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Landkreis Dillingen

14.12.2020

Wissen Sie, welche Vögel es bei Ihnen im Garten gibt?

Diese Futterstelle scheint gut anzukommen: Zwei Stare streiten sich im Schnee um einen guten Fressplatz. Rechts ist ein Rotkehlchen zu sehen. Ein Leser hatte es beim Körner picken fotografiert. Der Landesbund für Vogelschutz hat Tipps für diejenigen, die Vögel füttern und beobachten wollen.
Bild: LBV (Symbol)

Plus Der Meisenknödel hängt prall am Ast, doch kein Tier ist in Sicht. Anne Vogel vom Dillinger Landesbund für Vogelschutz weiß, woran es liegen könnte. Das sind ihre Tipps für Tier-Beobachter.

Ein Mann aus Wittislingen, der anonym bleiben möchte, meldet sich telefonisch bei unserer Redaktion. Die Enttäuschung ist ihm anzuhören. Seit Jahren stellt er in seinem Garten Futterstellen für Vögel auf. Wenn es vor seinem Fenster flattert, freut er sich. Doch zurzeit sind auffällig wenige gefiederte Freunde unterwegs. Der Wittislinger fragt: Hat der Landkreis Dillingen plötzlich ein Vogelproblem?

Anne Vogel aus Hausen leitet die Dillinger Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Sie hat für uns bei Vogelkundlern nachgehakt, kann jedoch für diesen bestimmten Fall nur Vermutungen aufstellen. „Wenn die Vögel von heute auf morgen wegbleiben, muss es an der Umgebung liegen“, erklärt Vogel, die 27 Jahre lang den Bereich „Naturschutz“ am Dillinger Landratsamt betreute. Die Vögel könne zum Beispiel ein angriffslustiger Kater verschrecken, der neu in die Straße gezogen ist. Oder aber die Nachbarn haben eine besonders attraktive Futterstelle und locken damit die Vögel aus dem anderen Garten.

Der Klimawandel betrifft uns alle

Doch nicht an allem kann der Nachbar schuld sein: Der Klimawandel betrifft uns alle und damit auch die Vögel. Die jährlichen Zählungen des Landesbund für Vogelschutz zeigen, dass immer weniger Vögel in unserer Region leben. Und die Exemplare, die noch vorhanden sind, lassen sich zurzeit weniger blicken. Der November ist sehr mild. So konnten die Tiere meist genug Nahrung in der Natur finden und waren weniger auf die Futterstellen angewiesen, sagt Vogel.

Doch auch sonst wird es, wenn die Tage wieder kürzer und kälter werden, um einiges ruhiger im Leben der Piepmätze. Der Winter naht, es kann bitterkalt werden und das herumflattern wird zur Anstrengung. Dieser Energieverbrauch wird eingeschränkt. Das kennt man auch vom Menschen. Stichwort: Kuscheldecke und Kamin. Die Vögel verstecken sich dagegen in heimischen Sträuchern und Bäumen. „Letzens war ich spazieren und da flatterten plötzlich viele, wohl rund zwölf Vögel, aus einer Ligusterhecke“, berichtet Vogel.

Bild: Siegahrt Muthsam

Und auch ganz konkret greift der Mensch laut Anne Vogel in den Lebensraum der Vögel ein: „Die veränderten Landschaftsbedingungen, wie die Flächenversiegelung und die einseitige Landwirtschaft, stellen den Tieren weniger Lebensraum zur Verfügung.“ Die Vögel haben neben dem Menschen auch andere Feinde: „Es sind zurzeit viele junge Greifvögel unterwegs“, ergänzt Vogel, „und die schnappen sich gerne den einen oder anderen Vogel.“

Meisenknödel hängen prall am Ast

Viele Gründe kommen somit in Frage, wenn der Meisenknödel weiterhin prall am Ast hängt und kein Vogel in Sichtweite ist. Was sollen nun all jene verzweifelten Hobby-Ornithologen tun, die mit Rotkehlchen, Grünfink oder Blaumeise etwas Farbe und Leben in den Garten oder an den Balkon holen wollen? Den Klimawandeln aufhalten?

