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Landkreis Dillingen

24.11.2019

Wie viele weiße Flecken gibt es im Landkreis Dillingen?

Auch im Landkreis Dillingen gibt es in vielen Orten keinen verlässlichen Handyempfang. Dass die Verantwortung damit an die Kommunen abgegeben wird, findet nicht überall Zustimmung.
Bild: Horst von Weitershausen

Plus Noch immer gibt es in vielen Kommunen Funklöcher. In einigen Gemeinden hakt es mit dem Handyempfang sogar besonders stark. Das Förderprogramm des Freistaats findet jedoch nicht überall Zuspruch

Ein kurzer Anruf, eine schnelle SMS oder flott ein Bild versenden – das Smartphone befindet sich in Deutschland beinahe in jeder Tasche. Doch selbst wenn das Gerät neue Funktionen und Techniken haben mag, wer im Landkreis in bestimmten Gegenden unterwegs ist, steht noch immer vor einem Problem: In vielen Orten ist die Mobilfunkabdeckung dürftig. Wer beispielsweise zwischen den Aschberggemeinden Ellerbach und Fultenbach unterwegs ist, der muss nicht lange auf das nächste Funkloch warten.

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Auch Bissingen, Lutzingen und Wertingen sollen weiße Flecken haben

Dasselbe gilt nach Angaben des Bayerischen Mobilfunkzentrums auch für die Gemeinden Bissingen, Blindheim, Lutzingen, Finningen, Schwenningen und Zöschingen. Ebenso sollen die Städte Höchstädt und Wertingen noch die ein oder anderen sogenannten weiße Flecken in der Abdeckung haben.

Dieser Umstand soll jedoch bald ein Ende haben, zumindest wenn es nach der Bundesregierung geht. Rund 1,1 Milliarden Euro sollen in eine neue Mobilfunkstrategie investiert werden. Mit knapp 5000 neuen Funkmasten will der Bund dort unterstützen, wo die Einrichtung für Mobilfunkanbieter nicht rentabel ist. Seit knapp einem Jahr gibt es auch ein bayernweites Programm, das sich an jene Kommunen richten, die selbst aktiv werden wollen und die Versorgung vor Ort verbessern möchten. Dafür wurde sogar ein neues Mobilfunkzentrum gegründet, das bei der Regierung der Oberpfalz angesiedelt ist.

Wie viele weiße Flecken gibt es im Landkreis Dillingen?

Zwei Masten, zwei Anbieter: Zöschingen hat keine Probleme

Doch nicht überall findet diese Strategie Zustimmung. Tobias Steinwinter, Bürgermeister der Gemeinde Zöschingen, zeigt sich skeptisch: „Ich finde nicht, dass für dieses Versorgungsproblem die Kommunen verantwortlich gemacht werden sollten.“ In Zöschingen gebe es inzwischen zwei Masten von verschiedenen Anbietern. Als sich die Gemeinde Ende 2017 für diesen Schritt entschieden hatte, sei der Mast komplett von der Telekom finanziert worden, berichtet der Rathauschef. Zwar sei es nicht ganz einfach gewesen, doch letztlich habe der Ausbau gut funktioniert. Ehemalige Funklöcher gehören nun in Zöschingen der Vergangenheit an, berichtet er. Dass Kommunen mit weißen Flecken durch das Förderprogramm des Freistaats knapp 20 Prozent der Baukosten eines solchen Mastes mitfinanzieren sollen, findet der Rathauschef fragwürdig. „Die Bürger machen Druck und die Regierung gibt ihre Aufgabe an die ohnehin überlasteten Gemeinden und Städte ab“, kritisiert er.

Stattdessen hält Steinwinter es für sinnvoll, über ein lokales Roaming nachzudenken. Dabei könnten Masten sich gegenseitig bei der Versorgung aushelfen und der jeweilige Netzbetreiber würde nicht länger eine Rolle spielen. Doch für ein verpflichtendes deutschlandweites Roaming gibt es im Telekomunikationsrecht aktuell keine Grundlage. Auf der lokalen Ebene könnte dieses jedoch ab Ende 2020 durch eine EU-Richtlinie verpflichtend werden.

