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18.03.2009

Wirtschaftsvereinigung Gundelfingen altert schnell

Gundelfingen (bern) - Nicht zu wissen, welches Alter man eigentlich hat, kann ein recht verwirrender Zustand sein. Das merken derzeit auch die Mitglieder der Wirtschaftsvereinigung Gundelfingen.

Dachten sie bis zur letzten Woche noch, dass ihre WV 59 Jahre alt ist, so hatte Josef Henkel bei der Generalversammlung eine Überraschung parat. In alten Unterlagen hatte der Gundelfinger Unternehmer den Mitgliedsausweis für den Handels- und Gewerbeverband von seiner Urgroßmutter Barbara Henkel aus dem Jahr 1929 gefunden. Anlass zur Freude - so wäre das doch Grund für ein 80-jähriges Jubiläum in diesem Jahr gewesen. Rainer Hönl nahm es sportlich und erklärte in der Generalversammlung: "So feiern wir heuer den 80. Gründungsgeburtstag und nächstes Jahr den 60. Wiedergründungsgeburtstag. Doch ich habe schon gehört, dass wir noch älter sind. Wer weiß also, ob nicht bald jemand mit einer noch älteren Urkunde kommt."

Gewerbetreibende fortschrittlich

Dass sich diese Prognosen bereits innerhalb weniger Tage bewahrheiten würden, damit hätte wohl keiner gerechnet. Cornelius Deisler, Inhaber von Matratzen und Betten Deisler, erinnerte sich: "Ich habe einmal in alten Papieren etwas über die Gründung einer Wirtschaftsvereinigung im 19. Jahrhundert gelesen." Die Versammlung gab für ihn den Anlass, einmal im hauseigenen Tresor zu graben. Mit Erfolg. "Ich habe ein altes Statut der Gesamtinnung selbstständiger Gewerbetreibender der Stadt Gundelfingen gefunden", erklärt er stolz und zeigt das gut erhaltene vergilbte Heftchen. Schwarz auf weiß steht hier in altdeutscher Schrift der Zusatz: "Angenommen in der Monatshaupt-Versammlung den 10. Oktober 1886." Auf 20 Seiten sind hier Aufgaben der Innung sowie Rechte und Pflichten der Mitglieder niedergeschrieben. Rainer Hönl: "Diese gebundene Satzung mit solchen ausformulierten Zielen hat meinen vollen Respekt. Es ist beachtlich, wie fortschrittlich die Gundelfinger Gewerbetreibenden Ende des 19. Jahrhunderts bereits waren."

Fehlte ein Mitglied bei einer der vier Versammlungen jährlich, ohne "Ortsabwesenheit, Krankheit oder andere unvermeidliche Abhaltung verhindert zu sein", drohte eine "Ordnungsstrafe von 10 bis 20 Reichsmark." Rainer Hönl schmunzelt beim Lesen: "Dies Disziplin konnte auch früher erst durch Drohung erreicht werden." Lachend fügt er an: "Vielleicht sollte man das wieder einführen." Hönl weiter: "Damals hatte man die gleichen Ziele wie heute: Die heimische Wirtschaft zu stärken. Genau das ist auch unser Anliegen." Deshalb will sich der 1. Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung überlegen, wie man diese 123 Jahre Gewerbeverbandshistorie im nächsten Jahr bei einer Feier würdigen kann. Dann steht das 60-jährige Wiedergründungsjubiläum ins Haus. Im Gundelfinger Stadtbuch stehen Hinweise auf ein Statut aus dem Jahr 1874." Dokumente, die das belegen, gibt es nicht - bis jetzt.

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