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Bachhagel

22.06.2019

Wie ein Rentnerpaar aus Bachhagel Wertvolles aus Dosenlaschen macht

Günter und Lotte Moll aus Bachhagel fertigen Taschen und Lampenschirme aus Dosenlaschen. Die haben sie armen Kindern in Kambodscha abgekauft, die Dosen am Strand sammeln. Die Erlöse ihrer Produkte lassen die beiden den Kindern zugutekommen.
Bild: Andreas Schopf

Lotte und Günter Moll aus Bachhagel verarbeiten Dosenlaschen zu Taschen, Schmuck und Lampen. Damit wollen sie armen Kindern in Kambodscha helfen. Die Produkte sind derzeit in der Nachbarschaft ausgestellt.

Lotte und Günter Moll waren vor drei Jahren im Urlaub in Kambodscha. Ein schönes Land mit sehenswerten Kulturdenkmälern und naturbelassenen Stränden. Aber auch großer Armut. Das bekommen die reiselustigen Rentner aus Bachhagel zu spüren. Am Strand sehen sie Kinder, die nicht in die Schule gehen können, sondern Getränkedosen aus Aluminium sammeln, um damit Geld für ihre Familien zu verdienen. Dosen, die vor allem Touristen gekauft und weggeworfen haben. „Es sind erbärmliche Zustände“, betont Lotte Moll. Zustände, die den beiden nahegehen. „Wir hatten sofort Mitleid mit den Kindern“, erinnert sich Günter Moll.

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Die Bachhagler zahlen einen Dollar für 100 Dosenlaschen

Die beiden überlegen sich, wie sie den Kindern helfen können. Sie geben ihnen etwa Schokolade oder Bonbons. Aber nicht nur das. Lotte Moll hat einen Beitrag über eine Brasilianerin gesehen, die Taschen aus Dosenlaschen herstellt und verkauft. Die 78-Jährige, die gerne häkelt, will das selbst ausprobieren. Die Molls kaufen den Kindern die Dosenverschlüsse ab. 100 Stück für einen Dollar – viel Geld in einem armen Land wie Kambodscha. Da die meisten Kinder nicht zählen können, müssen die Bachhagler ihnen erst einmal zeigen, wie viel 100 ist. Dann probiert sich Lotte Moll an ihrer ersten Tasche. Dosenverschlüsse zu einem schönen Beutel zusammenzuhäkeln ist gar nicht so leicht. „Ich habe geflucht und mich furchtbar geplagt“, erinnert sie sich. Moll fuchst sich hinein, studiert Anleitungen im Internet. Und stellt ihre erste Tasche fertig. Auf die ist sie stolz, sie hat sie bis heute.

Angespornt vom ersten Erfolg macht Moll weiter. Zu Hause fertigt sie weitere Taschen an, jede von ihnen auf eine etwas andere Art, dazu Halsketten, Armreife oder Gürtel. Auch ihr Mann unterstützt sie. Der 80-Jährige steckt Dosenverschlüsse zu einem Lampenschirm zusammen und verbindet diesen mit einem selbst gebastelten Ständer aus einer Glasflasche – fertig ist eine ganz besondere Leuchte. Zuletzt kamen die Bachhagler jedes Jahr wieder zum Urlaub nach Kambodscha. Die Kinder erkannten sie sofort wieder und brachten ihnen tausende Dosenlaschen. „Wir hatten Sorge, dass wir sie überhaupt alle im Flugzeug transportieren können“, sagt die 78-Jährige. Aber es klappte. Bis heute haben sie rund 30000 der Teile sammeln lassen. Viele sind bereits verarbeitet, ein Teil lagert noch zu Hause im Keller.

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Es gibt Kritik anderer Touristen

Die Bachhagler hören immer wieder Kritik anderer Touristen an ihren Sammelaktionen. Sie würden Kinderarbeit unterstützen, die Väter der Kinder würden das Geld vertrinken, heißt es. Die Molls sehen das nicht so. Sie wollen den Kindern helfen, die ohnehin Dosen sammeln müssen. „Das kann man so oder so sehen“, sagt Lotte Moll. Ihr Mann betont: „Wenn man die leuchtenden Kinderaugen sieht, kann man nicht anders.“

Die Rentner stecken viel Zeit in ihr soziales Hobby. Um 2000 Teile zu einer Tasche zusammenzuhäkeln, braucht Lotte Moll schon mal 40 Stunden. Auch ihr Mann verbringt zwei Tage, um einen Lampenschirm aus rund 500 Dosenlaschen zu fertigen. Die Gegenstände behielten und verwendeten sie zunächst selbst. Doch irgendwann wurde es zu viel. Sie fingen an, ihre Handarbeitsprodukte im Familien- und Bekanntenkreis zu verschenken, mittlerweile verkaufen sie auch – zum guten Zweck, versteht sich. Im vergangenen Winter hatten die Molls erstmals einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Herbrechtingen, wo sie ihre selbst gefertigten Produkte verkauften. Die Einnahmen investierten die Bachhagler in Schulmaterial für Kinder in Kambodscha.

Produkte sind derzeit in Heidenheim ausgestellt

Derzeit sind die Produkte aus Dosenlaschen in Heidenheim ausgestellt, im Café Lieblingsplatz im Brenzpark. Mit dem Geld, das mögliche Verkäufe bringen würden, möchten die Molls weiterhin Kinder im südostasiatischen Land unterstützen. Noch einmal dorthin reisen möchten sie aber nicht mehr. Die langen Flüge und das heiße Klima sind den Rentnern zu anstrengend geworden. Vielmehr suchen sie derzeit eine Möglichkeit, wie sie von Deutschland aus spenden können – und das möglichst direkt in ein Projekt vor Ort. Die Bachhagler misstrauen großen Hilfsorganisationen. Ihre Sorge: Gelder könnten durch Korruption versickern.

Wer Interesse an den Produkten hat oder mit Lotte und Günter Moll in Kontakt treten möchte, kann unter folgender E-Mail-Adresse schreiben: lotte.moll@t-online.de

In Bachhagel gibt es auch ein anderes soziales Projekt: Sie wollen mit Sprüchen die Herzen der Menschen berühren

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