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Therapie

25.08.2018

Wo im Landkreis Dillingen Krebspatienten sporteln

Michaela Pappe leitet die Gruppe Sport nach Krebs des TV Lauingen.
Bild: Pappe

Die Gruppe „Sport nach Krebs“ des TV Lauingen gibt es seit 25 Jahren. Was das Angebot besonders macht.

Die Gruppe „Sport nach Krebs“ des TV Lauingen gibt es nun bereits seit 25 Jahren. Frau Pappe, warum braucht man denn ein spezielles Sportprogramm für Krebspatienten?

Michaela Pappe: Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Betroffenen haben oft funktionelle Beeinträchtigungen – bei Brustkrebspatientinnen etwa an den Armen, an der Schulter und natürlich am Brustgewebe. Darauf muss man beim Sport achten. Bestimmte Bewegungen sind zu vermeiden, daher arbeiten wir mit besonderen Übungen.

Wer nimmt an Ihrem Angebot teil? Sind das überwiegend Brustkrebspatientinnen?

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Pappe: Ja, man muss sagen, dass die Brustkrebspatientinnen am stärksten vertreten sind. Wir haben aber auch Teilnehmer mit anderen Krankheitsbildern. Prinzipiell gilt, dass jeder von Krebs Betroffene bei uns mitmachen kann.

Geht es bei Ihrer Gruppe um den Sport oder auch um das Gespräch?

Pappe: Das Gespräch ist bei uns schon sehr wichtig. Dennoch muss man sagen, dass ganz klar der Sport im Vordergrund steht. Die psycho-soziale Ebene darf aber nicht vergessen werden. Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Viele ziehen sich zurück. Unser Sportangebot kann den Betroffenen wieder Halt geben – sie kommen unter Leute, unter Menschen, denen es ähnlich geht, man kommt ins Gespräch. Und durch den Sport wächst auch etwas anderes: Vertrauen. Die Betroffenen trauen sich durch die Übungen auch wieder etwas zu, sie sehen, wozu sie imstande sind – eine wichtige Heilungsstütze. Und nicht zu vergessen: Lachen ist für uns besonders wichtig. Über dessen heilende Wirkung müssen wir, denke ich, nicht weiter sprechen.

Woher wissen Sie, worauf Sie bei der Arbeit in Ihrer Gruppe achten müssen?

Pappe: Um eine solche Gruppe leiten zu können, benötigt man eine spezielle Ausbildung zur Reha-Sportübungsleiterin. In Bayern kann man die bei der BVS machen. Ich wohne in Dischingen und habe meine Ausbildung daher in Baden-Württemberg gemacht. Die Ausbildung dauert eine Woche. Alle drei Jahre ist eine Fortbildung Pflicht.

Ihre Gruppe heißt ja „Sport nach Krebs“. Zu welchem Zeitpunkt stoßen die Mitglieder zur Gruppe?

Pappe: Die meisten Teilnehmer kommen, wenn Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen vorbei sind. Jeder Betroffene hat Anspruch auf eine Reha – das möchte aber nicht jeder. Hier kommen wir ins Spiel. Oft weisen Ärzte auf unser ambulantes Rehasportprogramm hin. Aber auch Mundpropaganda spielt eine große Rolle.

Und wie lange bleiben die Mitglieder?

Pappe: Die Krankenkassen verordnen normalerweise 18 Monate, 50 Einheiten. Die Kassen stehen hinter unserem Angebot und übernehmen es sogar oft noch länger für die Patienten. Spezielle Unterstützung haben wir von der AOK Günzburg bekommen, deren Räume wir am Anfang genutzt haben. Wir haben auch eine Teilnehmerin, die schon seit 25 Jahren dabei ist, und mehrere, die seit mehr als 20 Jahren zu uns kommen. Sie sehen: Ein Zeitlimit gibt es kaum.

Gibt es im Umkreis vergleichbare Angebote?

Pappe: Unsere Gruppe ist das einzige Angebot im Landkreis. Ich habe in meinem Heimatort Dischingen auch eine Gruppe gegründet. In Heidenheim und ich glaube in Günzburg gibt es ähnliche Angebote. Man muss sagen: Solch eine Sportgruppe zu leiten, ist etwas ganz Besonderes. Man braucht nicht nur die entsprechende Kompetenz, sondern auch sehr viel Einfühlungsvermögen. Nicht zu unterschätzen: Man baut ja auch eine Bindung zu den Patienten auf.

Wie kamen Sie dazu, so eine Gruppe zu leiten?

Pappe: Ich bin ausgebildete Sportübungsleiterin. Dann gab es das Angebot zu dieser speziellen Fortbildung. Mich hatte es von Anfang an sehr interessiert – und was soll ich sagen, ich habe mein Herz an diese Gruppen verloren.

Wie kann sich ein Betroffener Ihrer Gruppe anschließen?

Pappe: Jeder Arzt kann Betroffenen eine Verordnung für den ambulanten Rehasport ausstellen. Dann kann man sich einfach bei mir melden und alles näher besprechen. Wer Fragen hat, kann sich immer gerne an mich oder auch an die Geschäftsstelle des TV Lauingen wenden.

Kontakt: Die TVL-Geschäftsstelle hat die Telefonnummer 09072/921132 (Öffnungszeiten: Dienstag 11 bis 13 Uhr, Mittwoch 9.30 bis 11.30 Uhr). Michaela Pappe ist unter Telefon 07327/329 erreichbar. Die Gruppe trainiert jeweils donnerstags von 9.45 bis 10.45 Uhr in der Halle des TV Lauingen.

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