1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Wie gesund ist das Wasser?

Lauingen

13.11.2014

Wie gesund ist das Wasser?

Das Trinkwasser in Lauingen hat einen Nitratgehalt von 25,6 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt laut Trinkwasserverordnung bei 50 Milligramm pro Liter.
Bild: von Neubeck

Tierschützer blicken besorgt auf den Nitratwert in Lauingen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt allerdings Entwarnung

Das Wasser sei in Gefahr – davor warnte Dr. Elisabeth Heinz, Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Dillingen, bei der Petitionsübergabe des Aktionsbündnisses „Stoppt den Sausall“ an Landrat Leo Schrell. „Aus dem Lauinger Wasser dürften Hipp und Alete keine Babynahrung herstellen“, sagte Heinz. Denn für die gewerbliche, industrielle Produktion von Babynahrung gelte ein Grenzwert von zehn Milligramm Nitrat pro Liter, das Lauinger Wasser hingegen habe 2013 bei rund 28 Milligramm pro Liter gelegen. „Wir dürfen keine weiteren Mastställe zulassen, wenn wir sicherstellen wollen, dass das Trinkwasser nicht schlechter wird“, so Heinz.

Der Grenzwert – jenseits industrieller Produktion für Babynahrung – bei Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser. Auf der Internetseite der Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen können die Bürger die Wasseranalyse vom Juni 2014 einsehen. Demnach enthält das Lauinger Wasser 25,6 Milligramm Nitrat pro Liter, das Dillinger hingegen unter 0,5 Milligramm. Wie der höhere Lauinger Wert zustande kommt, erklärt DSDL-Werkleiter Wolfgang Behringer: „Das Nitrat kommt aus der Landwirtschaft. Der Gehalt ist in oberflächennahem Grundwasser höher. In Lauingen gibt es einen Flachbrunnen, das Wasser kommt aus 27 Metern Tiefe. In Dillingen wird das Wasser aus 150 Metern Tiefe aus einem Tiefbrunnen gefördert.“ Eine Steigerung der Werte kann Behringer nicht beobachten: „Die Nitratwerte der Wasserversorgung in Lauingen sind seit 15 Jahren unverändert.“ Der Messwert sei gesundheitlich nicht bedenklich, die Obergrenze sei sehr niedrig angesetzt. „Es gab nie Probleme, das ist ein sehr gutes Trinkwasser.“ Das Lauinger Wasser könne ohne Bedenken getrunken werden.

Auch Claudia Schuller, Pressesprecherin vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagt, dass der in Lauingen gemessene Wert „vollkommen unbedenklich“ ist. „Der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter wurde ja mit einem gewissen Sicherheitspuffer festgelegt“, sagt sie. Und in der Industrie würde man sich mit niedrigeren Grenzen „doppelt und dreifach absichern“. Ob der Nitratwert im Grundwasser steigt, hänge vom Verhalten der Landwirte ab: „Es kommt darauf an, ob sich die Landwirte korrekt verhalten und die Felder nicht überdüngen. Wenn zu viel gedüngt wird, können die Werte natürlich steigen“, so Schuller.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Hohe Nitratwerte als Folge intensiver Landwirtschaft

Wie berichtet, hatte der Bund Naturschutz vor einigen Wochen vor hohen Nitratwerten als Folge intensiver Landwirtschaft gewarnt und eine Risikoanalyse des Landesamtes für Umwelt zitiert, nach der im Jahr 2021 38 Prozent des Grundwassers mit Giftstoffen belastet sein könnten.

Bei dieser Analyse würden nach Angaben des Landesamtes für Umwelt strengere Werte als der gesetzliche Schwellenwert der Grundwasserverordnung herangezogen. Für Nitrat bedeutet dies, dass es bereits ab einer Konzentration von 37,5 Milligramm pro Liter zu einem Risiko der Zielverfehlung im Jahr 2021 kommen kann – auch Teile des Landkreises Dillingen könnten nach Angaben des Landesamtes für Umwelt Gefahr laufen, das Ziel nicht zu erreichen.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, gibt es seit 25 Jahren eine Rahmenvereinbarung zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung zwischen der Bayerischen Rieswasserversorgung und dem Bauerverband im Kreis. In den Wasserschutzgebieten bei Schwenningen, Blindheim und Steinheim darf keine Gülle ausgefahren werden. „Anfang der 90er Jahre lag der Nitratwert bei 24 Milligramm pro Liter. Nun sind es 16“, sagt Christof Lautner, Werksleiter der Bayerischen Rieswasserversorgung.

Die Gülle, die auf die Felder im Landkreis Dillingen gebracht wird, stammt nach Angaben von Tina Langhaeuser vom Aktionsbündnis „Stoppt den Saustall“ von rund 300000 Masthähnchen, 250000 Puten sowie 20000 Mastschweinen und über 500 Zuchtsauen, die in den genehmigungspflichtigen Anlagen im Landkreis Dillingen gehalten werden. So würden 48000 Tonnen Mist und Gülle produziert. 47000 im Landkreis gehaltene Rinder (Zahl aus dem Jahr 2010) trügen zudem 650000 Tonnen Gülle und 6,8 Milliarden Liter Methangas bei.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren