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Lauingen

08.01.2019

Zeitgemäßes Aussegnen

Die Aussegnungshalle am Lauinger Friedhof Herrgottsruh hat einen Preis beim Landkreis-Wettbewerb „Zeitgemäßes Bauen“ gewonnen.
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Die Aussegnungshalle am Lauinger Friedhof Herrgottsruh hat einen Preis beim Landkreis-Wettbewerb „Zeitgemäßes Bauen“ gewonnen.
Bild: DBW Architekten

Am Friedhof Herrgottsruh in Lauingen steht ein ausgezeichnetes Gebäude. Die Trauerhalle ist voller Symbolik, kluger Architektur und energiesparenden Ideen

Der Landkreis Dillingen hat in diesem Jahr erstmals den Wettbewerb „Zeitgemäßes Bauen“ ausgeschrieben. In Syrgenstein wurden in diesen Tagen zehn vorbildliche Projekte ausgezeichnet. Wir stellen sie in einer Serie in loser Folge vor.

Dieser Tage liegt der Friedhof Herrgottsruh in tiefem Nebel, der Kies knirscht unter den Füßen. Eine Frau mit einer kleinen Pflanze in der Hand geht in Richtung der Gräber. Auf dem Weg zu den Grabstellen passiert sie ein Bauwerk. Die Aussegnungshalle steht dort seit vier Jahren. Und sie hat kürzlich einen Preis gewonnen.

Endlich hat der Friedhof eine Aussegnungshalle, könnte man sagen, denn das war lange nicht der Fall. In Auftrag gegeben hat den Bau das Kommunalunternehmen der Stadt Lauingen, das auch für den Unterhalt aufkommt. „Links davon steht so ein Holzbau“, erklärt Martin Winkler, einer der Vorstände des Kommunalunternehmens. Der Holzbau ist der Vorgänger des neuen Gebäudes. Er war als Provisorium gedacht und dann doch mehr als 30 Jahre in Betrieb. Der Raum diente lediglich der Aufbahrung – die Trauerfeiern fanden auf dem Vorplatz statt. Im Freien. „Suboptimal“ sei das gewesen, erklärt Winkler. Je nach Wetter zu kalt, zu nass oder auch zu warm. Eine große Aussegnungshalle war im Bebauungsplan von Anfang an vorgesehen, „ein lang gehegter Wunsch“. Aus finanziellen Gründen wurde dieser immer wieder aufgeschoben, ehe er Realität wurde. Am Ende hat die Stadt ihn über das Kommunalunternehmen bauen lassen. 1,35 Millionen Euro hat die Aussegnungshalle gekostet.

Vor allem das Brückendach fällt auf

Ein Bau, der Funktionalität mit den besonderen Ansprüchen solch eines Ortes verbindet, sollte es sein, insbesondere was Pietät angeht, erklärt Winkler.

Den Architekten-Wettbewerb konnte damals die Firma DBW Architekten aus Haunsheim für sich entscheiden. Nicht nur die Ausschreibung war erfolgreich, sondern auch der Bau. Denn die Aussegnungshalle wurde beim Landkreis-Wettbewerb „Zeitgemäßes Bauen“ als eines von zehn Projekten ausgezeichnet.

Architekt Johann Weißbecker erklärt bei einem Rundgang, was das Besondere an der Lauinger Aussegnungshalle ist. Eines der auffälligsten Merkmale ist das große Brückendach, die sich über die beiden Bereiche des Gebäudes spannt. Auf der Seite, die der Straße am nächsten ist, stehen drei Räume zur Aufbahrung zur Verfügung. Dort können die Toten auf ihre letzte Reise vorbereitet werden und die nächsten Angehörigen am Sarg Abschied nehmen.

Der Weg des Sarges führt dann unter der Brückendecke hindurch in die Halle gegenüber. Die Brücke symbolisiere die „Brücke zwischen Diesseits und Jenseits“, erklärt Weißbecker. Besonders ist, dass der Sarg nach der Trauerfeier nicht etwa den gleichen Weg zurück nimmt. Stattdessen ist am anderen Ende der Halle eine Schiebetür, die direkt auf den Friedhof führt. Der Sarg wird immer in einer Richtung getragen, Weißbecker spricht vom „Weg ohne Wiederkehr“.

Es geht nicht nur um Symbolik, sondern auch um Funktionalität

Nun wurde bei der Aussegnungshalle nicht nur auf Symbolik Wert gelegt, sondern auch auf Funktionalität. Die Halle eignet sich für Trauerfeiern jeder Größe. Je nachdem, wie viele Trauernde erwartet werden, lassen sich Teile des Raums durch Vorhänge abtrennen oder mitnutzen. Bei besonders vielen Besuchern können auch die drei Flügeltüren in geöffnetem Zustand fixiert werden. Dann ist der Blick vom Außenbereich aus frei – auch die Beschallung ist gewährleistet, neben den Türen sind Lautsprecher angebracht. Zwar stehen die Trauernden dann im Freien, doch ungeschützt sind sie nicht. Die Brücke überdacht den Bereich vor der Halle. Der ganze Außenbereich ist wiederum von weißen Mauern umgeben, die einen Innenhof entstehen lassen, der Ruhe ausstrahlt. Ein „geschützter, stiller Bereich“ war das Ziel, erklärt Weißbecker.

Auch die Inneneinrichtung stammt vom Haunsheimer Architekturbüro. Die Bänke sind aus Eichenholz, wie auch Teile der Wandverkleidung und die Türen, der Boden ist aus Naturstein. Indirektes Tageslicht kommt durch die Milchglasscheiben, die die Brücke mit dem Rest des Baus verbinden. So gelangt Sonnenlicht in den Raum, ein ablenkender Blick nach draußen ist aber nicht möglich.

Beim Wettbewerb „Zeitgemäßes Bauen“ wurde insbesondere die Nachhaltigkeit berücksichtigt. In diesem Punkt kann die Aussegnungshalle mit einem „sehr reduzierten Energiekonzept“ aufwarten, wie Weißbecker erklärt. In der Halle finden jährlich etwa 80 Trauerfeiern statt, rund 40 in der Zeit, in der eine Heizung nötig ist. Mit normalen Heizkörpern müsste der große Raum Stunden vorher erwärmt werden – alles andere als nachhaltig. Stattdessen ist der Raum einerseits sehr gut gedämmt, andererseits gibt es unten an den Sitzbänken Strahlenheizungen. „Wenn die Füße warm sind, friert der Mensch nicht“, erklärt Weißbecker. Auch in den anderen Räumen wird mit Infrarot-Strahlern geheizt, sodass nur dann Energie verwendet wird, wenn das wirklich nötig ist.

Auch die Decke der Brücke im Außenbereich wurde sparsam gebaut. Es handelt sich um eine Hohlkörperdecke. Der Beton ist nicht massiv, sondern nur die Streben. Die Statik leidet darunter nicht, im Gegenteil – denn die Decke ist dadurch leichter.

Die Stadt Lauingen freute sich sehr, mit dem kommunalen Bau einen Preis errungen zu haben. In der Dezember-Sitzung hat Dritter Bürgermeister Albert Kaiser dem Stadtrat die Urkunde der Preisverleihung stolz präsentiert.

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