Energie

22.06.2016

Wie baue ich richtig?

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Beim Bau eines KfW-Effizienzhauses kommt man nicht an einem qualifizierten Experten vorbei. Generell gilt: Energiekosten senken, effiziente Technik einsetzen, erneuerbare Energien ausbauen.
Bild: Fotolia

Warum der Vortrag von Klaus Röthele in Lauingen nicht für jeden Häuslebauer zum Lichtblick wurde und warum der Landrat Fragen stellen musste

Klaus Röthele warf seine Zuhörer gleich ins kalte Wasser. Mit einem „selbst gestrickten“ Programm auf seinem Laptop und einer datenmächtigen Tabelle versuchte er quasi alle Fragen zum KfW-Effizienzhausstandard mit Powerpoint zu erschlagen. Ziel der Veranstaltung im Windstützpunkt in Lauingen war es, „den derzeitigen Förderdschungel zu lichten“, wenn Bauherren ein Haus nach dem neuesten Energiestandard bauen wollen. Doch das ging zum Teil schief, zumindest nach Meinung jener Zuhörer, die nicht gerade Architekt, Statiker oder sonstwie Spezialisten waren.

Dabei ist die Software, die Klaus Röthele vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza) zur Vortragsreihe „Energiewende selbst gemacht“ mitbrachte, durchaus pfiffig und auch wirkmächtig. Der Experte brauchte zum Beispiel nur die Zahlen zur Wandstärke, zur Fensterverglasung oder zur Nutzung von Fotovoltaik ändern, und schon näherte oder entfernte sich das fiktive Bauvorhaben von den Förderkriterien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das war beeindruckend, half aber manchem Anwesenden nicht so recht weiter. Als er dann die Vorzüge seines Niedrigenergie-Hauses in Lindenberg detailliert und engagiert ausbreitete – „Wenn du heute neu baust und eine Heizung brauchst, dann hast du einen Fehler gemacht“ – wurde es einem der Teilnehmer zu bunt. „Das ist doch alles nur für Idealisten, was Sie uns hier vortragen“, lautete der Vorwurf. Doch ganz so idealistisch war es auch wieder nicht. Denn am Beispiel seines Passivhauses mit vier Parteien konnte Röthele kenntnisreich, fundiert und überzeugend auf viele dos und don’ts beim Bau und Betrieb einer derartigen Immobilie hinweisen. Und auch der „Energie-Dreisprung“ wurde deutlich herausgearbeitet: Energiekosten senken, effiziente Technik einsetzen und erneuerbare Energien ausbauen.

Zudem war Rötheles Vortrag ausgesprochen unterhaltsam und kurzweilig, weil er ihn mit zahlreichen praxisnahen Beispielen, Erfolgen und Problemen aus seiner Erfahrung als Berater und vor allem aus seinem eigenen Lebensumfeld würzte.

Was aber wollten die Teilnehmer nun wissen? Das reichte vom Thema Finanzierung über Heizung und Dämmung bis zur Lüftung. Zwangsläufig waren die Fragen individuell, und bei sehr speziellen Finanzierungsfragen musste auch der eza-Experte passen. Einigkeit herrschte indes darüber, dass man gerade beim Bau eines KfW-Effizienzhauses nicht an qualifizierten Experten vorbeikommt. Dies hob denn auch der Lauinger Architekt Alfred Hitzler hervor: „Nur der Architekt mit qualifiziertem Wissen kann überblicken, was hier notwendig ist – aber er muss dafür qualifiziert sein.“ Konzipiert war die Veranstaltung eher als offene Fragestunde denn als Vortragsevent. Doch hier lag der Hase im Pfeffer. Keiner der Teilnehmer hatte die Aufforderung in der Einladung genutzt, konkrete Fragen schon vorab an Julia Dolezil, die Leiterin des Windstützpunktes, zu schicken. Damit hätte Röthele konkretere Antworten für die Zuhörer parat halten können, die in seinem Tsunami an Expertenwissen teils untergingen. Vielleicht sah sich Landrat Leo Schrell deshalb genötigt, den Referenten hin und wieder mit gezielten Fragen und Bemerkungen auf den Boden des einfachen Häuslebauers zurückzuholen. Dass dem Landrat das Thema Energie am Herzen liegt, merkte man nicht nur an seiner Anwesenheit bis zum Schluss. Er machte auch keinen Hehl aus seiner Freude über die große Teilnehmerzahl. Das Interesse an der Vortragsreihe „Wie baue ich 2016“ ist also groß. Deshalb gibt es die Informationen zum Röthele-Vortrag auch im Internet-Programm des Landkreises. Beim nächsten Termin am 12. Juli geht es um Fotovoltaik und Speicherung. Interessenten sollten schon jetzt ihre Fragen an den Windstützpunkt schicken (windstuetzpunkt@dillingen.de). Die Experten können dann noch gezielter auf ganz konkrete Anliegen eingehen. Denn auch die Teilnehmer sollten nicht ganz unvorbereitet in eine derartige Veranstaltung gehen. Schließlich will keiner, dass der Energiespar-Dreisprung zu einer Echternacher Springprozession wird.

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