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Mörslingen

23.04.2019

Wie ein Mörslinger Artenschutz im eigenen Garten betreibt

Der Garten von Gerhard Reiter ist ein wahres Paradies für Insekten. Seit fast zehn Jahren hat er seine eigenen Wildbienen, die zahlreiche Nistplätze in seinem Garten zur Verfügung haben.
Bild: Tanja Ferrari

Plus Wer den Bienen etwas Gutes tun möchte, kann im eigenen Garten viel bewirken. Warum besonders Wildbienen sehr praktisch sind, verrät Gerhard Reiter.

Mit gelb eingefärbten Nasen fliegen sie fleißig hin und her. Wenn sie genügend Blütenstaub gesammelt haben, schlüpfen sie rückwärts in die Öffnung der Baumstämme, die sich im Bienenhaus befinden, und legen bis zu zehn Eier ab. In Gerhard Reiters Garten summt und brummt es, seit seine Wildbienen vor drei Wochen geschlüpft sind.

Angst, muss man vor den friedlichen Mauerbienen nicht haben, erklärt Reiter. Seit knapp zehn Jahren bietet er den Tieren ein Zuhause in seinem Garten in Mörslingen. Er sagt: „Manchmal sitzen sie sogar auf meiner Backe, wenn sie mich begrüßen.“ Weil er ursprünglich seinen Obstbäumen etwas Gutes tun wollte, informierte sich der 72-Jährige bei einem befreundeten Imker über Honigbienen.

Von diesem Vorhaben kam er allerdings schnell wieder ab. Um Honigbienen zu halten, brauche es viel Fachwissen und vor allem auch eine teure Ausrüstung. „Mit den Wildbienen dagegen habe ich kaum Arbeit“, sagt er. Das Einzige, was die Tiere brauchen, sind genügend blühende Pflanzen und eine Nistmöglichkeit, so Reiter. Über das Internet fand er damals einen Züchter und bestellte sich 100 Kokons der Mauerbiene. Inzwischen fliegen über 7000 Bienen in seinem Garten. Was mit einem Experiment begann, ist heute Reiters Leidenschaft. Mit Hinblick auf das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen“, möchte der 72-Jährige darauf aufmerksam machen, dass jeder in seinem Garten etwas für die Tiere tun kann.

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Warum Mauerbienen besonders pflegeleicht und freundlich sind

Die Mauerbiene, die bei Reiter eifrig durch den Garten schwirrt, ist eine besondere Wildbiene. Sie ist nicht nur ein hervorragender Bestäuber, sonder bleibt auch ihrem Standort treu. „Wenn sie genug zum Fressen findet, fliegt sie in einem Radius von 300 Metern“, erzählt der Mörslinger. Bei Temperaturen ab 5 Grad Celsius wird die Biene bereits aktiv. „Am liebsten mag sie es aber sonnig“, sagt Reiter und rückt sich seinen braunen Cordhut zurecht.

Bei seiner Wildbienenart gebe es keine Königin, Arbeiterinnen oder Honig. so wie bei den Honigbienen. Die Mauerbiene ist stattdessen eine Einzelgängerin, erzählt er und fängt beim Vorbeifliegen ein Tier mit seiner Hand. Er hält es vorsichtig zwischen den Fingern und zeigt auf seine Nase.

Er sagt: „Die Männchen haben ein kleines, weißes Bärtchen um ihre Nasen, die Weibchen sind dagegen komplett schwarz im Gesicht.“ Im Gegensatz zu den weiblichen Bienen hätten die Männchen keine große Lebensaufgabe. Sie würden keine Blüten bestäuben, sondern nach der Paarung sofort sterben, so der Experte. Doch auch die Weibchen hätten mit einer Zeit von sechs bis acht Wochen eine relativ kurze Lebensdauer, die auf den Frühling beschränkt ist, verrät Reiter.

Bei einem relativ milden Winter kann das schnell zum Problem werden. „Wenn noch nichts blüht, habe ich immer Angst, dass die Bienen nichts zu fressen finden“, sagt er. Damit sie nicht zu früh aus ihren Kokons schlüpfen würden, hatte er sie auch schon einmal in seinem Kühlschrank gelagert. „Das ging leider schief“, erzählt er und muss grinsen. Bei den Temperaturen, die in einem normalen Kühlschrank herrschen würden, seien die Bienen bereits herumgeflogen, so der Mörslinger.

Was man bei den Wildbienen beachten sollte

In seiner Familie begeisterte Reiter immer mehr Menschen von seinen Wildbienen. „Sogar meine Schwester in Augsburg hat ein Bienenhaus an ihrem Balkon im vierten Stock“, sagt er.

Viel würden die Wildbienen nicht brauchen, um glücklich zu sein. In seinen Anfängen habe er noch mit verschiedenen Holzvarianten experimentiert. Heute weiß der 72-Jährige, dass die Bienen am liebsten Buche mögen. Faserige Holze sowie Fichte oder Kiefer kämen bei den Tieren nicht ganz so gut an.

Gerhard Reiter hat seine eigenen Wildbienen im Garten. Ein Loch für sie sollte zwischen vier und zehn Millimeter groß sein.
Bild: Tanja Ferrari

Alles, was einen Durchmesser von vier bis zehn Millimeter hat, ist für die Bienen ein möglicher Nistplatz. „Auch Bambus- und Papierröhrchen mögen die Bienen, wenn sie hinten verschlossen sind“, sagt er. Ansonsten gelte es, auf wetterfestes Material zu achten. Da die Bienen es gerne sonnig mögen, sei eine Ausrichtung des Häuschens in Ost- oder Südrichtung sinnvoll. Auch im Winter bräuchten die Bienen nicht viel Aufmerksamkeit.

Drei Wochen fliegen die rotbraunen Bienen noch fleißig mit ihren mit Blütenstaub verschmierten Nasen durch Reiters Garten und bestäuben seine Sträucher, Bäume und Pflanzen, bevor sich ihr Nachwuchs im nächsten Jahr zurückmeldet. So sieht für den Mörslinger gelebter Artenschutz vor der eigenen Haustür aus.

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