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Japan

14.03.2011

„Zuerst glaubt man es nicht“

Friedhild Goi, mit einem Japaner verheiratet, hat Beben miterlebt

Glött Nein, besorgt war Friedhild Goi nicht, als sie von dem verheerenden Erdbeben in Japan hörte, bei dem wohl über 1000 Menschen ums Leben kamen. „Da habe ich mir zuerst gar keine Gedanken gemacht“, sagt Goi. Sie ist mit einem Japaner verheiratet, der vor einiger Zeit Wagyu-Rinder in Glött züchtete, wo sie noch heute als Tierärztin tätig ist.

Hatte Goi doch selbst viele Erdbeben miterlebt, als sie Ende der 1970er Jahre in Japan lebte. „Das ist ganz normal“, sagt sie. Es fange alles zu wackeln an, man habe das Gefühl, der Boden werde einem unter den Füßen weggerissen, beschreibt Goi ihre Erfahrungen. Gefährlich sei das, was von oben auf einen herabfallen könne. Deshalb versuchte man, sich so schnell wie möglich unter einem Tisch oder in einem Türrahmen in Sicherheit zu bringen. Aber meistens haben die Erdbeben, die sie miterlebte, nur so kurz gedauert, dass sie gar nicht reagieren musste.

Trotzdem: „Es ist alles durchorganisiert“, berichtet Goi. „Sogar ein Kindergartenkind lernt, was es tun muss, wenn alles zusammenbricht.“ In Schulen und Fabriken sei man vorbereitet, Übungen für den Ernstfall gebe es regelmäßig. Auch das war ein Grund, warum sie erst, nachdem sie das Ausmaß der Katastrophe von Freitagnacht im Internet sah, in Sorge geriet: eingestürzte Häuser, zerstörte Straßen, überflutete Küsten, die Gefahr einer Kernschmelze im Atomkraftwerk Fuku-shima. „Zuerst glaubt man es nicht“, sagt Goi.

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Der Mann ihrer Schwägerin habe dort, im AKW, gearbeitet, bevor er sich zur Ruhe setzte. Jetzt lebe die Familie aber in Chiba, etwas westlich von Tokio gelegen. Auch andere Verwandte und Freunde wohnten in oder in der Nähe der japanischen Hauptstadt und in Nagano, nordöstlich von Tokio im Landesinneren. Betroffen von den Ausmaßen des Erdbebens, dessen Stärke gestern auf 9 korrigiert wurde, seien diese nicht.

Ihr Mann, Naomi Goi, versuche dennoch, Familie und Bekannte zu erreichen – über das Internet. Telefonieren funktionierte einen Tag nach dem Beben nicht. Die Leitungen waren vermutlich nicht intakt. Erreichen konnte er zu diesem Zeitpunkt noch niemanden.

Von Schicksal der Menschen betroffen

Goi selbst verfolgt im Netz, unter anderem auf den Seiten japanischer Magazine, die Entwicklungen. Dass sich der Fokus der deutschen Medien auf die Explosion, die möglicherweise eintretende Kernschmelze im AKW Fukushima konzentriert, kann sie nachvollziehen. Ein Tsunami, das könne in Deutschland nicht vorkommen. Aber ähnliche Probleme mit AKWs könnten auch hier auftreten.

Sie selbst fühlt mit den Menschen im Nordosten Japans: „Schlimmer ist, was jeder Einzelne von ihnen durchmachen muss.“

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