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Landkreis Dillingen

12.01.2019

Winterdienst mit Joystick und Steuerpult

Viel zu tun hatten in den vergangenen Tagen auch die Räumdienste im Landkreis Dillingen. Die Straßenwärter fahren um 3.30 Uhr vom Kreisbauhof los.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbol)

Christian Zeller befreit die Straßen im Landkreis Dillingen von Eis und Schnee. Das erfordert nicht nur Technik und Augenmaß.

Christian Zellers Arbeitsplatz bewegt sich meist mit rund 40 Stundenkilometern vorwärts und oft auch rückwärts, dann allerdings langsamer. Er ist mit dutzenden orangen und blauen Lichtern durchsetzt und hat 272 Diesel-PS – die braucht er auch, wenn er die fünf Tonnen schwere Last, die in Kunststoff- und Metallbehältern lagert, über die schneebedeckten Hügel und die zu dieser Jahreszeit besonders glatten Brücken und Kreisverkehre des Landkreises Dillingen verteilt. Zeller arbeitet als Straßenwärter beim Kreisbauhof, in dieser Nacht hat er Winterdienst. Seine Aufgabe besteht darin, die richtige Menge Feucht- und Trockensalz auf die Straßen zu bringen. Als einer von zwei Wettermeldern der Frühschicht ist der 38-Jährige gegen Viertel vor Drei am Morgen jedoch erst einmal mit der Wetterlage beschäftigt. Ist heftiger Schneefall zu erwarten, wie in den vergangenen Nächten? Welche Temperatur haben die Straßen und Brücken im Landkreis? Ist es bewölkt und wie steht der Mond? Die meisten dieser Fragen beantwortet ihm ein Laptop, der in der warmen Wohnküche des Kreisbauhofs aufgebaut ist, im Eck steht ein Weihnachtsbaum. Das Gerät ist mit mehreren Kameras quer durch den Landkreis verbunden. Es liefert Zeller alle notwendigen Daten.

Christian Zeller ist Straßenwärter beim Kreisbauhof Dillingen und auch im Winterdienst tätig. Jede Woche wechselt er zwischen Früh- und Spätschicht. Wenn er morgens ab 3.30 Uhr auf den Straßen unterwegs ist, hat er viel moderne Technik an Bord.

Schließlich entscheidet er: Den Schneepflug braucht es heute Nacht nicht. „Mit den Schneepflügen kommt man viel langsamer voran“, erklärt Zeller, „erstens wiegen die mehr als eine Tonne und zweitens muss man beim Wenden und in engen Straßen noch vorsichtiger arbeiten.“ Er selbst fährt in dieser Nacht von Ballmertshofen über Unterbechingen, Lauingen, Finningen und schließlich zurück zum Kreisbauhof. 90 Kilometer. Rund vier Stunden werde er brauchen, sagt der 38-Jährige.

Es kommt auch auf Glück an

Manfred Wiedemann ist der Straßenmeister des Kreisbauhofs und Vorgesetzte von Zeller. In dieser Funktion plant Wiedemann die Einsätze und legt die Routen fest. „Beim Wetter kommt es auf den Glücksmoment an, dass man zum richtigen Zeitpunkt draußen ist.“ Sei das Fahrzeug schon einige Zeit draußen und dann fange es auf bereits gestreuten Wegen an zu schneien, helfe das ausgebrachte Salz nur wenig. Denn je nach Wetterlage braucht es eine andere Salzmischung und unterschiedliche Mengen an Salz. Wiedemann arbeitet mit mehreren Software-Systemen, um jeden Einsatz bestmöglich vorzubereiten. „Wir haben keinen Rund-um-die-Uhr Dienst“, sagt er. Das sei organisatorisch gar nicht möglich. Plötzliche Wetterkapriolen können immer Probleme bereiten.

Ehe es hinaus auf die Straßen geht, muss Zeller in der Frühschicht als Wettermelder die Einsatzbedingungen prüfen.

Die Nacht von Zeller und seinen Kollegen verlief bisher so, wie geplant. Die Wolken hängen tief, keine Schneeflocke trifft auf die große Windschutzscheibe des orange-farbenen Unimogs, der seit vergangenem Herbst für den Kreisbauhof im Einsatz ist. Der 38-jährige Straßenwärter geht an exponierten Stellen besonders sorgfältig vor, über ein Steuerpult, rechts neben dem Lenkrad, kann er jederzeit die Streubreite und die Zusammensetzung des Feuchtsalz-Trockensalz-Gemischs steuern. „Auf Brücken, in Kreisverkehren, den Auf- und Abfahrten von Straßen und vor Waldstücken ist es gefährlich“, sagt er. Dort streut er dann schon einmal doppelt, im Vorwärts- und Rückwärtsgang. Pro Quadratmeter Straße verteilt Zeller ein Gemisch mit zehn Gramm Feuchtsalz und 50 Prozent Trockensalz, die optimale Mischung für diese Nacht.

Mit dem Joystick durch den Schnee

Die gesamte Fahrzeugkanzel des Unimogs erinnert a n ein Cockpit, neben dem Steuerpult gibt es einen Joystick, ein Funkgerät und viele Knöpfe. Von außen dringen keine Geräusche herein, die Nachrichtensprecherin im Radio ist deutlich zu hören. Mit dem Joystick kann Zeller an besonders schneereichen Tagen Schleuderketten bedienen. Die hängen an der Achse, einmal aktiviert werden sie unter die Antriebsachse geschleudert und ermöglichen ein Fortkommen bei starker Glätte. Zellers Schicht geht zu Ende, ohne dass er die Ketten einsetzen musste. Um 6.51 Uhr fährt der 38-Jährige auf dem Kreisbauhof ein – die Streufahrt ist zu Ende, nicht jedoch Zellers Dienst.

Nach dem Ende seiner Streufahrt ist Zellers Schicht noch lange nicht vorbei. Unter anderem muss er die Ladung seines Unimogs auffüllen.

Die Schicht endet erst am Mittag

Die Schicht hat die fünf Tonnen Trocken- und 2000 Liter Feuchtsalz, die der Unimog mit sich führt, zwar nicht aufgebraucht, aufgefüllt werden müssen sie aber dennoch. „Bei uns gilt die Devise: so viel Salz wie nötig, so wenig wie möglich“, erklärt Zeller, während er Feuchtsalz über einen dünnen Schlauch aus einem Tank zuführt. Anschließend fährt er seinen Wagen in das Salzlager des Kreisbauhofs. Trockensalz fällt von einem Förderband in den Unimog, der Salzberg im hinteren Teil des Gebäudes verstreut seine Kristalle im gesamten Stadel. Rasch legt sich der Geschmack von Meerwasser auf die Zunge. Draußen, in der Morgenkälte, verfliegt er. Das Fahrzeug ist befüllt, nun muss der Straßenwärter es im Innenhof sauber spritzen. Zellers Frühschicht endet erst um 12 Uhr. Dann geht es nach Hause, wo die erste Mahlzeit seines bereits langen Tages auf ihn wartet.

Bei den nun gestreuten Straßen ist es ein kurzer Weg, anders als in der Nacht, vor Zellers Schicht. „Bei Schnee und Eis muss man nun einmal sehr langsam fahren, dann ist das kein Problem“ sagt er. „Der viele Schnee bei uns ist doch wunderschön.“

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