde für „Luft- und Sonnenbäder“, die hier möglich waren.

Gymnastische Übungen

Auch nach dem Krieg wurden noch, so wissen ältere Göllinger bis heute zu erzählen, regelmäßig gymnastische Übungen mit dem im Kurhaus praktizierenden Pater Fridolin angeboten. Doch in jenen Jahren hielt wie überall auch der moderne Fortschritt Einzug.

Längst war elektrischer Strom im Dorf alltäglich geworden, landwirtschaftliche Maschinen lösten die Handarbeit mehr und mehr ab, und die Zahl der Bauernhöfe ging mehr und mehr zurück. Mit der kommunalen Gebietsreform in den Siebzigerjahren endete auch die politische Selbstständigkeit des Dorfes. Seit dem 1. Juli 1971 ist Göllingen ein Ortsteil der Marktgemeinde Bissingen, allerdings durchaus weiterhin mit einer eigenen Identität, die auch an diesem Heimatabend im Kesseltal deutlich wurde.

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