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Dillingen

02.01.2018

Wiener Melodienseligkeit im Dillinger Stadtsaal

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4 Bilder
Für einen beschwingten Operettenabend sorgten im Dillinger Stadtsaal Gunther Emmerlich (links) und der musikalische Gesamtleiter Andreas Lübke.
Bild: Pawlu

Großen Beifall gab‘s für die Operettenrevue mit Gunther Emmerlich - die mit einer kleinen Panne begonnen hatte.

Sie begann mit einer Panne und endete mit Bravorufen. „Die große Operettenrevue mit Gunther Emmerlich“ erhielt beim Auftakt zu wenig Bühnenlicht. Am Schluss aber war alles in den Glanz der Wiener Melodienseligkeit getaucht, weil – wie Emmerlich bemerkte – „auch in Dillingen das richtige Licht aufgegangen war“.

Die Benefizveranstaltung zugunsten der Kartei der Not war wieder einmal Günter Schulzke zu verdanken. Der bekannte Augsburger Sänger und Entertainer hatte dafür gesorgt, dass Gunther Emmerlich (Bass) zusammen mit Elisabeth Artmeier (Sopran), Stefanie C. Braun (Sopran), Eugene Amesmann (Tenor) und Mitgliedern des Augsburger Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Andreas Lübke in Dillingen gastierten. Die Biographie der auftretenden Sängerinnen und Sänger ist mit großen Opernbühnen verbunden. Die Attraktivität Gunther Emmerlichs und der Solisten ließ sich auch an der Zahl der Besucher ablesen: Der Stadtsaal war mit Operettenfans nahezu restlos gefüllt.

Ein Foto von der Dresdener Semperoper erinnerte als Bühnenbild daran, dass Gunther Emmerlich in diesem Haus seine größten Trium-phe gefeiert hatte. Beim Dillinger Konzert übernahm er eine Doppel-rolle. Als Bass – beispielsweise mit dem Lied „Im tiefen Keller sitz ich hier“ – ließ er die Wände des Stadtsaals zittern, als Moderator sorgte er mit spaßigen Zitaten, Anekdoten und Gedichten für beschwingte Übergänge zwischen den Gesangsnummern. Gleichsam als Ouvertüre spielte das Oktett der Augsburger Instru-mentalisten die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß. Der Klang war noch ein wenig gewöhnungsbedürftig, weil sich manches zuhörende Ohr an die Präzision erinnerte, mit der dieses Stück von anderen Profis präsentiert wird. Aber als die Augsburger Philharmoniker später den „Can-Can“ aus Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ gestalteten, demonstrierte das Ensemble überzeugend die Brillanz seines Spiels.

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Auch die heitere Stimmung, die Gunther Emmerlich mit sonorer Stimme und lustigen Pointen in den Saal zauberte, motivierte die Gesangssolisten zu jener Beschwingtheit, die ein Grundelement der Operette ist. In diesem Geist lieferte Emmerlich mit Millöckers Bass-Arie „Ach ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst“ einen Diskussionsbeitrag zur gegenwärtigen „Me-Too“-Kampagne. Sensibilität und geschmettertes Triumphgefühl kontrastierten in den Vorträgen Eugene Amesmanns. Lehárs Jubelruf „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ wurde in dieser Interpretation zu einem Motto des Abends. Stefanie C. Braun schuf beispielsweise bei Kálmáns Czárdáslied „Heia in den Bergen“ mit dem charakteristischen Wechsel von Sentiment und Temperament, von musikalischer Elegie und dynamisch rhythmisierter Lebenslust ein Paradebeispiel ungarischer Folklore.

Besonders starken Beifall erhielten die Auftritte der Sopranistin Elisabeth Artmeier. Die „Annenpolka“, die Johann Strauß als „Schwipslied“ in der Operette „Eine Nacht in Venedig“ verwendet hat, wurde zur komödiantischen Glanznummer. Auch bei Kálmáns „Auftrittslied“ aus „Gräfin Mariza“ faszinierte die Sängerin das Publikum mit ihrem Charme und mit der Kultiviertheit ihrer Stimme.

Einen besonderen Schlusseffekt setzte Günter Schulzke, als er sich am Vortrag des Kálmán-Liedes „Jaj, Mamam Bruderherz“ aktiv beteiligte und mit ungarisch akzentuiertem Deutsch daran erinnerte, dass seine Stimme und sein Esprit Musikfreunde seit Jahrzehnten begeistern. Für das Orchester war das Programm schon deshalb eine große Herausforderung, weil bei fast al-len Gesangsnummern die Rhythmusvorstellungen der Vokalsolisten den Charakter des jeweiligen Werks bestimmten. Andreas Lübke leitete das Instrumentalensemble vom Klavier aus mit Einfühlungsvermögen und bewundernswerter Souveränität.

Der orkanartige Schlussapplaus erzwang drei Zugaben. Erst nach dem „Radetzky-Marsch“ leerten sich Bühne und Saal.

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