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Unterthürheim

21.04.2019

Wie wir mit Ostern gelassener werden

Nach dem Winter zeigt uns auch die Natur, was Auferstehung bedeutet. Pfarrer Mathias Kotonski sieht es als wichtig an, sich immer wieder bewusst mit dem Sterben und Vergehen sowie dem Auferstehen zu neuem Leben zu beschäftigen – das, was uns Jesus an Ostern lehrt.
Bild: Birgit Alexandra Hassan

Für Pfarrer Mathias Kotonski aus Unterthürheim erzeugt das Unbewusste die Hektik unserer Zeit. Was uns das Fest um die Auferstehung Jesu lehren kann.

Ostern – Zeit des Leidens, Sterbens und der Auferstehung. Wie das Fest heute zu verstehen ist, darüber sprachen wir mit Pfarrer Mathias Kotonski von der Pfarreiengemeinschaft Buttenwiesen.

Pfarrer Kotonski, Ostern scheint für Sie eine sehr intensive Zeit zu sein, da Sie nicht nur am Altar, sondern auch auf der Theaterbühne stehen.

Mathias Kotonski: Stimmt, ich spiele im dritten Jahr mit den Gottmannshofener Schützen Theater – eine alte Leidenschaft, die schon aus Schulzeiten kommt.

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In welche Rolle schlüpfen Sie?

Kotonski: In die des etwas trotteligen Nachbars Xaver, der einen großen Respekt vor seiner Frau hat. Theaterspielen ist für mich ein Ausgleich zum Alltag. Ich spiele grundsätzlich alles, bloß keinen Pfarrer. Denn wenn ich den zu ironisch spiele, heißt’s, ich mache mich lustig über unseren Berufsstand. Wenn ich’s zu normal angehe, wird’s langweilig.

Und Sie haben gerne Spaß …

Kotonski: Ja. Auch im Fasching bin ich aktiv, texte und singe jedes Jahr ein Lied zu einem aktuellen Thema in der Gemeinde. – Dabei treffe ich vielleicht nicht immer perfekt den musikalischen Ton. Doch hier geht’s mir mehr um den verbalen Ton.

Apropos Ton, inwiefern spielt die Musik eine Rolle an Ostern?

Kotonski: In der Osternacht spielt erstmals die Orgel wieder und es wird festlich gesungen. Das gibt die österliche Freude wieder.

Ostern gilt als das zentrale Fest der Christen. Inwiefern ist das Fest für uns heute noch relevant?

Kotonski: Wir leben in einer sehr hektischen, unruhigen Zeit. Das hängt meiner Ansicht nach mit der Angst vor dem Tod zusammen. Wer denkt, dass mit dem Ende des irdischen Lebens alles vorbei ist, muss alles ins Leben packen. So jemand muss überall gewesen sein und alles haben. Doch Jesus hat uns mit seiner Auferstehung gezeigt, dass es nach dem Sterben – was wir alle müssen – weitergeht. In eine neue Wirklichkeit, die wir nicht fassen können.

Damit werden wir ruhiger?

Kotonski: Wer an ein ewiges Leben glaubt, kann gelassener mit dem Sterben umgehen, und damit auch viel gelassener leben. Leider schwindet dieses Bewusstsein zusehends. Indem sich Menschen vom Glauben abwenden, wird eine Gleichgültigkeit spürbar. Dabei ist das Leben viel mehr als ein Dahinleben im Alltag.

Sagen Sie damit, dass die Menschen den christlichen Glauben brauchen?

Kotonski: Wichtig ist, dass Menschen wieder ein Bewusstsein für das Sterben und das Leben erlangen. Natürlich können das auch andere Bilder als die von uns Christen sein. Wichtig ist, dass sie sich bewusst Gedanken darüber machen, was nach dem Tod kommt. Denn das Unbewusste erzeugt die Hektik.

Lassen Sie uns also nochmals einen bewussten Blick auf die österliche Zeit werfen …

Kotonski: Sie startet am Palmsonntag, an dem sich Jesus auf den Weg macht. Am Gründonnerstag sagt uns Jesus zu, dass er mitten unter uns ist. Er verteilt Brot als lebendiges Zeichen seiner Gegenwart. Wobei im Brot bereits Tod, Vergehen und Leben steckt. Denken Sie nur ans Ernten, Dreschen, Mahlen – etwas wird zerstört, sodass Neues entstehen kann. Am Karfreitag schließlich stirbt Jesus und macht uns klar, dass der Tod Realität, unser Leben „todsicher“ ist.

Und darauf folgt die Osternacht.

Kotonski: Die Osternacht fängt in der dunklen Kirche an, in die die Osterkerze getragen wird. Wie sie erhellt Jesus das Dunkel mit seinem Licht. Mir tut das selbst immer wieder innerlich gut. Auch ich erlebe im Alltag oft Dinge, die mich bedrücken. Das ist mit einem kleinen Sterben gleichzusetzen. Wenn daraus etwas Neues entsteht, ist das wie eine Auferstehung.

Glauben Sie auch an das Sterben und die Auferstehung der Kirche?

Kotonski: Der Mensch ist ein Herdentier. Wer vor 60 Jahren nicht in die Kirche ging, galt als Außenseiter. Man musste schlichtwegs in die Kirche gehen, um – ohne Handy – zu erfahren, was am Nachmittag läuft. Heute ist es umgekehrt. Heute muss sich rechtfertigen, wer in die Kirche geht oder mit 18 Jahren noch Ministrant ist. Ich würde nicht von einem Sterbeprozess der Kirche, eher von einem Umbruchprozess sprechen. Der Weg führt weg von der Volkskirche hin zu einer Entscheidungskirche. Wer heute in die Kirche kommt, entscheidet sich bewusst – ohne soziale Zwänge, weil es ihm wichtig ist.

Braucht es neue Angebote für die Menschen?

Kotonski: In den 70er Jahren haben wir das Angebot unserer Messfeiern enorm ausgeweitet, doch die Zahl der Kirchgänger ging zurück. Pfarrer Ammich und ich gehen in der Pfarreiengemeinschaft Buttenwiesen zu Ostern den umgekehrten Weg. Am Gründonnerstag und Karfreitag gibt’s jeweils nur einen Gottesdienst für alle. Das tut uns und den Gläubigen gut – das gemeinsame Abendmahl und den leidvollen Kreuzgang zusammen in einer vollen Kirche zu begehen.

Sie führen an den beiden Tagen gewissermaßen die ganze Gemeinde zusammen?

Kotonski: Sozusagen. Unter den Ortsteilen gibt es immer mal wieder Spannungen, doch sie ergänzen sich auch wunderbar.

Familiär kommen die Menschen an Ostern ebenfalls zusammen.

Kotonski: Ein gemeinsames Osterfrühstück zu Hause mit den geweihten Speisen aus dem Ostergottesdienst gehört für mich zum Osterfest. Gerade das Gemeinsame tut gut in einer Zeit, wo Familien oft wenig Zeit füreinander haben. Dazu raus in die Natur, mit den Kindern Eier suchen, spazieren gehen und radeln.

Auch weil wir in der Natur derzeit die Auferstehung erleben können?

Kotonski: Ostern fällt ja grundsätzlich auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond, also auf eine Zeit, in der selbst die Nächte heller als sonst sind. Außerdem erwacht natürlich auch die Natur derzeit zu neuem Leben. Sinnlich ist wunderbar wahrzunehmen, wie die Natur aufbricht. Insofern ist es an Ostern wichtig, dass das Wetter passt: Sonne, Wärme, blauer Himmel …

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