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Auftritt

21.11.2019

Zitherklänge und treffsichere Pointen

Auf einer kleinen Knopfharmonika spielte der Musikkabarettist Josef Brustmann seine Gstanzln.
Bild: Martin Gah

Gstanzln über Gesellschaftsprobleme, eine Schluchtensau und AC/DC-Melodien präsentiert Josef Brustmann in Holzheim

Der aktuelle Gast beim Kabarett des Gesangvereins Holzheim ist schon seit vielen Jahren eine feste Größe in der bayerischen Musikkabarett-Szene, wie Wilhelm Reicherzer, der Vorsitzende, in seiner Begrüßung betonte. Von 1993 bis 2001 war Josef Brustmann Mitglied des Bairisch Diatonischen Jodel Wahnsinns, seit 2002 Teil der Monaco Bagage. Von dieser Gruppe trennte er sich 2004 und ist seitdem auf Solopfaden unterwegs.

In Holzheim präsentierte er sein sechstes Soloprogramm „Das Leben ist kurz, kauf dir die roten Schuh“ mit Texten und Musik. Und auch darin bürstet er die bayerische Volksmusik gegen den Strich. Er erzählt von einem Missionar aus seiner Heimatstadt Wolfratshausen, der in Chile mit den Mabuje-Indianern bayerische Volksmusik einstudierte. Zwischen die Strophen einer besinnlichen Ballade auf der Zither über den Lauf der Jahreszeiten aus der Sicht eines Bergbauern mischen sich die schrillen, bemühten, aber niemals treffenden Jodel-Versuche der Indianer.

Bei Gstanzln zu den Problemen der Neuzeit verbindet Brustmann altbekannte Strophen der Monaco Bagage („Im Woid wos zum Schiaßn, des is gor ned schwaar, und triffst du koa Reh, dann an Nordic Walker“ ) mit ganz neuen Strophen über Weltpolitik („Donald Trump ist Präsident, Leonard Cohen ist hinüber, verzeih, lieber Herrgott, andersrum wär’s mir lieber“).

Zitherklänge und treffsichere Pointen

Selbst Bauernregeln überträgt Brustmann in die Neuzeit („Kriegt der Bauer nix für d’Milli, bleibt beim Aldi d’ Milli billi“). Außerdem bekommt das Publikum in Holzheim noch einen Klassiker aus seiner Zeit beim Bairisch Diatonischen Jodel Wahnsinn zu hören, nämlich das Marschlied von der Schluchtensau. Diese lebt in den bayerischen Alpen und setzt prolligen Ski-Touristen ihre Haufen vor die Berghütten. Zu einem Blues auf der Gitarre macht sich Brustmann philosophische Gedanken, wozu der Mensch bestimmt sei. Es stehen zur Wahl das „to be to do“ (sein um zu machen; Aristoteles), das „to do to be“ (machen um zu sein; Jean-Paul Sartre) oder schlicht das „dubidubidu“ (Frank Sinatra).

Dass der Gesangverein der Veranstalter des Holzheimer Kabarettabends ist, wird deutlich, als Brustmann das Publikum einbindet. Das Glockenspiel des Münchner Rathauses bringt er auf einer großen Anzahl gestimmter Kuhglocken zu Gehör. Anschließend lässt er das Publikum die Melodie nachsingen. Dies gelingt ohne Probleme, auch geteilt in zwei Gruppen. Schließlich holt er sich Gaby aus Aislingen als Hilfe auf die Bühne. Zum Gesang des Publikums bedient sie drei Kuhglocken, Brustmann die anderen. Für ihren Auftritt bekommt sie großen Applaus.

Brustmanns Hauptinstrument in Holzheim ist die Zither. Ihr entlockt er auch Klänge von Simon and Garfunkel und AC/DC. Zu einer Autoharp, der US-amerikanischen Variante der Zither, greift er bei einer Ballade über die Abendstimmung in Texas. Der Waffenhändler fährt glücklich nach Hause, auch beim Hinrichtungsspritzensetzer lief alles wie immer, alle tot. Am Ende des Liedes trifft Trump eine Kugel. „Das war das Happy End“, lautet Brustmanns Kommentar.

Das begeisterte Publikum bekommt zwei Zugaben. Eine davon ist „Amazing Grace“, gespielt auf einem Reise-Alphorn (Trompetenmundstück, Gartenschlauch, Trichter).

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