Fangen wir lieber klein an. Mehrere Futterstellen sind nicht verkehrt, ist ein Tipp der Hausener Vogelkundlerin.

Und diese sollten möglichst frei hängen – „damit keine Katzen auflauern können“. Der Lebensraum Garten sollte also ausreichend Sicherheit bieten. Ein natürlicher Garten mit einheimischen Sträuchern und Bäumen bietet den Tieren zudem Unterschlupf. Für weitere Hinweise verweist Vogel auf den Landesbund für Vogelschutz.

Eine Futterstelle ist nicht nur im Garten, sondern auch am Balkon schnell und einfach eingerichtet, heißt es dort. Wer beim Einrichten der Futterstelle folgende Tipps der LBV-Biologin Annika Lange befolgt, sollte die gefiederten Gäste am Futterhaus besonders gut beobachten können.

Hygiene am Futterplatz ist wichtig

Die Hygiene am Futterplatz ist besonders wichtig, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verringern. „In klassischen Futterhäuschen, in denen die Vögel beim Fressen im Futter stehen, kann das Futter leicht verschmutzen. Daher sollten diese unbedingt täglich gereinigt oder noch besser durch Futtersäulen ersetzt werden“, sagt Lange und fügt hinzu: „Bei der Reinigung der Futterstelle sollte unbedingt auf scharfe Chemikalien verzichtet werden. Es reicht völlig aus, das Futterhaus auszubürsten und anschließend mit heißem Wasser auszuspülen“. Darüber hinaus ist zu beachten, dass ein Dach das Eindringen von Nässe ins Futterhaus verhindert, da sich ansonsten auch Krankheitserreger ausbreiten können. Die Früchte des heimischen Weißdorns zum Beispiel schmecken über 30 Vogelarten, die des Schwarzen Holunder fressen sogar über 60 Vogelarten. „Doch trotz regelmäßiger Fütterung verlieren Vögel nicht die Fähigkeit, natürlich vorkommende Nahrung zu finden“, betont die Biologin. Mehrere Futterspender, die mit Weichfutter, einer Körnermischung und Fettfutter gefüllt sind, mache die Futterstelle für sehr viele Wintervögel interessant“, so Lange. Keinesfalls dürften jedoch altes Brot oder Essenreste verfüttert werden, da Salz und Gewürze für die meisten Vögel unverträglich seien und ihnen schaden.“ Auch eine Vogeltränke sollte an keiner Futterstelle fehlen, da gerade Körnerfresser täglich Wasser zum Trinken benötigen.

Wer jetzt mit der Vogelfütterung beginnt, kann sich rechtzeitig vor der „Stunde der Wintervögel“ die gefiederten Gäste aus der Umgebung in den Garten oder an den Balkon einladen. Der LBV und sein bundesweiter Partner, der Naturschutzbund Deutschland, rufen zum Zählen auf. Vom 8. bis 10. Januar können bayerische Vogelfreunde eine Stunde lang Vögel sowohl am Futterplatz, im Garten, am Balkon oder Fenster als auch im Park beobachten, zählen und melden.

Gut auf die Blaumeise achten

„Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Winter der Blaumeise“, sagt LBV–Biologin Lange zur Aktion. „Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Vögel dieser Art zum Opfer fielen.“

Bei der jüngsten großen Vogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“ im vergangenen Mai, meldeten die Teilnehmer auch in Bayern 22 Prozent weniger Blaumeisen als im Vorjahr. Auch im Landkreis Dillingen ist dieser negative Trend leider festzustellen. Hier wurden in 161 Gärten insgesamt 5837 Vögel gezählt.

Für die Experten sei es spannend herauszufinden, ob dieser Effekt auch im Winter noch spürbar ist. Haus- und Feldsperling waren im Sommer die häufigsten Vogelarten in den Gärten im Landkreis Dillingen, gefolgt von Amsel, Star und Kohlmeise. Weitere Informationen zum Mitmachen finden Sie unter www.stunde-der-wintervoegel.de

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