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Gundelfingen

28.07.2020

Wie umweltfreundlich ist das neue Baugebiet in Gundelfingen?

In Gundelfingen entsteht ein neues Baugebiet. Im Stadtrat gibt es Gegenwind von den Grünen.
Bild: Mathias Wild (Archiv)

Im Gundelfinger Stadtrat geht es um das geplante Areal „Oberer Ehla V“ – und drei Anträge der Grünen.

Die Angelegenheit zieht sich in die Länge. Mehr als 100 Seiten an Stellungnahmen muss der Gundelfinger Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung durcharbeiten. Es geht um das geplante Baugebiet „Oberer Ehla V“ im Süden der Stadt. Dort will ein Investor rund 40 Bauplätze schaffen. Zwischen Mitte Mai und Ende Juni sind zum Bebauungsplan zahlreiche Rückmeldungen von Bürgern und Behörden eingegangen. Die Anliegen alle zu behandeln, braucht Zeit.

Überwiegend geht es dabei um die Anbindung des neuen Baugebietes, die Verkehrsführung während der Bauzeit und den Lärmschutz. Nach eingehender Beratung wird beispielsweise entschieden, dass die Anbindung weiter über das Ehla führen soll und der Siebenviertelweg für die Landwirtschaft erhalten bleibt. Nach einer ausführlichen Untersuchung der Lärmbelastung stellen die Verantwortlichen fest, dass die Grenzwerte deutlich unter den gesetzlichen Bestimmungen bleiben.

Gundelfingen fehlten innovative Ansätze

Gegenwind kommt von den Grünen-Stadträtinnen Josefine Lenzer und Roswitha Stöpfel, zwei Neulingen im Stadtrat. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht“, beginnt Lenzer. Sie kritisiert die Planungen der Stadt in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. „Innovative und zeitgemäße Ansätze fehlen“, sagt sie mit Blick auf das geplante Baugebiet. Dabei müsse man angesichts des Klimawandels jetzt handeln. „Die Stadt kann ein Zeichen setzen.“ Eigentlich, so Lenzer, müsse man den Bebauungsplan in der aktuellen Form ablehnen. Sie gehe jedoch nicht davon aus, dass ein solches Vorgehen auf Zustimmung im Stadtrat stoßen wird. Also stellen die Grünen insgesamt drei Anträge. Zum einen fordern sie, dass Grundstückskäufer dazu verpflichtet werden, Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) herzustellen oder zumindest die Voraussetzungen dafür vorzuhalten. Zum anderen soll das Gebiet tagsüber als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden. Außerdem soll, so der Wunsch der Grünen, der Grundsatzbeschluss gefasst werden, der bei Mehrfamilienhäusern überdachte Fahrradstellplätze mit E-Tankstelle vorschreibt.

Soll es eine Pflicht für PV-Anlagen geben?

Der Wunsch auf Verkehrsberuhigung wurde bereits bei der Planbilligung aufgenommen. Zu den beiden anderen Anträgen gibt es diverse Wortmeldungen aus dem Stadtrat. Werner Lohner (CSU) sagt, dass PV-Anlagen grundsätzlich als positiv zu bewerten seien. Man könne hierfür mit Zuschüssen Anreize schaffen. Doch es gebe auch die andere Seite der Medaille. Man könne Bauherren, die ohnehin finanziell stark belastet sind, nicht auch noch diese Kosten auferlegen. Dazu komme der Aspekt der elektromagnetischen Strahlung. „Ich möchte nicht alles dem Diktat der erneuerbaren Energien überlassen“, sagt Lohner. In die gleiche Richtung argumentiert Parteikollege und Dritter Bürgermeister Florian Steidle. „Umwelt- und Naturschutz ist ein zentrales Thema unserer Zeit“, sagt er.

Mit einer Verpflichtung zu PV-Anlagen greife man jedoch in die Entscheidungsfreiheit der Bauherren ein. Auch Joachim Matheis (FDP) betont: „Ich bin gegen eine Verpflichtung.“ Roswitha Stöpfel stellt daraufhin klar, dass der Antrag lediglich auf das Vorhalten der Anlagen, etwa durch Leerrohre, abzielt. „Wenn man nichts regelt, wird auch wenig gemacht“, sagt Stöpfel. Es gebe viele Möglichkeiten, den „Häuslebauer“ zu unterstützen, beispielsweise mit Investoren. Jürgen Hartshauser (SPD) hält dagegen, dass man auch so jederzeit ein Haus mit PV-Anlagen nachrüsten kann. Dies hätten viele Gundelfinger bereits getan. Es kommt zur Abstimmung. Bis auf die Grünen-Stadträtinnen lehnen alle im Gremium den Antrag ab. Gleiches gilt für die Forderung nach überdachten Fahrradstellplätzen.

Gundelfingen investierte in die Schuldentilgung

Eingearbeitet wurden stattdessen auch einige Forderungen von Behörden. Zudem ist eine Änderung des Flächennutzungsplans notwendig. Der überarbeitete Entwurf wird jetzt zur förmlichen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden ausgelegt.

Im Rahmen der Stadtratssitzung ist die Jahresrechnung für 2019 vorgestellt worden. So konnten im vergangenen Jahr mehr als 630.000 Euro für den Vermögenshaushalt erwirtschaftet werden. Zudem wurden gut 300.000 Euro in die Schuldentilgung überführt. Sie liegen damit nur noch bei etwa 6,2 Millionen Euro, während die Rücklagen der Stadt 11,2 Millionen Euro betragen. Der Gesamtetat lag bei rund 26,5 Millionen Euro. Das Zahlenwerk wird jetzt dem örtlichen Rechnungsprüfungsausschuss vorgelegt. (mit pm)

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