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Landkreis Dillingen

22.02.2021

Wie es um die heimischen Vögel im Landkreis Dillingen steht

43 Kiebitz-Brutpaare werden im Landkreis Dillingen derzeit betreut. Heuer sollen noch mehr Maßnahmen umgesetzt werden. Immer öfter werden Sichtungen während der Feldarbeit von neu entdeckten Nestern weitergegeben.
Bild: Sieglinde Senser (Archiv)

Auch heuer sollen im Landkreis Dillingen wieder spezielle Maßnahmen für Wiesenbrüter umgesetzt werden. Der Landesbund für Vogelschutz meldet indes so wenige gemeldete Tiere in den Gärten wie noch nie.

Seit 2015 läuft das Biodiversitätsprojekt „Wiesenbrüter-Brutplatzmanagement Schwaben“. Das Donauried im Landkreis Dillingen ist einer von sieben Kernlebensräumen für Wiesenbrüter in Schwaben. Hier organisiert der Landschaftspflegeverband unter dem Dach von Donautal-Aktiv die Maßnahmen zu diesem Projekt. In den vorangegangenen Jahren hat sich eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Region entwickelt.

Während der Brutsaison werden mehrere sogenannte „Wiesenbrüterberater“ von Donautal-Aktiv eingesetzt. Sie machen die Nester auf den Feldern ausfindig, nehmen dann mit den Landnutzern Kontakt auf und sprechen die notwendigen Maßnahmen ab. Ziel ist dabei stets, kleinere, wo es möglich ist auch größere Bereiche, um das Nest von weiterer Bewirtschaftung vorübergehend auszusparen, damit aus den Gelegen junge Vögel schlüpfen und flügge werden können. Die Landwirte erhalten dafür aus Naturschutzmitteln einen finanziellen Ausgleich.

Viele positive Erfahrungen bei der Projektumsetzung

Laut einer Pressemitteilung sind die in Frage kommenden Maßnahmen einfach, praxisnah und nur auf das jeweilige Jahr begrenzt. Am häufigsten kommt die Maßnahme „Bewirtschaftungsfenster“ zum Einsatz: Ein kleiner Bereich ums Nest wird bei der Bodenbearbeitung ausgespart. Daneben wird aber auch auf ganzen Feldstücken eine Bewirtschaftungsruhe während der Brutzeit angestrebt, vorzugsweise um natürliche Mulden, um so für die Vögel Rückzugsinseln anzubieten. Auch eine verspätete Maisaussaat, zur Schaffung eines zeitlichen Vorsprungs für die Vögel, hat sich sehr bewährt und wird weiterhin angeboten. Der finanzielle Ausgleich für die Landwirte orientiert sich am Deckungsbeitrag für die jeweilige Feldfrucht. Die Auszahlung erfolgt nach der Saison durch die Untere Naturschutzbehörde.

Im Jahr 2020 sind im Donauried zwischen Aislingen und Gremheim solche Maßnahmen von knapp 30 Landwirten auf rund zehn Hektar Ackerland umgesetzt worden. In diesem Jahr ist das Ziel laut Pressemitteilung, noch mehr größerflächige Maßnahmen umzusetzen. Denn es hat sich gezeigt, dass die Jungvögel auch ein Nahrungsproblem haben. Vor allem die zuletzt sehr trockenen Frühjahre setzen den Vögeln zu.

Mit den Bauern und Bäuerinnen wurden bisher bei der Projektumsetzung durchweg positive Erfahrungen gemacht. Es hat sich ein echtes Interesse daran entwickelt, dass die fürs Donauried so typischen Bodenbrüter Kiebitz und Brachvogel erhalten bleiben.

Immer öfter werden Sichtungen während der Feldarbeit von neu entdeckten Nestern oder kleinen Jungvögeln direkt an die Gebietsbetreuer weitergegeben, heißt es in der Pressemitteilung. Im vergangenen Jahr wurden in den Projektgebieten 43 Kiebitz-Brutpaare betreut.

"Stunde der Wintervögel" stößt im Landkreis Dillingen auf Interesse

Die Zahl flügge gewordener Jungvögel ist zwar noch nicht ganz zufriedenstellend; sie zeigt aber, dass sie auf einem guten Weg sind. Um den Wiesenbrütern auch in Zukunft im Landkreis Dillingen gute Chancen auf Bruterfolg zu ermöglichen, ist es wichtig, dass weiterhin alle Beteiligten an einem Strang ziehen und Maßnahmen zur Lebensraumverbesserung umgesetzt werden.

Eine noch größere Resonanz als bei der Zählung im Frühjahr konnte das Team der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Dillingen für die Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ im Landkreis verbuchen. Im Vergleich zur vorhergehenden Zählung ist die Anzahl der Teilnehmer laut Pressemitteilung um 25 Prozent gestiegen.

Kreisgruppen-Vorsitzende Anne Vogel vermutet, dass wohl die derzeitigen Kontaktbeschränkungen dazu beitrugen, dass das Interesse an der Natur vor der Haustür wieder vermehrt vorhanden ist. Zahlreiche Rückfragen bei der Kreisgruppe lassen diesen Schluss zu. Im Schnitt wurden dieses Jahr allerdings nur 35 Vögel pro Garten beobachtet und somit so wenige wie noch nie. Die geringere Anzahl könnte damit zusammenhängen, dass es heuer außerhalb von Gärten genug zu fressen gab. Die Vögel waren dadurch vorübergehend weniger auf Unterstützung in den besiedelten Bereichen angewiesen und kamen deshalb seltener an die Futterstellen.

Weniger Meisenarten im Landkreis Dillingen gezählt

Im Landkreis Dillingen sicherte sich der Haussperling bereits zum dritten Mal den Spitzenplatz bei der „Stunde der Wintervögel“, während sein Verwandter, der Feldsperling, den zweiten Platz belegte. Es folgen Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Grünfink.

Für eine besondere Überraschung sorgten in diesem Winter große Schwärme von Wacholderdrosseln. Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten dem LBV laut Pressemitteilung, wie die amselgroßen, relativ auffälligen Vögel „gefühlt überfallartig beerentragende Sträucher und Bäume anflogen und dann weiterzogen“.

Leider wurden bei der Winterzählaktion wiederum weniger Meisenarten gesichtet. Die LBV-Kreisgruppe bietet daher artgerechte spezielle Nistkästen an, in denen die Vögel unterkommen können. Unter Brutplatzverlusten leidet auch der Mauersegler, der vor allem hohe Gebäude bevorzugt. Auch hier kann die Kreisgruppe auf Bestellung fassadenangepasste Nistkästen liefern.

Ganz erfreut hat Kreisgruppenvorsitzende Vogel auch den Wertinger Nistkastenwettbewerb registriert, der eine tolle Idee zur Unterstützung des Brutgeschehens im dortigen Raum darstellt. (pm)

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