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Dillingen

10.03.2020

Wie kriminell ist der Landkreis Dillingen?

Vorsicht, Einbrecher! Im Landkreis Dillingen wurden im vergangenen Jahr 28 Wohnungseinbrüche gemeldet – mehr als im Jahr davor.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Bei Diebstählen, Drogendelikten und Sexualstraftaten steigt die Zahl der Delikte. Und auch Unfälle passieren häufiger. So viele wie 2019 gab es lange nicht. Diese Grafiken zeigen die Entwicklung.

Eines stellt Kripo-Chef Michael Lechner abseits aller Statistiken klar: „Wir leben in Nordschwaben in einer sicheren Region.“ Gewisse Delikte, wie zum Beispiel Vergewaltigungen im öffentlichen Bereich, kämen in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen, für welche die Dienststelle zuständig ist, so gut wie gar nicht vor. Auch die Zahl der Einbrüche durch osteuropäische Banden sei stark gesunken. Dies spiegelt sich ein Stück weit in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wider, die das Polizeipräsidium Schwaben Nord in dieser Woche veröffentlicht hat.

Die gute Nachricht für den Landkreis Dillingen: Die Zahl der erfassten Straftaten war in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal niedriger als 2019. Insgesamt 2828 Straftaten wurden registriert, 26 Fälle mehr als im Vorjahr. Lässt man Verstöße gegen das Ausländerrecht weg, sind es noch 2741 Fälle. Einige Delikte fallen in der Statistik besonders ins Auge.

Mehr Diebstähle und Rauschgiftdelikte im Landkreis Dillingen

So wurden 2019 bei einigen sogenannten „Bedeutenden Deliktgruppen“ deutlich mehr Verstöße gemeldet: Die Zahl der Diebstähle stieg im Vergleich zum Vorjahr etwa um 76 auf 706. Zudem wurden 18 Rauschgiftdelikte mehr gemeldet (insgesamt 199). Bei einer Razzia in Dillingen wurden etwa kiloweise Drogen beschlagnahmt. Nicht nur diese Aktion habe gezeigt, dass in der Region „richtig Drogen da sind“, sagt Lechner. 19 größere Verfahren verzeichnete die Kripo in diesem Bereich. In Nordschwaben seien 2019 zudem acht Menschen an den Folgen des Rauschgiftkonsums gestorben, drei davon im Landkreis.

Und auch mehr Sexualstraftaten wurden verübt: Diese Zahl stieg im Landkreis von 45 auf 57.

Doch wie kommt das? Katharina von Rönn, Sprecherin der Polizei in Dillingen, hat eine mögliche Erklärung: Sexualstraftaten und Drogendelikte würden durch das Internet begünstigt, sagt sie. Die Verbreitung pornografischer Schriften, sexuelle Beleidigungen oder der Handel mit Kräutermischungen spielten sich zunehmend online und im Dark Web ab. Aber auch soziale Netzwerke seien, besonders bei sexuellen Beleidigungen, im Fokus. „Darauf greifen einfach immer mehr Menschen zu“, sagt von Rönn. Vor allem auch bei Jugendlichen seien Instagram und Co. beliebt. „Die Jugend ist da sehr geschult. Sie kennt sich mit Medien aus.“

Dass die Zahl der Diebstähle steigt, kann von Rönn auf keinen eindeutigen Faktor zurückführen. Meistens würden Geldbeutel, Fahrräder oder auch Handys geklaut. Dinge, die sich schnell veräußern lassen. Im vergangenen Sommer habe es etwa Diebstahlserien gegeben, bei denen an Badeseen abgestellte Autos aufgebrochen und Handys sowie Geldbeutel daraus gestohlen wurden. „Das müssen nicht zwangsläufig Banden sein“, erklärt von Rönn auf Nachfrage. „Viel passiert im Alltag. Da lässt etwa jemand seinen Geldbeutel liegen und ein anderer findet ihn und behält ihn einfach.“ Gelegenheit schaffe Diebe.

Die Aufklärungsquote liegt bei 70 Prozent

Insgesamt sind Einbrecher außerdem in 28 Wohnungen im Landkreis Dillingen eingebrochen, zwei mehr als im Vorjahr. Eine Entwicklung, die von Rönn merklich ärgert. Die Dillinger Beamten, erklärt sie, fahren besonders zur Dämmerungszeit mehr Streife, um potenzielle Einbrecher abzuschrecken.

Aus der Statistik gehen aber auch positive Entwicklungen hervor: Im Landkreis Dillingen wurden 2019 deutlich weniger Körperverletzungen und Tötungsdelikte, nämlich 109 (2018: 139), registriert. Auch die Zahl der Beleidigungen und Sachbeschädigungen ist laut Statistik rückläufig. Und: Die Aufklärungsquote liegt mit 70,1 Prozent drei Prozentpunkte höher als im bayerischen Durchschnitt.

Doch es gibt noch eine negative Entwicklung: Die Zahl der Verkehrsunfälle nimmt im Landkreis seit Jahren zu. 2019 ereigneten sich 109 mehr als 2018 (insgesamt 2341). Höher war dieser Wert in den vergangenen zehn Jahren – so weit reicht die Statistik – nicht. Die meisten Unfälle passieren beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren oder, weil der nötige Sicherheitsabstand nicht eingehalten wurde.

Nur drei Prozent der Unfälle sind laut Statistik auf Alkohol zurückzuführen. Von Rönn erklärt: „Alkohol nimmt seit einiger Zeit stark ab.“ Sie vermute, das habe damit zu tun, dass die Menschen heute noch mehr auf ihren Führerschein angewiesen sind als früher. „Das Bewusstsein ist heute mehr da, dass sich Alkohol und Fahren nicht vertragen.“

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Personen bewegt sich seit Jahren auf ähnlichem Niveau. 2019 waren es 434, 2018 465. Eine Person ist im vergangenen Jahr bei einem Unfall gestorben, genau wie 2018. In den Jahren davor waren es durchschnittlich acht. Auch wenn jeder Tote zu bedauern sei, sagt von Rönn: „Das ist Glück im Unglück, das ein so großer Landkreis so glimpflich davonkommt.“ Viele tödliche Unfälle seien auf Alkohol und Raser zurückzuführen. „Vielleicht haben die verstärkten Kontrollen Wirkung gezeigt.“

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