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Energie

25.07.2017

„Windräder sind für Rotmilane mit Abstand die höchste Gefahr“

Windräder sind für Rotmilane eine große Gefahr, sagen Georg Holzheu und Reimut Kayser. Sie widersprechen Forum-Vorsitzendem Raimund Kamm.
Bild: Gerhard Mayer

Georg Holzheu und Reimut Kayser widersprechen Raimund Kamm energisch

Reimut Kayser, Kreisvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) und Georg Holzheu, NABU Zöschingen, sehen sich veranlasst, zu den Äußerungen von Raimund Kamm, dem bayerischen Landesvorsitzenden des Bundesverband Windenergie (BWE), in unserer Zeitung Stellung zu nehmen. Kamm begründet die mangelnde Stromausbeute des Windparks Zöschingen darin unter anderem mit 1. der relativ geringen Nabenhöhe von 120 Metern 2. den Turbulenzen des WP-Standortes im Wald und der Aufstellung der WEA in zwei Reihen. Weiterhin erklärte er: „Der Rotmilan wird durch die Windkraft nicht beeinträchtigt“ und dass „am 30. April dieses Jahres der Windpark in Zöschingen zum ersten Mal in der Zeit seines Bestehens abgeschaltet wurde.“

Zum ersten Punkt stellen Holzheu und Kayser fest, dass das Fraunhofer Institut mit einem 200 Meter hohen Gittermasten nahe Kassel herausgemessen habe, dass die Windgeschwindigkeit von 120 Meter auf 140 Meter nur um rund 2,7 Prozent zunimmt (Windenergie-Report Deutschland, 2013, Fraunhofer IWES, 2014). „Auf leistungsverminderte Turbulenzen über der Wipfelebene von Waldstandorten haben wir schon 2010 mehrfach öffentlich hingewiesen.“ Die zweireihige Errichtung von Windenergieanlagen in einem größeren Windpark sei absoluter Standard, aber an einem so schlechten, weil windschwachen Standort, schlage eben jede Leistungsminderung zu Buche. „Nicht einzelne technische Planungsfehler sind die Ursache für die Misere, sondern das gesamte Projekt des Windparks überhaupt in einem Bereich generell unzureichender Windgeschwindigkeiten sowohl im Landkreis wie der gesamten Region 9 (Region Augsburg)“, so die beiden Experten. Nicht einmal eine bis zu 63,3 Prozent höhere Stromeinspeisevergütung nach dem EEG in windschwachen Regionen gegenüber windstarken (Fraunhofer IWES, 2017) garantiere Rentabilität.

Von allen zivilisatorisch-technisch bedingten Risiken sind nach Ansicht von Holzheu und Kayser Windenergieanlagen mit Abstand die größte Gefahr für den Rotmilan. „Herrn Kamm können wir nur zum wiederholten Male vorrechnen: In einem genauen Monitoring (wie er es im Artikel fordert) über zehn Jahre wurde an 101 altersbestimmten Rotmilanen festgestellt: 89 Prozent der durch Windräder getöteten Rotmilane während der Fortpflanzungsperiode (März bis Juli) sind erwachsene Brutvögel. Ein schwerer Verlust für die Population, denn von 100 nestjung beringten RM verbleiben bis zur ersten Brut ab dem 3. (4.) Lebensjahr nur gut neun Paare.“ Von diesen 89 Prozent Altvögeln seien wiederum 86 Prozent während der Fortpflanzungsperiode durch Windräder getötet worden– fast immer mit Totalverlust der Brut. Die staatliche Vogelschutzwarte Buckow/Brandenburg habe bereits für 2009 Windräder in Brandenburg als Todesursache Nr. 1 für Rotmilane mit 36,7 Prozent aller bekannten Ursachen in einem genauen Monitoring – wie es Kamm fordere – festgestellt. Bereits seit dem Ausbaustand der Windenergie für 2011 in Brandenburg sei eine negative Bestandsentwicklung des Rotmilans allein durch Windräder ziemlich sicher, aber auf jeden Fall sicher für die nachfolgenden Jahre gegeben.

Zum vierten Punkt merken Kayser und Holzheu an, dass die Windräder in Zöschingen – und auch Dischingen – oft sehr lange still stehen, während dieser Zeit also abgeschaltet seien. „Zu den persönlichen, herabsetzenden Angriffen von Kamm gegen Reimuth Kayser sagen wir nichts. Auf solch ein niedriges Diskussionsniveau begeben wir uns grundsätzlich nicht herab“, betont Georg Holzheu. (pm)

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