In Laugna tun sich Handynutzer schwer

Nach Angaben von Verwaltungsmitarbeiter Manuel Gillich ist die Netzversorgung im Wertinger Gebiet beispielsweise sehr gut. Dass es Unterschiede bei den einzelnen Betreibern geben kann, schließt er aber nicht aus. Dass das für Laugna nicht zutrifft, weiß allerdings Bürgermeister Johann Gebele. „Weiße Flecken gibt es bei uns genügend“, erklärt der Rathauschef. An vielen Orten der Gemeinde könne gar nicht oder nur schlecht telefoniert werden.

Dass das auch für Rettungsdienste ein großes Problem darstelle, seit sie auf den Digitalfunk umgestellt haben, hält Gebele für ein großes Problem. Schon beim Breitband würde die Gemeinde selbst aktiv ausbauen. Dass jetzt auch die Mobilfunkabdeckung auf die Kommunen abgewälzt wird, findet der Bürgermeister schwierig: „Die Netzanbieter reagieren gar nicht auf eine einzelne kleine Gemeinde.“ Grundsätzlich wünsche er sich eine klare Lösung vonseiten des Staats. Denn Fakt sei, dass die einzelnen Kommunen bereits eine Vielzahl von Aufgaben erfüllen müssten. Besonders finanziell sei das eine Herausforderung, berichtet Gebele.

Was im Aschberg passieren soll

Auch in der Aschberggemeinde Holzheim macht sich Bürgermeister Erhard Friegel Gedanken über den Handyempfang in einigen Ortsteilen. Er sagt: „Für uns sind die Funklöcher ein großes Problem. Nicht nur für die Anwohner, sondern ebenso für Autofahrer.“ Schon bei der Bürgerversammlung zu Beginn des Jahres sei über einen möglichen Funkmasten diskutiert worden (Schnelles Internet für Holzheim). Inzwischen habe die Gemeinde die ersten Verhandlungen mit der Telekom geführt. Zwischen Ellerbach und Fultenbach soll nun ein Mast für eine bessere Versorgung entstehen. Besonders wichtig sei es, sich in dieser Hinsicht beraten zu lassen, was überhaupt notwendig sei, erklärt der Rathauschef.

Große Probleme in Unter- und Oberliezheim

Aus seiner Arbeit im bayerischen Gemeindetag weiß Friegel, dass viele Orte mit diesem Problem kämpfen. Am südlichen Ende des Landkreises trifft es beispielsweise Lutzingens Bürgermeister Eugen Götz. „Bei uns sind vor allem in den Ortsteilen Unter- und Oberliezheim große Funklöcher“, sagt er. Zwar sei der Gemeinde viel daran gelegen, dem Wunsch der Bürger nach zuverlässigem Handyempfang nachzukommen, doch stehe sie dabei vor mehreren Schwierigkeiten. Neben dem finanziellen Aspekt sei auch die Suche nach einem passenden Standort und Netzbetreiber aufwendig. Zuletzt war ein Markterkundungsverfahren im Rahmen des Bayerischen Mobilfunk-Förderprogramms für Lutzingen durchgeführt worden. Allerdings gebe es aktuell keine Pläne eines Anbieters die Funklücken in der Gemeinde durch einen eigenen Ausbau zu schließen, betont der Bürgermeister.

Bissingen steht in Verhandlungen

Dass bisher noch kein Netzbetreiber gefunden wurde, der den Ort versorgen möchte, beschäftigt auch Bissingens Rathauschef Stephan Herreiner. „Noch stehen wir in Verhandlungen mit Vodafone und hoffen, dass sich daraus vielleicht gerade für Oberliezheim noch etwas ergibt“, erklärt er. Bürger, die im ländlichen Raum wohnen, sollten nicht benachteiligt werden und die gleichen Möglichkeiten haben, wie jene, die in der Stadt wohnen. Dafür müsse eine Gemeinde sorgen. „Richtig ist es allerdings nicht, dass die Verantwortung vom Bund auf die kleinsten Verantwortlichen – uns Kommunen – abgewälzt wird“, betont er. Aus zeitlicher und finanzieller Sicht sei es kaum machbar, all diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Hier gelangen Sie zu einer deutschlandweiten, interaktiven Karte über Funklöcher

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